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Interview mit Astrophysikerin Suzanna Randall

Wir brauchen weibliche Rollenbilder

Suzanna Randall arbeitet als Wissenschaftlerin, Moderatorin und will selbst ins All © Claudia Krahne

Mit Rabea Rogge flog am 1. April erstmals eine deutsche Frau ins All. Astrophysikerin Suzanna Randall hat den Start verflogt. Im Ahoi-Interview spricht sie danach über Vorbilder, Blaue Unterzwerge und die Leipziger Ausstellung „Origins“.

Ahoi: Sie planen selbst einen Flug ins All. Wie war es, den Start von Rabea Rogge zu erleben?

Suzanna Randall: Ich bin sehr erleichtert, dass der Start gut geklappt hat. Ich war in engem Austausch mit Rabea und freue mich mit ihr. Ein wichtiges Ziel ist damit erreicht.

Ahoi: Welches?

Suzanna Randall: Nach zwölf deutschen Männern ist es an der Zeit, dass auch eine Frau in den Weltraum geflogen ist. Mir geht es immer darum, Mädchen und junge Frauen, die in den MINT-Fächern immer noch unterrepräsentiert sind, für Naturwissenschaft und Technik begeistern. Ich arbeite viel mit Schulklassen und höre immer noch regelmäßig, Mädchen könnten kein Mathe. Das ist natürlich absurd. Deshalb brauchen wir weibliche Rollenbilder. Und deshalb engagiere ich mich in der Wissenschaftskommunikation mit Büchern und als Co-Autorin und Moderatorin der YouTube-Serie „Chasing Starlight“ der ESO.

Wie Sterne entstehen

Ahoi: Hinter ESO verbirgt sich die Europäische Südsternwarte, an der Sie arbeiten. An was forschen Sie?

Suzanna Randall: Ich beschäftige mich mit der Evolution einer bestimmten Sorte von Sternen, den Blauen Unterzwergen. In der Astrophysik ist es anders als beim Wasserhahn: blau bedeutet heiß. Es sind also heiße Sterne, viel kleiner als die Sonne und sie pulsieren. Über diese Helligkeitsschwankungen kann man herausfinden, wie sie aufgebaut sind. Das nennt man Astroseismologie. Und darüber können wir besser verstehen, wie sie entstanden sind.

Ahoi: In Leipzig haben Sie die Eröffnung der Ausstellung „Origins“ im Kunstkraftwerk unterstützt, die die Entstehung des Lebens künstlerisch interpretiert. Warum?

Suzanna Randall: In „Origins“ geht es um eine künstlerisch freie Visualisierung von wissenschaftlichen Daten und Erkenntnissen. Man wird den unglaublichen Prozess der Evolution dadurch nicht verstehen, aber es entsteht ein intuitiver Zugang. Wir Menschen sind emotionale Wesen und wenn wir künstlerisch mitgenommen werden, kann das inspirieren und Interesse entfachen. Das ist eine große Chance.

„Physik ist überall“

Ahoi: Wie sind Sie zur Wissenschaft gekommen?

Suzanna Randall: Lange Zeit fand ich Physik in der Schule langweilig, weil ich nicht erkannt habe, wofür das Fach gut ist. In der Oberstufe hatte ich einen Lehrer, der uns vermittelt hat, dass Physik überall ist. Der Weltraum hat mich schon immer fasziniert und die Physik ist ein Mittel, um ihn zu verstehen. Als ich gemerkt habe, wie ich durch Formeln konkrete Probleme untersuchen kann, fand ich es spannend.

Mehr über Suzanna Randall unter www.astrosuzanna.de

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