Florian Künstler macht Popmusik mit Herz und Seele, er berührt die Menschen und gibt ihnen Kraft. Seine Konzerte sind Zusammenkünfte, die bereichern und emotionalisieren. Der Sänger überzeugt nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit einer authentischen, bodenständigen Art und einem tiefen Verständnis für zwischenmenschliche Werte. In einem offenen Gespräch erzählt Florian von seiner turbulenten Entwicklung – einem Weg über Umwege auf die Bühne – und davon, warum Ruhm ihm nicht wichtig ist. Vielmehr geht es Künstler um echte Begegnungen, das wurde im Gespräch mit Ahoi-Redakteurin Paula Goos schnell klar!
Hi Florian, was macht das mit einem, wenn man schon vom Namen her ein Künstler ist?
Florian Künstler: Viele fragen mich immer, ob das mein richtiger Name ist. Das ist es, aber es war nicht geplant, dass ich sowas mal mache. Ich bin erstaunt, dass ich heute Konzerte geben und vom Musikmachen leben kann!
Du warst früher medizinischer Bademeister. Hast du so ein allgemeines Bedürfnis, Leuten Sicherheit zu geben? Das machst du mit deiner Musik ja auch.
Florian Künstler: Vielleicht kommt das daher, dass ich die selber nie hatte. Ich wollte schon immer anderen Halt geben. Und man bekommt das dann ja auch immer zurück. Ob im Rettungsdienst, an Schulen oder in Zusammenarbeit mit älteren Menschen. Man erzählt sich von seinem Leben und tauscht sich aus. Als medizinischer Bademeister machst du auch Saunaaufgüsse, da war es einfach schön, jemandem was Gutes zu tun und dafür eine positive Rückmeldung zu bekommen: Die Massage war gut, oder das Bewegungsbad. Heute sagen Leute dann bei Konzerten, sie können etwas mit meinem Song anfangen und der hat sie berührt. Da ist schon eine Parallele!
Also ist es die Zwischenmenschlichkeit, die dein Schaffen ausmacht?
Wir haben verlernt, aufeinander zu gucken und zu achten.
Florian Künstler: Wir fällen so schnell ein Urteil und schießen gegen andere, ohne überhaupt ein bisschen dahinter zu gucken. Wir interessieren uns heute nicht mehr für andere Leute. Es gibt immer Gründe, warum Menschen Sachen so machen! Ich versuche, wieder mehr hinter die Fassade zu gucken.
Wo fühlst du dich denn selber sicher?
Florian Künstler: Das klingt jetzt ganz langweilig, aber ist mir egal: zu Hause mit den Katzen auf dem Sofa einen geilen Film gucken und was zu essen! Ich liebe es auch, in den Bergen unterwegs zu sein. Aber so richtig sicher fühle ich mich jetzt gerade besonders hier zu Hause.
Welche Umwege bist du in deinem Leben gegangen?
1 Milliarde. Ich kenne alle Umwege.
Florian Künstler: Geboren in Berlin, mit einer drogenkranken Mutter – deswegen bin ich schon am Anfang meines Lebens durch so viele Pflegefamilien getingelt.Das ist eine crazy Zeit gewesen und nicht die beste Grundvoraussetzung. Später bin ich dann auch bei der Pflegefamilie rausgeflogen, wo ich die längste Zeit war. Ich habe eine Zeit lang auf der Straße gelebt. Ich habe gar kein Geld gehabt und Straßenmusik gemacht, um davon zu leben. Ich habe schon viele Jobs gemacht und mehrere Ausbildungen abgebrochen – bin aber nie irgendwo angekommen. Das lag daran, dass mir einfach das Urvertrauen fehlt. Ich dachte, ich muss etwas machen, damit meine Eltern wieder stolz auf mich sind. Weißt du, was ich meine? Aber irgendwann habe ich dann zum Glück das gefunden, was mich glücklich macht und damit die richtige Richtung. Umwege kenne ich trotzdem zu gut!
Aber diese Umwege haben dich auch zu dem Menschen gemacht, der du heute bist? Bereust du irgendetwas davon?
Florian Künstler: Ich habe schon so viel Ablehnung erlebt, von Jobs oder Leuten, die ihre Autorität ausleben wollten. Genau deswegen habe ich heute keine Angst mehr, dass irgendwas nicht klappt. Ich könnte ganz viele andere Leben anfangen und wäre glücklich. Ich gehe viel gelassener mit Rückschlägen um, nach dem, was ich erlebt habe. Diese Schule, das merke ich im Nachhinein, war ganz gut. Ich will da nie wieder hin, aber wenn ich heute in Gesprächen sitze, mit irgendwelchen großen Leuten, die mich wahrscheinlich beeindrucken sollten, mir das Blaue vom Himmel erzählen, dann bin ich eher vorsichtig. Mir wurde oft gesagt, was ich nicht alles machen müsste, um berühmt zu werden… Ich liebe Musik, aber ich weiß, dass ich auch ohne die große Bühne glücklich werden würde.
Dann wärst du halt ein singender Bademeister.
Florian Künstler: Oder ich würde durch Irland ziehen und in irgendwelchen Pubs singen und wäre auch happy.
Ich will einfach singen. Und ich will einfach Musik machen.
Es geht dir also nicht um Geld und Ruhm?
Florian Künstler: Nee, das interessiert mich null. Also ich will meine Band bezahlen können! Ich möchte auf Tour gehen mit einer Band, die Bock darauf hat. Und das Schönste ist, dass Menschen dahin kommen und wir so eine geile Zeit gemeinsam haben. Ich gebe lieber mehr Geld aus für Proben, damit die Leute eine schöne Zeit haben. Keine Zeit ist wertvoller als eine andere. Also egal ob jemand oben auf der Bühne steht oder unten – meine Zeit ist nicht wertvoller als deine. Zeit haben wir alle begrenzt. Und das ist das Wertvollste, was du geben kannst!
Was gibt es dir, auf Bühnen zu stehen?
Florian Künstler: Das ist verrückt – ganz allgemein, auf Tour zu gehen. Da ist ein riesiger Raum voller Menschen, die sich Zeit nehmen, ein Ticket gekauft haben, um mich spielen zu sehen. Ich bin verantwortlich dafür, dass sie einen guten Abend haben! Das ist ganz komisch. Mega viel Druck, aber gleichzeitig spielst du deine Musik vor und die singen einfach mit! Wenn wir „Tausende Mehr” spielen, das ist ein Song über Panik, sehe ich, dass viele Tränen in den Augen haben. Der ganze Raum singt diesen Song mit, den ich geschrieben habe über so ein dunkles Knäuel, den schlechtesten Teil meines Lebens. Das ist crazy.
Das ist nicht mehr mein Lied, sondern es gehört dann allen.
Machst du eher Winter- oder Sommermusik?
Florian Künstler: Ich habe für beides die richtigen Songs und ich glaube nicht, dass Musik abhängig von der Zeit ist. Ich mache insgesamt nicht die mega leichten Sommer-Feel-Good-Songs à la „die Sonne ist gelb und die Möwen fliegen”. Das liegt daran, dass es bei mir immer um echte Emotionen geht, die ich ungeschönt darstelle. Das Leben findet ja auch unabhängig von der Jahreszeit statt. Abschiede passieren immer, und auch schöne Dinge passieren immer.
Worauf kann man sich bei deinem Konzert im April freuen?
Florian Künstler: Im April ist noch ein bisschen Raum für Melancholie, Tränen in den Augen und sich in den Armen zu liegen. Aber was zum Tanzen und ein paar Bruce Springsteen Vibes sind auch dabei.
Hast du ein Lebensmotto?
Memento mori.
Florian Künstler: Bedenke, dass du sterben wirst. So ein Gefühl, dass hier nichts für immer ist. Das sollte man immer im Blick haben. Ich komme aus dem Rettungsdienst, da habe ich schon ganz viel gesehen, was auch nicht immer gut ist. Im Gegenteil. Dann weißt du einfach – es kann ganz schnell alles over sein. Deswegen: Verschiebe nichts zu lang!


