Selbstbewusstsein, Selbstermächtigung, Eigenverantwortung, Mündigkeit – Begriffe, die beschreiben, wenn Menschen ihr eigenes Leben nach eigenem Gutdünken gestalten. Das Leipziger Gothic-Model Dark Temptation ist da schon seit einigen Wintern und Nächten aktiv und hat sich eine äußerst entspannte Sicht auf die Welt angelebt. Das erfreut und ermuntert und deshalb fragte Ahoi-Redakteur Volly Tanner nach einem Interview. Außerdem lief er der jungen Frau auch schon öfter über den Weg. Hier ist das Ergebnis für Euch verschriftlicht:
Ahoi: Guten Tag, liebe Anika. Du firmierst schon längere Zeit unter dem Label Dark Temptation als Model. Wieso denn Dark Temptation? Das bedeutet ja eigentlich „Dunkle Versuchung“ …
Dark Temptation: Oh ja, das ist immer noch mein „Anfangsname“ und bis heute mag ich ihn. Ist schon einige Jahre her, da hat das mein Ex-Freund rausgehauen. Hat irgendwie gepasst und mittlerweile haben sich ja alle daran gewöhnt. Meine Follower kennen mich ja nur unter diesem Pseudonym. Es wäre schon komisch, wenn ich meinen Namen dann einfach ändere.
Ahoi: Seit wann gibt es Dich denn modelnd? Und wie begann das alles?
Dark Temptation: Also eigentlich war ich nie der Kamera- oder Bilder-Mensch, weder davor, noch hinter der Kamera. Aber durch meinen Umzug 2008 nach Leipzig, als ich dann so richtig in die Gothic-Szene eintauchte, hat sich das dann langsam geändert. Auf einmal hat man sich für Partys und das WGT richtig in Schale geworfen und dann wurden natürlich Bilder von mir gemacht. Die schlummerten erst einmal auf einem Laptop. Immer wieder wurde dann gesagt: „Mach doch mal eine Seite mit Deinen tollen Bildern“ Aber ich war mir immer noch so unsicher. Dann kam das Jahr 2013 mit neuer Liebe und neuer Motivation und im Frühling 2014 hatte ich dann mein erstes richtiges Shooting und war begeistert! Das hat die Lust auf mehr angestachelt, die Muse für meine Facebook-Seite kam angeflogen und dank der Unterstützung von Freunden und Bekannten fing dann alles so richtig an. Bis heute bereue ich es keinen Tag.
Ahoi: Wenn ich richtig informiert bin, modelst Du nicht, um damit Geld zu verdienen. Liege ich da richtig? Warum modelst Du denn dann? Und wie funktioniert das bei Dir alles?
Dark Temptation: Ja genau, für mich ist das ein Hobby. Von Anfang an wusste ich: Damit will ich kein Geld verdienen. Ich modele, weil es mir einfach unglaublich viel Spaß macht. Ich lerne regelmäßig neue Leute kennen und einige begleiten mich schon von Beginn an und sind mir richtig ans Herz gewachsen, wodurch auch richtige Freundschaften entstanden sind. Da ich das also nicht kommerziell mache und es dadurch lockerer angegangen werden kann, ist es auch sehr entspannt; ob in der Planungsphase, in der man sich über Ideen und Wünsche austauscht, beim Shooting selbst oder wenn man danach noch einen Kaffee oder so trinkt.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich so nicht verpflichtet, beziehungsweise gezwungen bin, ein Shooting zu machen, sondern nur dann mitspiele, wenn ich wirklich Lust dazu habe, wie bei jedem anderen Hobby auch. Beim Modeln kann ich kreativ sein, mich einfach hingeben, mal fallen lassen und dem Alltag entfliehen oder auch in komplett neue Rollen schlüpfen und jemand anderes sein. Es ist einfach so unglaublich vielseitig.
Ahoi: Gibt es auch Rückkopplungen in der analogen Welt? Wirst Du erkannt und angesprochen? Wie ist denn die Resonanz so?
Dark Temptation: Erstaunlicherweise werde ich doch ab und an erkannt. Ob bei Konzerten, bei Festivals oder auch beim Einkaufen. Natürlich sind diejenigen dann auch super lieb und man wechselt gern ein paar Worte. Einige haben sogar auch schon nach einem Bild zusammen gefragt. Da denke ich mir dann: Warum auch nicht. Ich fühle mich da schon geehrt.
Ahoi: Gab es auch schon unangenehme Feedbacks? Wenn ja, welche? Und wie gehst Du selbst damit um?
Dark Temptation: Da, wo unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, gibt es doch immer mal etwas Negatives oder Unangenehmes. Ist es jetzt Kritik an Bilder direkt, fragt man natürlich nach, was genau denn nicht gefällt oder was man vielleicht besser machen könnte. An sich sollte man schon immer bemüht sein, auch mit nicht so guter Kritik umgehen zu können.
Falls es aber anzügliche, unangemessene Kommentare sind, werden die Personen direkt blockiert. Auf solche Diskussion lasse ich mich mittlerweile nicht mehr ein und nehme mir das auch nicht mehr zu Herzen. Das habe ich im Laufe der Zeit gelernt. Man muss schließlich nicht jedem gefallen.
Ahoi: Wenn ich mich richtig erinnere, warst Du auch schon auf den Flyern des alten Darkflower. Was geschieht denn mit Deinen Bildern? Ich hatte mal eine Medizinerin interviewt, die gemodelt hat und deren Bildern auf Portale gepostet wurden, bis sie allerorten als Werbegesicht zu sehen war. Wie kontrollierst Du, was mit den Bildern geschieht?
Dark Temptation: Beim Darkflower wurde ich damals direkt angefragt. Da sage ich ja natürlich nicht Nein. Zur damaligen Zeit war ich auch regelmäßig zu den Partys dort und zählte das Darkflower zu meiner liebsten Tanzlokalität. Habe mich da auch riesig gefreut und einen Flyer habe ich immernoch zu Hause als Erinnerung.
Ansonsten schaut man natürlich immer mal im Netz nach seinem Namen und prüft, wo eventuell Bilder zu finden sind. Mit den Fotografen und Fotografinnen klärt man ja auch beim Shooting ab, ob und wo die Bilder gezeigt werden dürfen. Ansonsten gehört natürlich auch einfach viel Vertrauen dazu.
Ahoi: Hast Du schon einmal davon profitiert, dass Du Dich hast fotografieren lassen? Gibt’s freien Eintritt im Tanzschuppen Deines Vertrauens beispielsweise?
Dark Temptation: Ich glaube, beim Darkflower gab es damals einen freien Drink. Ansonsten wurden mir auch schon Shirts von Künstlern zugeschickt, natürlich mit Absprache, damit ich damit Bilder mache, praktisch eine Kollaboration. Im Großen und Ganzen mache ich die Bilder aber für mich und nicht für Locations oder Stores.
Ahoi: Wenn Du nicht modelst, was machst Du denn dann? Der Kühlschrank muss ja auch irgendwie gefüllt werden …
Dark Temptation: Wenn ich nicht gerade vor der Kamera stehe, gehe ich ganz normal arbeiten. Seit meiner Ausbildung bin ich Friedhofsgärtnerin. Ein Job, der mir viel Freude bereitet und den ich wirklich sehr gern ausübe.
Ahoi: Bei wem wolltest du Dich schon immer einmal bedanken für die Unterstützung auf Deinem Weg?
Dark Temptation: Großer Dank geht natürlich an meinen Partner. Er hat mich schon oft bei Shootings begleitet und mir auch assistiert. Eine zusätzliche helfende Hand ist manchmal einfach Gold wert. Natürlich bin ich auch dankbar, dass er mir soviel Freiraum gibt und bei vielen Dingen seine ehrliche Meinung sagt.
Danke auch an meine Freunde, die mich beraten und auch mal aufbauen, wenn es nicht so gut läuft. Und natürlich einen riesengroßen Dank an alle Fotografen und Fotografinnen und Co-Models, mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe.
Ahoi: Und gibt es Pläne für die nächste Zeit? Wenn ja, welche?
Dark Temptation: Große Pläne hab ich keine. Ich genieße einfach das Leben, auch jedes neue Shooting und freue mich auf neue und alte Bekanntschaften. Solange ich die Lust nicht verliere, wird es definitiv noch eine Weile Bilder von mir zu sehen geben.
Ahoi: Danke, Anika, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast. Und weiterhin viel Freude.


