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  • Interviews
Gespräch mit der Kulturort-Aktiviererin Jana Plewka

Wir Gundorfer sind überaus kreativ

Jana Plewka engagiert © Jana Plewka privat

Es gibt einen neuen Kulturort am Rande Leipzig. Hier, wohin man auch gut mit der Linie 7 der Straßenbahn fahren kann, aktivieren Jana Plewka und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter gerade die Pfarrscheune in Gundorf mit Konzerten und anderen Benefizveranstaltungen. Am 5. Juli 2025 geht es los. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit Jana Plewka.

Ahoi: Guten Tag, Jana Plewka. Sie kümmern sich mit Freundinnen und Freunden um einen neuen Kulturort am Rande der großen Stadt, genauer um die Pfarrscheune in Gundorf. Können Sie uns ein bisschen etwas zu dem Gebäude erzählen?

Jana Plewka: Guten Tag und vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit für mich nehmen!

Die Pfarrscheune ist zwar ein historisches Bauwerk, doch es war, wie es Scheunen in der Regel an sich haben, kein bedeutsames Gebäude, sondern diente dem Pfarrer, dem Küster und vielleicht auch dem Schul-Lehrer dazu, vor 300 Jahren ihr tägliches Brot zu sichern. In der Scheune gab es einen Heuboden, Hühnerstall, Schweinebucht und einen Fresstrog. Doch das ist schon sehr lang her. Zuletzt war die Scheune noch Abstellraum für allerlei Kram. Ende des vergangenen Jahrzehnts stellte die Kirchgemeinde einen Antrag auf Abriss der Scheune, weil sie inzwischen einsturzgefährdet war und kein Geld da war, das Gebäude auch nur notdürftig zu sichern. Da die Scheune unter Denkmalschutz steht, sollte das Denkmalschutzamt noch seine Zustimmung erteilen. Doch dann kam alles ganz anders als gedacht, denn das Amt für Denkmalpflege stellte stattdessen Gelder zur Sicherung der Scheune in Aussicht, zunächst zur Ertüchtigung der alten Lehmmauern, schließlich auch für ein neues Dach. Und so steht die Scheune nun da, wunderschön von außen, ein Denkmal eben. Aber für die Nutzbarmachung ist erst mal kein Geld mehr da. Alles, was nun noch an Arbeiten ansteht, muss in Eigenleistung durch den Förderverein der Kirche oder Spenden erbracht werden. Das beginnt bei den Fenstern und Innenwänden und soll schließlich irgendwann einmal mit dem Einbau moderner Sanitäreinrichtungen und Malerarbeiten abgeschlossen werden. Und bis dahin sammeln wir Geld.

Ahoi: Ihre Veranstaltungsreihe LANDKLANG startet Anfang Juli mit dem Dominik Gershkovich Trio. Was erwartet die Gäste in der alten Pfarrscheune? Wann beginnt das Konzert, und wie sind die Eintrittspreise?

Jana Plewka: Das Konzert findet am 5. Juli um 17:00 Uhr statt, ab 16:00 Uhr kann man sich im Pfarrgarten schon bei Kaffee & Kuchen im Schatten der großen Bäume aufhalten. Wir verkaufen keine Tickets, der Eintritt ist frei. Wir freuen uns aber umso mehr auf Spenden für die Scheune, an der noch viel zu tun ist.

Mit Dominik verbinde ich noch die alte Schulband am Robert-Schumann-Gymnasium, wo er am Keyboard die Band begleitete. Nach den Konzerten oder in den Pausen bei den Bandproben saß er oft am Klavier und spielte vor sich hin, einfach aus dem Bauch heraus und alle lauschten ihm gebannt. Ich glaube, es war vielen da schon klar, dass wir von Dominik noch hören werden. Inzwischen studiert er Jazz/Pop an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig und tritt in verschiedenen Ensembles auf. Ich bin total gespannt, was aus ihm geworden ist und wie er sich entwickelt hat.

Ahoi: Am 02. August wird die Konzertreihe mit der herausragenden Wenke Wollny fortgesetzt, den Kulturenthusiasten bekannt als Frontistin und Sängerin der Band Karl die Große. Solo ist Wenke wirklich selten zu erleben.

Jana Plewka: Oh ja! Im August geht es genauso spannend weiter! Am 02. August tritt Wenke Wollny bei uns auf, gleiche Zeit, gleicher Ort, gleicher „Preis“ (Spende). Es ist wirklich eine besondere Gelegenheit, Wenke Wollny einmal solo zu erleben. Ihre Stimme und ihr musikalisches Talent kommen in diesem Ambiente auf eine ganz besondere Weise zur Geltung.

Ahoi: Und wie seid Ihr an Wenke Wollny herangekommen? Gerade war sie ja mit Band sehr lange auf Liedertour-Konzertreise (ich sah sie in Weißenfels). Sie ist doch sehr vielbeschäftigt …

Jana Plewka: Wir hatten das große Glück, über persönliche Kontakte mit ihr in Verbindung zu treten. Ein ehemaliges Mitglied ihrer Band wohnt inzwischen im Pfarrhaus und so ergab es sich, dass wir sie in unserer Scheune zu Gast haben dürfen, was uns sehr ehrt.

Ahoi: Was habt Ihr mit der Pfarrscheune noch vor? Gibt es schon weitere Pläne?

Jana Plewka: Absolut! Wir möchten die Pfarrscheune zu einem lebendigen Ort unserer Kirchgemeinde und einen spannenden Kulturraum machen. Neben Veranstaltungen der Kirchgemeinde planen wir auch Konzerte, Lesungen, Filmabende, Theateraufführungen und Workshops. Langfristig könnte ich mir auch vorstellen, dass die Scheune ein Ort wird, wo Kreative aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten können und neue Kunst entsteht. Bis dahin müssen wir fleißig Geld einsammeln, um die alten Mauern noch etwas wohnlicher zu machen. Und dazu finden auch weiterhin zusätzlich regelmäßig Benefizkonzerte in der Kirche statt.

Ahoi: Im beruflichen Leben sind Sie Sachverständige für Grundstückswertermittlung. Was heißt das eigentlich? Wie ermittelt man denn einen Grundstückswert?

Jana Plewka: Ich bin Gutachterin für Grundstückswerte, vor allem bei öffentlichen Bauvorhaben – zum Beispiel, wenn für eine neue Straße oder Stromleitung landwirtschaftliche Flächen in Anspruch genommen werden. Ich ermittle dann, wie die Grundstücksqualität ist, was das Grundstück wert ist, und letztlich den Betrag, den der Eigentümer dafür bekommen sollte.

Manchmal darf ich auch Pfarrhäuser bewerten, das sind für mich immer ganz besondere Aufträge. Ich kann die Kirchgemeindemitglieder gut verstehen, die einerseits mit den alten Gebäuden viele Erinnerungen verbinden und auf der anderen Seite wissen, dass die Zeiten sich geändert und die Gemeinden immer weniger Mitglieder haben. Während früher jeder Pfarrer eine eigene Gemeinde betreute und seine Wohnung im Pfarrhaus hatte, ist inzwischen ein Pfarrer für bis zu sechs Gemeinden gleichzeitig zuständig, bewohnt aber nur eines der Pfarrhäuser. Und die anderen stehen leer und fristen meist ein trauriges Dasein. Und weil der Unterhalt der Gebäude kostenintensiv ist und gerade in ländlichen Regionen keine Nachfrage nach Mietwohnungen besteht (anders als bei uns hier in Gundorf, am Rande einer Großstadt), werden die Häuser verkauft und die Grundstücke in Erbpacht vergeben.

Ahoi: Die Pfarrscheune ist Teil der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Gundorf. Die Kirche wurde schon im 12. Jahrhundert gebaut, Gundorf selbst 974 erstmals nachweislich urkundlich erwähnt, wobei der Name Gundorf auf den legendären Mönch Gundo zurückgeht. Können Sie uns etwas über Gundo erzählen? Das ist doch eine spannende Persönlichkeit, von der die wenigsten Leipzigerinnen und Leipziger je gehört haben …

Jana Plewka: Gundorf ist tatsächlich ein geschichtsträchtiger Ort. Ob vor 1.000 Jahren wirklich ein Mönch mit Namen Gundo hier lebte, ist nicht zweifelsfrei belegt. Aber man könnte sich sicher eine schöne Geschichte darüber ausdenken, was Gundo hier angestellt haben könnte, sodass fortan dieses Fleckchen Erde nach ihm benannt wurde. Die benachbarte Grundschule hat Gundo kurzerhand geadelt, seit vielen Jahren ist „Ritter Gundo“ das Maskottchen der Schule und die Schüler nennen sich selbst Gundolinos. Wie Sie merken, wir Gundorfer sind überaus kreativ. Die Kirche ist übrigens eine der ältesten in Leipzig. Wie Sie schon sagen, wurde sie etwa im 12. Jahrhundert erbaut, wobei der heutige Innenausbau erst 1901 erfolgte. Die Kirche hat eine schöne, warme Atmosphäre und eine großartige Akustik, die Künstler gern nutzen, um hier Tonaufnahmen zu machen. Auch in mehreren Tatorten war die Kirche schon Schauplatz.

Ahoi: Die Pfarrscheune zu einem Kulturort zu machen, dies können Sie ja nicht allein. Wer macht denn noch mit?

Jana Plewka: Das stimmt, es gibt ein wunderbares Team aus engagierten Gemeindemitgliedern und einen Förderverein, der schon so manches Bauvorhaben vor allem finanziell und bei Festen unterstützt hat. Jede*r bringt eigene Fähigkeiten und Ideen ein. Während ich mich vor allem um das Gebäude und weitere notwendige Baumaßnahmen an der Scheune kümmere, organisieren andere bereits die ersten Veranstaltungen in und um die Scheune.  

Begonnen hat das Ganze mal mit Martin Petzold, der Kammersänger an der Oper Leipzig war. Nachdem der letzte hauptamtliche Pfarrer aus der Pfarrwohnung ausgezogen war, ließ er, selbst Sohn eines Pfarrers, sich hier nieder. Er machte Gundorf zu seinem Kleinod, ganz persönlich und für alle, die Freude an Musik haben. Er holte namhafte Künstler in die Kirche Gundorf, die hier bei Benefizkonzerten auftraten. Das gespendete Geld floss in die Orgel, die Kirche und die schönen Gebäude des Pfarrhofes. Und als er uns verließ und zu seiner Tochter nach München zog, wo er leider viel zu früh verstarb, dachten wir, hier entsteht eine Lücke, die nicht zu schließen sein wird. Doch weit gefehlt. Dr. Bettina Relke, die auch aktiv in unserer Gemeinde musiziert, versteht es seither ebenso vortrefflich, immer wieder spannende Künstler in die Gundorfer Kirche einzuladen. Manche kommen sogar regelmäßig jedes Jahr wieder.

Ahoi: Und können sich interessierte Menschen noch einbringen? Wenn ja, wie?

Jana Plewka: Sehr gerne sogar! Wir freuen uns über jede und jeden, der oder die mit anpacken möchte, sei es beim Organisieren von Veranstaltungen, bei weiteren Renovierungsarbeiten oder einfach durch kreative Impulse. Wer Interesse hat, kann uns direkt über die Fördervereins-Seite unserer Kirchgemeinde oder bei unseren Veranstaltungen ansprechen. Auch wenn junge Künstler einen Ort suchen, um sich einem kleinen Publikum vorzustellen, egal ob Musik, Lesung, Theater… können sie sich gern an uns wenden.

Ahoi: Danke, Frau Plewka, für dieses spannende Gespräch und Ihr Engagement. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team alles Gute für die Zukunft der Pfarrscheune!

Jana Plewka: Vielen Dank! Und wie Sie sagen: Beginnen und dann weitermachen – genau das ist nun auch unser Motto!

Die Kirchgemeinde im Netz:

www.kirchgemeinde-gundorf.de

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