Die große Kunst des Journalismus ist, nicht über Menschen zu urteilen, sondern mit Menschen zu sprechen, sie bestenfalls selbst zu Wort kommen zu lassen. Und so kam es, dass Ahoi-Redakteur Volly Tanner mit Buchkind Antonia auf einer Bühne saß und sie ausfragte. Schließlich schreibt sie Bücher, macht sich Gedanken über unsere Zukunft und ist ein Buchkind im Buchkinder Leipzig e.V. Hier gibt es das Gespräch zum Nachlesen:
Ahoi: Guten Tag, liebe Antonia. Wir trafen uns bei der Leipziger Buchmesse auf der Hugendubel-Bühne, auf der Du Dein neues Buch über eine „Zweite Erde“ vorstelltest. Dieses Buch erscheint beim Buchkinder Leipzig e.V. Wie lange bist Du denn schon in diesem Verein und was gefällt Dir dort so?
Antonia Ribault Fass: Bei den Buchkindern bin ich schon lange. Original gestartet bin ich wegen meiner Freundin Franka, die an meiner zweiten Buchreihe „Mystery Snakes“ mitschreibt. Sie war schon vorher da, und ich bin einfach mit eingestiegen. Das muss schon so fünf Jahre her sein.
Ahoi: Das Buch ist ja nicht Dein erstes Buch. Wie viele Bücher hast Du denn schon erscheinen lassen und zu welchen Themen?
Antonia Ribault Fass: Also, wie gesagt, habe ich sehr lange an einer Büchereihe namens „Mystery Snakes“ mit Franka geschrieben. Davon sind schon drei Bücher draußen und das vierte ist auch bald fertig. Weil wir als kleinere Mädchen angefangen haben, ist es natürlich eher ein Kinderbuch. Es geht darin um magische, bunte Schlangen, insbesondere zwei Schwestern mit ihrer Familie und Freunden, die an der sogenannten „Mystery Snake High“ viele Abenteuer erleben und verrückte Dinge machen.
Ahoi: Das neue Buch hast Du ebenfalls, wenn ich es richtig verstanden habe, mit Deiner Freundin erstellt. Kannst Du uns bitte etwas zum Schaffensprozess erzählen? Und wer ist denn Deine Freundin eigentlich?
Antonia Ribault Fass: Der Schaffensprozess war natürlich langwierig. Anfangs haben wir alles tatsächlich noch mit Hand auf Papier geschrieben und auch die Bilder mit Hand gemalt. Das hat natürlich sehr lange gedauert, aber irgendwie mochten wir es. Ich habe aber auch mehrere Bilder auf dem Tablet meiner Mutter gemalt. Bei den letzten Büchern sind wir dann auf das digitale Schreiben umgestiegen. Meine Freundin ist, wie schon erwähnt, Franka. Sie ist in meinem Alter, wohnt aber nicht mehr in Leipzig, weshalb wir beim Telefonieren zusammen am Buch gearbeitet haben.
Ahoi: Dein Buch geht von der Annahme aus, dass die Menschheit eine zweite Erde findet, um es auf dieser besser zu machen. Welche Herausforderungen sind denn, Deiner Meinung nach, auf unserem Planeten so verkantet, dass sie hier nicht mehr zu lösen sind?
Antonia Ribault Fass: Vor allem stellen sich die Herausforderungen durch die Überbelastung mit den Menschen auf dieser Erde. Wir sind viel zu viele geworden, und dann führt es dazu, dass wir viel zu viel verbrauchen und vor allem Platz einnehmen. Danach folgt natürlich auch der Klimawandel als Problem, der sich so verschlimmert hat, dass es immer weniger Lebensraum für mehr Menschen gibt.
Ahoi: Und wie funktioniert dies auf der anderen Erde?
Antonia Ribault Fass: Die Menschen haben einfach neue Ideen entwickelt, die ein umweltbewusstes Leben ermöglichen. Das war natürlich aber nicht so einfach, wie es jetzt klingt, aber es musste sein. Schließlich gibt es auf „Erde 2“ ganz andere Rohstoffe usw. und damit auch mehr Möglichkeiten, neue Technologien zu entwickeln. Man hat sich neue Technologien für beispielsweise den Häuserbau ausgedacht, damit man mehr Platz spart, aber noch viele Menschen in Wohnungen unterbringen kann.
Ahoi: Wie ist das Buch denn aufgebaut? Ist das Buch eine Science-Fiction-Story, ein Ratgeber, ein Lexikon, ein wissenschaftliches Essay? Was erwartet uns?
Antonia Ribault Fass: Es ist irgendwie keins von alldem, sondern eher eine Art Mischung aus allem. Es erzählt natürlich von wissenschaftlichen Erfolgen, Entwicklungen und wie die Erde aufgebaut ist. Es ist auch wie eine Erzählung, eine Science-Fiction Story, weil es ja auf einem ganz neuen Planeten spielt. Euch erwartet auf jeden Fall eine spannende Erzählung über eine neue Erde mit spannenden, wissenschaftlichen Facts.
Ahoi: Du kommst aus einer künstlerisch sehr aktiven Familie. Was machen denn Deine Angehörigen so im Kulturbereich?
Antonia Ribault Fass: Ja genau, meine Mutter ist Illustratorin und malt auch sehr viel. Sie dokumentiert so ziemlich alles auf Papier. Auch meine Tante ist künstlerisch unterwegs, die ist Musiklehrerin und singt auch gerne. Dadurch haben sie mich, meinen Bruder und meine Cousins natürlich angesteckt.
Ahoi: Zurück zum Buch: Du bist ja noch eine recht junge Autorin und Künstlerin. Nun wird es bestimmt Menschen geben, die sich gerade an Deinem Alter abarbeiten, um Dein Werk zu verunglimpfen, zu degradieren. Was sagst Du denen?
Antonia Ribault Fass: Also, diese Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht. Meine Familie und Freunde sind alle sehr unterstützend. Ich kann mir schon vorstellen, dass manche denken, mein Buch wäre automatisch „schlechter“, weil ich noch so jung bin. Aber diejenigen, die das denken, können einfach hereinlesen, bevor sie so schnell urteilen.
Ahoi: Dein Buch gibt alten Menschen wie mir Hoffnung, dass Deine Generation nicht nur SocialMediaVideos dreht, sondern sich richtig Gedanken macht, aus denen dann vielleicht sogar Taten werden, die das Schiff Erde vor dem Abgrund bewahren. Aus Deiner Innensicht: Gibt es überhaupt „Deine Generation“? Oder ist das alles viel zu pauschal, um wahr zu sein? Und warum?
Antonia Ribault Fass: Ich denke, das kommt ganz auf die Gruppen von Menschen an und in welcher Bubble man lebt. Ich persönlich bin in einer sehr politischen Gegend aufgewachsen, sodass es sich für mich so anfühlt, als würden sich viele engagieren. Aber ich glaube, besonders in den letzten Monaten sind noch viel mehr Jugendliche aktiver geworden, zum Beispiel bei dem neulich erlassenen Wehrpflicht-Gesetz und den daraus folgenden Protesten. Ich bin mir auch der großen Rechts-Bewegung unter meiner Generation bewusst. Zusammenfassend glaube ich, dass es auf jeden Fall „meine Generation“ gibt. Wenn wir uns wirklich der Probleme bewusst sind und wissen, dass das nicht so weitergeht, können wir auf jeden Fall etwas bewirken.
Ahoi: Kann man Dein Buch auch erstehen? Wenn ja, wie geht das denn?
Antonia Ribault Fass: Im Moment ist es noch nicht draußen, aber auf jeden Fall auf der Ziellinie, fertig zu werden. Es sollte in ein paar Monaten draußen sein und dann entweder auf der Internetseite der Buchkinder kaufbar sein, oder man geht persönlich in den Verein.
Ahoi: Danke, liebe Antonia Ribault Fass, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast. Und danke für Deine Antworten.
Antonia Ribault Fass: Sehr gerne.


