Der große Karl Valentin wusste schon, dass es nichts bringt, sich über den Regen zu ärgern, da er auch regnet, wenn man sich ärgert. Da kann man sich auch gleich nicht ärgern. Wer jetzt schon ausgestiegen ist, da ihm der Witz dieser Weisheit zu verkopft wirkt, hat etwas Fantastisches verpasst: Humor.
Seraphina Katze bringt den Humor nun nach Leipzig und lässt sich das Lachen auch nicht schlechtreden, schließlich bringt es ja bekanntermaßen nichts, sich zu ärgern über Miesmacher und Miesmuscheln. Die sind nämlich auch da, wenn man sich ärgert. Da kann man es auch gleich lassen.
In Leipzig wird die Prophetin der Guten Laune jedenfalls Brücken bauen, die länger halten als die in Dresden. Und sie wird uns begeistern dabei. Versprochen!
Ahoi: Guten Tag Seraphina Kalze. Mit Deinem neuen Tourprogramm „JETZT FETZT“ kommst Du am 1. Oktober nach Leipzig in den Phat Comedy Club. Das freut uns. Wirklich. Ebenfalls erfreulich ist, dass Du damit hausieren gehst, dass das Jetzt auch fetzen kann. Was stimmt Dich so optimistisch?
Seraphina Katze: Ich bin gar nicht immer optimistisch. Ich bin nur der Meinung, dass schlechte Laune auch nichts besser macht. Und wenn das Leben schon macht, was es will, dann möchte ich wenigstens zwischendurch bestimmen, wann gelacht wird.
„JETZT FETZT“ ist ja auch keine Aufforderung, den ganzen Tag grinsend durch die Gegend zu laufen. Es ist eher eine Erinnerung daran, dass wir vor lauter Sorgen, Verpflichtungen und „Ich müsste mal ...“ manchmal vergessen, dass wir gerade leben. Nicht morgen. Nicht, wenn die Kinder groß sind. Nicht, wenn wir endlich fünf Kilo weniger wiegen oder der Keller aufgeräumt ist. Jetzt! Und wenn’s nur für einen richtig guten Lacher reicht, hat sich der Tag schon ein bisschen mehr gelohnt.
Ahoi: Geboren wurdest Du in unserer heimeligen Schwesternstadt Halle an der Saale. Was hat Dich weggetrieben? Herbstliches Wetter, wie in Deiner derzeitigen Heimat Hamburg, gibt es ja auch an der Saale …
Seraphina Katze: Ich wurde weggeheiratet! Aber der Reihe nach: Meine erste Station war Berlin. Dort zu leben, war schon immer ein großer Traum von mir. Und ich hatte sogar einen festen Job bei Radio Fritz in Aussicht. Besonders schön war, dass mein bester Freund gleich in der Parallelstraße wohnte. Uns zog es damals irgendwie alle nach Berlin.
Und dann kam mein Mann. Waschechter Hamburger. Und zack – wurde ich in den Norden weggeheiratet. Sämtliche Versuche, dieses Nordlicht wieder Richtung Süden zu lotsen, sind bislang gescheitert. Den Fisch aus der Elbe in der Saale heimisch zu machen, ist mir einfach noch nicht gelungen. Allerdings bekomme ich inzwischen Verstärkung: Meine älteste Tochter ist ein riesiger Halle-Fan und würde am liebsten dort leben. Wir sind jetzt also schon zu zweit, die innerhalb der Familie ein bisschen Druck aufbauen. Und mein Mann mag Leipzig übrigens sehr. Ich würde sagen, wir nähern uns geografisch einer Lösung. Die Verhandlungen laufen!
Ahoi: Diese maximale Lebensfreude, die Du in die Orte bringst, wird ja nicht von allen Menschen geteilt. Viele Menschen, west- wie ostdeutsch geprägt, haben eher so eine betonierte Miesepetrigkeit. Wie gehst Du mit Menschen um, die zum Lachen in den Keller gehen, gar botoxisch überhaupt nicht mehr lachen können?
Seraphina Katze: Ich habe eine gewisse Leidenschaft für Menschen, die behaupten, sie hätten überhaupt keinen Humor. Das ist für mich keine Warnung, sondern eine Herausforderung.Wobei ich auch sagen muss: Nicht jeder muss über meine Witze lachen. Das wäre ja furchtbar. Dann müsste ich irgendwann anfangen, Eintritt für Familienfeiern zu verlangen. Was mich allerdings beschäftigt, ist diese zunehmende Lust daran, anderen die Freude zu verderben. Wenn jemand lacht, findet sich garantiert einer, der erklärt, warum das gerade völlig unangemessen ist. Ich finde, wir dürfen uns gegenseitig ruhig wieder ein bisschen mehr Freude gönnen.
Und was Botox betrifft: Ich habe überhaupt nichts dagegen. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, hätte ich schon ganz gerne irgendeine Rückmeldung. Notfalls reicht mir ein leichtes Zucken im linken Augenlid.
Ahoi: Was bekommen wir denn am 1. Oktober von Dir um die Ohren? Ich las von einer fulminant aufgestellten Kapelle …
Seraphina Katze: Oh ja! Und was für eine! Meine Band Trio Durstig ist natürlich mit dabei. Wir singen Witze in den unterschiedlichsten Musikgenres. Von Heavy Metal über Schlager bis hin zu einem kleinen Abstecher in den Funk. In bombastischen Kostümen, mit einer Wahnsinnslichtshow – und manchmal auch ganz pur, unplugged. Wir haben wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, um den schlechtesten Witzen der Welt den größtmöglichen musikalischen Rahmen zu bieten.
Außerdem machen wir eine kleine Zeitreise durch die Geschichte des Witzes. Ihr glaubt ja nicht, wie geil der älteste überlieferte Witz ist! Ich verrate nur so viel: Die Menschheit hatte offenbar schon sehr früh einen an der Waffel. Und dann ist da natürlich das Publikum. Das spielt eine ganz entscheidende Rolle. Viele meiner Stand-up-Momente entstehen erst durch die Geschichten, Erlebnisse und Witze, die die Menschen an diesem Abend mitbringen. Ich weiß also selbst vorher nicht immer, was passieren wird. Das macht es für mich mindestens genauso spannend wie für die Zuschauer.
An meiner Seite steht außerdem Sascha Aust, ein fantastischer Gitarrist aus Dresden, der unter anderem auch mit IC Falkenberg auf der Bühne steht. Und was viele nicht ahnen: Dieser Mann hat einen unfassbar guten Humor! An den Keyboards sitzt Rick J. Jordan, der 20 Jahre lang gemeinsam mit H. P. Baxxter bei Scooter für ordentlich Krawall gesorgt hat. Rick ist übrigens auch für die gesamte musikalische Inszenierung unserer Show verantwortlich. Man darf sich also auf einen perfekt inszenierten Abend freuen, an dem trotzdem jederzeit alles aus dem Ruder laufen kann. Und genau das liebe ich!
Ahoi: Mit Deinem Buch „Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht“ hast Du ja den Literaturbetrieb bestgelaunt erschüttert. Ist es nicht mal Zeit für neue Deckel mit glockenhellem Lachen dazwischen?
Seraphina Katze: Unbedingt! Ein zweites Buch wird es auf jeden Fall geben. Ich wurde auch schon danach gefragt. Schließlich geht die Geschichte weiter. Ich habe meinen Vater bis zuletztbegleitet, auch auf seinem letzten Weg im Hospiz. Als ich mein erstes Buch schrieb, dachte ich, ich würde über Resilienz, Mut,
Durchhaltekraft, Schmerz, Grenzen und Hoffnung schreiben. Und heute, nachdem mein Papa nicht mehr da ist, glaube ich, dass ich eigentlich ganz banal ein Buch über die Liebe geschrieben habe. Dass in mir auf der einen Seite die plattesten Witze und auf der anderen Seite so viel Tiefgang Platz haben, ist vermutlich alles eine Frage der Balance. Vielleicht brauche ich das eine sogar, um das andere auszuhalten.
Ein zweites Buch möchte ich allerdings nicht nur schreiben, weil man nach dem ersten irgendwann ein zweites erwartet. Momentan geistert nämlich ein Thema ganz besonders durch meinen Kopf: der Osten in mir.
Ich spüre jetzt, als erwachsene Frau, zum ersten Mal ganz bewusst, wie die DDR in mir nachklingt. In meiner Erziehung, in Traditionen, in bestimmten Verhaltensweisen. Woher kommt beispielsweise mein ausgeprägter Wunsch nach Regeln und klaren Strukturen? Das traut man mir ja gar nicht unbedingt zu. Ich wirke schließlich eher wie ein flatterhaftes Wesen, heute hier, morgen da. Aber in mir gibt es auch eine ganz andere Seite. Ich habe gerade eine riesige Lust, diesen Dingen auf den Grund zu gehen. Wie viel von meinem Verhalten stammt aus meiner eigenen Kindheit? Wie viel aus der Sozialisation meiner Eltern? Und was davon habe ich längst unbewusst an meine eigenen Kinder weitergegeben? Leider kann ich meine Eltern nicht mehr fragen, weil beide nicht mehr leben. Das macht diese Spurensuche nicht unbedingt leichter, aber umso spannender.
Und keine Sorge: Das glockenhelle Lachen wird auch in diesem Buch nicht fehlen! Ich muss nämlich selbst oft schallend lachen, wenn mir plötzlich klar wird, warum ich so bin, wie ich bin. Ich bin auf vieles davon wahnsinnig stolz. Aber manchmal ist es eben auch unfassbar komisch, auf welchen Wegen bestimmte Verhaltensweisen in einem landen und sich dort offenbar dauerhaft häuslich eingerichtet haben.
Ahoi: Dein Leben in den großen Städten Köln und Hamburg sowie auf Tour stelle ich mir anstrengend für Deinen Dackel Watson vor. Ich selbst lebe mittlerweile auf dem Land mit Hahn und zehn Hühnern. Was macht Watson eigentlich, wenn Du so vielbeschäftigt bist?
Seraphina Katze: Er versucht weiterhin zu überleben. Das liegt allerdings nicht daran, dass er mich so sehr vermisst, sondern daran, dass er einen schweren Herzfehler hat. Die Tierärzte haben uns gesagt, dass er den Januar 2026 vermutlich nicht mehr erleben würde. Nun haben wir September, und der kleine Kerl ist immer noch da! Elf Jahre alt, vollgepumpt mit diversen Medikamenten, aber geistig hellwach und von seinem dackeligen Charakter hat er rein gar nichts eingebüßt.
Er schläft viel und widmet sich ansonsten der konsequenten Vermeidung unnötiger Anweisungen. Mein Terminkalender interessiert ihn herzlich wenig. Hauptsache, seine Bedürfnisse werden erfüllt. Und die befinden sich meistens in der Leckerli-Dose.
Ahoi: Noch einmal zur Grundaussage, dass das Jetzt dringend mal fetzen muss. Was können wir alle denn tun, damit das was wird? Fernseher aus soll ja schon mal helfen …
Seraphina Katze: Vielleicht sollten wir aufhören, ständig darauf zu warten, dass irgendwann alles perfekt ist. Ich habe durch die Pflege meines Vaters und später durch seinen Tod sehr deutlich gespürt, wie begrenzt unsere gemeinsame Zeit ist. Wir sagen so oft: „Das machen wir irgendwann.“ Irgendwann fahren wir zusammen weg. Irgendwann besuchen wir uns. Irgendwann nehmen wir uns mal wieder richtig Zeit. Und irgendwann ist manchmal einfach zu spät. Deshalb glaube ich, dass wir nicht unbedingt unser ganzes Leben umkrempeln müssen. Vielleicht reicht es schon, heute jemanden anzurufen, den wir vermissen. Einen Abend mit Freunden zu verbringen. Etwas Verrücktes zu machen. Oder einfach mal wieder richtig zu lachen, ohne gleich darüber nachzudenken, ob das gerade angebracht ist. Und ja, Fernseher aus und Bildschirmzeit verkürzen kann definitiv helfen. Das sage ausgerechnet ich, die einen großen Teil ihres Lebens auf Social Media stattfindet. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Wir sollten nicht nur ständig zuschauen, wie andere ihr Leben leben, sondern unser eigenes auch mal wieder in die Hand nehmen.
Also Handy weg, raus ins Leben! Es sei denn, ich bin gerade im Fernsehen oder habe ein neues Reel gepostet. Dann machen wir natürlich eine Ausnahme. Ich muss ja schließlich auch von irgendwas leben! Ach so, und ich finde übrigens, Jürgen Klopp sollte Bundestrainer, Bundespräsident und Bundeskanzler in einem sein. Das wäre doch mal ein Triple, das uns wirklich gut stehen würde! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er uns alle wieder ein bisschen besser draufbringen würde.
Ahoi: Danke Seraphina. Schön, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast!
Seraphina Katze: Ich danke euch! Und ich freue mich auf Leipzig. Kommt vorbei, bringt eure Witze mit und lasst uns gemeinsam einen Abend verbringen, an dem wir den ganzen Wahnsinn da draußen einfach mal kurz vergessen. Ahoi!


