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Anja Herzogs Kolumne

Wo Frauen wieder bei sich ankommen

Head Coach Susann Horschig Gök beim Krafttraining © Maike Giese

Für Susann Horschig Gök gehören Bewegung, Begegnungen und neue Orte zum Alltag. Als Head Coach der Women’s Health Camps organisiert sie Reisen und Retreats für Frauen. Im Interview spricht sie über Freiheit, Gesundheit und die Herausforderungen des modernen Alltags.

Anja Herzog: Susi, du bist oft wochenlang unterwegs, organisierst Camps und Events. Was begeistert dich an diesem Lebensstil?
Susann Horschig Gök: Die Momente, die ich in dieser Zeit erschaffen darf. Ich liebe es, wenn Menschen zusammenkommen und echte Emotionen entstehen. Ich liebe es, Menschen mit Energie anzustecken. Wir kreieren Erlebnisse, für die andere Urlaub buchen und sich das ganze Jahr darauf freuen. Es gibt nichts Schöneres, als dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Anja: Viele Menschen träumen von einem Leben mit mehr Reisen und Freiheit. Wie sieht die Realität hinter den Kulissen aus?
Susann: Tatsächlich deutlich unromantischer, als viele denken. Hinter jedem Camp und jeder Reise stecken viele Stunden Planung, Organisation, Telefonate und Schreibtischarbeit. Oft sieht man nur die schönen Bilder am Strand oder die sportlichen Aktivitäten vor Ort. Dahinter steckt aber ein großer organisatorischer Aufwand. Mein Ausgleich dazu ist mein anderer Beruf als Personal Trainerin. Dort arbeite ich direkt mit Menschen und bekomme sofort Energie zurück.

Anja: Du motivierst regelmäßig große Gruppen von Frauen, sich mehr zu bewegen und auf ihre Gesundheit zu achten. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen für Frauen heute?
Susann: Die vielen To-dos im Alltag. Die meisten Frauen arbeiten sechs bis acht Stunden am Tag, kümmern sich um Haushalt, Familie und oft auch Kinder. Gleichzeitig herrscht ein enormer Optimierungsdruck. Frauen möchten gute Mütter sein, im Beruf erfolgreich sein, gesund altern, fit bleiben und dabei möglichst noch entspannt wirken. Diesem Anspruch kann man kaum gerecht werden. Durch die vielen Einflüsse von außen vergessen viele irgendwann, sich selbst die Frage zu stellen: Wer bin ich eigentlich? Und was möchte ich wirklich?

Anja: Beim Women’s Health Day stehst du teilweise vor mehreren Hundert Teilnehmerinnen. Wirst du vor solchen Auftritten eigentlich noch nervös?
Susann: Nein, tatsächlich nicht. Auch bei unserer großen Veranstaltungsreihe, der Women’s Health Fit Night Out, stand ich vor über tausend Frauen und war überraschenderweise überhaupt nicht aufgeregt. Es liegt mir einfach, vor Menschen zu stehen und über Bewegung, Gesundheit und Fitness zu sprechen. Das sind Themen, für die ich brenne. Deshalb fühlt es sich für mich sehr natürlich an.

Anja: Gesundheit bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Was bedeutet ein gesundes Leben für dich persönlich?
Susann: Für mich bedeutet Gesundheit vor allem Freiheit. Die Freiheit, mich bewegen zu können, wann ich möchte. Meine schlimmste Vorstellung wäre es, acht Stunden am Tag ohne Bewegung in einem Büro zu sitzen. Gesundheit bedeutet für mich aber auch, Menschen um mich zu haben, die meinen Lebensstil unterstützen. Und sie bedeutet, die richtige Balance zwischen Genuss und einer gesunden Basis zu finden.

Anja: Du bist gut vernetzt und arbeitest mit vielen inspirierenden Menschen zusammen. Wie wichtig waren Beziehungen und Netzwerke für deinen beruflichen Erfolg?
Susann: Sehr wichtig. Unsere Camps leben von Empfehlungen und von den Menschen, die vor Ort dabei sind. Deshalb ist es entscheidend, die richtigen Menschen an seiner Seite zu haben. Empfehlungen aus meinem Leipziger Netzwerk vertraue ich zu hundert Prozent. Gute Netzwerke können Türen öffnen, die man allein oft gar nicht finden würde.

Anja: Wenn du auf die Frauen schaust, die an deinen Reisen, Camps oder Retreats teilnehmen: Welche Veränderungen beobachtest du am häufigsten?
Susann: Viele Frauen kommen mit Unsicherheit zu uns. Manche reisen sogar allein an und wissen nicht, was sie erwartet. Spätestens am zweiten Tag ist diese Unsicherheit meistens verschwunden. Die Frauen erinnern sich wieder daran, was ihnen selbst wichtig ist und was ihnen guttut. Sie kommen wieder bei sich selbst an.
Das sehe ich oft an diesem besonderen Glitzern in den Augen. Es entstehen intensive Gespräche und wertvolle Verbindungen. Viele Frauen nehmen wichtige Impulse für ihr Leben mit nach Hause. Außerdem stellen sie fest, dass sie viel stärker sind, als sie denken. Im Alltag trauen sich viele oft nicht mehr viel zu. Im Camp probieren sie Dinge aus, die außerhalb ihrer Komfortzone liegen. Ein Beispiel ist unser Eis Fass mit vier Grad kaltem Wasser. Anfangs haben viele großen Respekt davor. Später sind es oft genau diese Frauen, die jeden Morgen wieder hineingehen. Sie stellen sich Herausforderungen und erleben, dass sie diese erfolgreich meistern können.

Anja: Du bist ständig in Bewegung. Wie schaffst du es selbst, Kraft zu tanken und auf deine eigene Gesundheit zu achten?
Susann: Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Manchmal fällt es mir schwer, die richtige Balance zu finden und rechtzeitig zu merken, wann es genug ist. Mein Körper kommt nicht immer mit der Regeneration hinterher, weil ich beruflich sehr viel Sport mache. Mein Ausgleich sind oft die einfachen Dinge. Mit dem Longboard und Musik auf den Ohren um den Cospudener See zu fahren, entspannt mich sehr. Genauso wie Zeit in meiner Hängematte auf dem Balkon. Auch Gespräche mit Freundinnen oder ein Glas Wein am Abend gehören für mich dazu. Das sind die Momente, in denen ich wieder auftanken kann.

Anja: Gab es einen Moment in deinem Leben oder deiner Karriere, der deine Sicht auf Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig verändert hat?
Susann: Ja, tatsächlich sehr früh. Nach der Schule wollte ich ursprünglich Jura studieren und begann zunächst eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Bereits in der ersten Woche wusste ich aber, dass ich diesen Weg beruflich niemals gehen werde. Die Ausbildung habe ich trotzdem abgeschlossen. Danach habe ich direkt Sport studiert. Rückblickend war das eine wichtige Erkenntnis für mich. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und den Mut zu haben, den eigenen Weg zu gehen.

Anja: Wenn du Frauen nur einen einzigen Rat mitgeben könntest, um langfristig gesünder, glücklicher und zufriedener zu leben – welcher wäre das?
Susann: Das Wichtigste ist, wieder mehr auf sich selbst zu hören. Sich zu fragen: Was hat mir als Kind Freude gemacht? Diese Dinge dürfen wir nicht verlieren. Dafür sollten wir uns bewusst kleine Inseln im Alltag schaffen. Es spielt dabei keine Rolle, was man genau macht – wichtig ist nur, dass es einem selbst Freude bereitet. Viele Menschen verbinden Sport noch immer mit den Erfahrungen aus dem Schulsport. Dort haben viele negative Erlebnisse gemacht und glauben deshalb, Sport sei generell nichts für sie. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag zu integrieren. Jeder Mensch kann etwas finden, das ihm Spaß macht. Genau darum geht es: Freude an Bewegung zu entdecken und sie als Bereicherung für das eigene Leben zu sehen.

 

Über die Autorin

Anja Herzog ist Kommunikations- und Netzwerkspezialistin aus Leipzig. Mit ihrem Frauen Netzwerk bringt sie Unternehmerinnen, Entscheiderinnen und Macherinnen zusammen und porträtiert in ihrer Ahoi-Kolumne regelmäßig inspirierende Frauen aus der Region.

 

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