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  • Interviews
Gespräch mit dem Science-Fiction-Künstler Wenzel Venohr

Weiblichkeit in Kombination mit den starken Körpern

Wenzel Venohr © Rico Molaro

Ahoi-Redakteur Volly Tanner ist ein Neugierling und mag Science-Fiction sehr. Dies sind zwei bekannte Binsen. Darüber nachzudenken hieße Eulen nach Athen zu tragen. Wenn er dann auch noch ebenfalls neugierige Sciene-Fiction-Freunde trifft entspannt sich in der Regel ein Gespräch – wie hier mit dem äußerst talentierten und aktioven Wenzel Venohr: 

Ahoi: Guten Tag Wenzel Venohr. Wir trafen uns vor einigen Wochen im WERK 2 zu den Art Days. Dort hattest Du Teil 2 von SENS MACHINA im Gepäck und ich durfte darin blättern. Ein Sciene-Fiction-Comic. Warum aber Science-Fiction?

Wenzel Venohr: Ich wurde, wenn man es so sagen will, mit Science-Fiction erzogen. Als ich klein war, erzählten meine Eltern oft von Werken wie „Der Amphibienmensch“ und „Time Tunnel“. In meinem Player rotierten Filme wie „Matrix“, „Terminator“ und „Star Wars“ (ich weiß, es ist eher Fantasy) quasi in Dauerschleife und seit jeher kann ich mich an dem Genre einfach nicht sattsehen, egal in welcher medialen Form. Deshalb war diese Entscheidung für mich eigentlich von vornherein klar – wenn ein Comic, dann Science-Fiction. Ich glaube, dieses Genre wird einfach für immer faszinierend und ergiebig bleiben, da sich unsere Gesellschaft und unsere Technologien ständig weiterentwickeln und es deshalb immer Stoff gibt, der wartet, genau diese Zustände zu kommentieren.

Ahoi: Du hast in Deinem Comic die Genderfrage sehr elegant gelöst. Kannst Du unseren Leserschaften Deinen Ansatz bitte erläutern?

Wenzel Venohr: Das Gender ist bei Robotern ja so eine Sache – eigentlich sind sie ungeschlechtlich, trotzdem müssen sie sich aber irgendwie ansprechen. Knackpunkt war eigentlich eine Arbeitskollegin, die mich mal darauf aufmerksam machte, dass ja alle Roboter in unserer Geschichte ziemlich männlich aussehen. In unserer Wahrnehmung ist es tatsächlich so, dass alles, was nicht als offensichtlich weiblich dargestellt wird, als männlich interpretiert wird (Bestes Beispiel sind die Strichmännchen auf Toilettentüren). Um dem entgegenzuwirken kam mir die Idee, dass sich alle Roboter als „Die Maschine“ ansprechen und deshalb auch sie/ihr als Pronomen verwenden. Das war schon eine knifflige Frage, aber ich glaub, die haben wir ganz gut gelöst. Vielleicht hat diese Weiblichkeit in Kombi mit den starken Körpern ja auch eine empowernde Wirkung für einige …

Ahoi: Und was ist PRAUTD CITY? Wo liegt das denn und von wem wird die Stadt belebt?

Wenzel Venohr: Grob gesagt handelt es sich bei Prautd City um eine große Stadt aus Metall, die unterteilt in mehrere Ringe auf einem endlosen Ozean steht. Bevölkert wird diese Stadt von Robotern, die ähnliche Verhaltensweisen wie Menschen entwickelt haben. Da diese Stadt umgeben von Wasser ist, kommt nichts neues von außen hinzu. Keine Energie, keine Materialien. Deshalb muss die Stadt autark bleiben. Sie produziert vortlaufend ihre eigene Energie und ist dauerhaft damit beschäftigt, sich zu reparieren – genau dafür ist jede Maschine wichtig. Deshalb existiert dort der Leitsatz „Fällt ein Zahnrad aus, stirbt die ganze Maschine“.

Ahoi: Wo erscheinen die Hefte denn?

Wenzel Venohr: Bis jetzt lassen wir alles komplett in Eigenregie drucken und vertreiben. Wer eine Ausgabe lesen möchte, bekommt diese derweil nur über unseren Instagram-Account oder unsere Mailadresse. Schreibt uns gerne eine Nachricht, dann kriegen wir das hin! Ob und wie wir uns an Verlage wenden werden ist eine Frage für nächstes Jahr.

Ahoi: Machst Du alles allein oder von wem wirst Du unterstützt bei Deiner Arbeit als Comic-Künstler?

Wenzel Venohr: Mein Teamkollege ist der gute Rico. Mit ihm zusammen habe ich das Projekt von Grund auf aufgebaut. Ich brauchte jemanden an meiner Seite, der sich besser in Storytelling auskennt und auch ehrliche Kritik geben kann. Zusammen haben wir die gesamte Geschichte entwickelt und schreiben abwechselnd die Scripte. Den Illustrationspart übernehme anschließend ich. Trotzdem weihe ich Rico in jedes Detail und jede Entscheidung ein. Mit ihm gehe ich jede Konzeptzeichnung durch, er prüft jede Storyboardseite und kümmert sich nun auch um viele organisatorische Dinge und unsere Öffentlichkeitsarbeit, damit ich mich ganz auf den künstlerischen Aspekt fokussieren kann. Ohne ihn wäre das Projekt niemals so weit gekommen!

Outgesourced haben wir bisher beide Cover, sowie auch das Intro von Ausgabe 2. Beides wurde von zwei wirklich wundervollen Illustrierenden erstellt. Für die Zukunft wollen wir gerne weiterhin mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Also, falls ihr Lust habt, an unserer Geschichte mitzuwirken, egal ob im Schreiben oder Illustrieren, meldet euch gerne bei uns!

Ahoi: Deine Bachelor-Arbeit hast Du zur Darstellung von Sozialkompetenzen in Superheld/innen-Medien vorgelegt. Was hast du denn da für uns alle herausgearbeitet?

Wenzel Venohr: Das war damals ein sehr spannendes Thema für mich, da ich selbst mit Superheld*innen aufgewachsen bin und viele der Werte als Kind in mein restliches Leben übernommen habe. 

Kurz gesagt lässt sich festhalten, dass Superheld*innenmedien oft ein positives Bild von Sozialkompetenz darstellen. Werteentwicklung, Kompromissbereitschaft, Selbstreflexion und Perspektivwechsel werden dabei oft behandelt und auch so kommuniziert, dass wir sie erlernen sollten, um harmonisch mit unserem Umfeld zu existieren. Frei von Kritik sind sie jedoch nicht. Grade Umgang und Folgen von Gewalt, Rollenbild und Persönlichkeitsverstellung sollten hinterfragt werden. Dies muss jedoch für jede Geschichte einzeln betrachtet werden. Die Figuren und ihre Geschichten in dem Genre sind sehr unterschiedlich.

Ahoi: Du hast für das Projekt „Ameisenkinder“ den Medienkompetenzpreis 2019 bekommen. Um was ging es denn bei den Ameisenkindern?

Wenzel Venohr: Das war ein sehr schönes Projekt, welches ich mit der Medienwerkstatt Wismar in einer KITA innerhalb einer Woche durchgeführt hatte. Bei den Kindern, die mit im Projekt waren, ist grade viel Veränderung passiert. Viele Kinder lebten in Patchwork-Familien, bei anderen war die Trennung zwischen Mama und Papa grad im Gange. Das haben wir versucht, mit unserem Projekt zu verarbeiten. In dem Film wurde dafür eine Familie von Ameisen ausgesucht, die umziehen musste. Mama- und Papaameise wollten aber nun getrennte Wege gehen. 

In der Woche haben wir mit den Kindern nicht nur das Thema Familie behandelt, sondern ihnen auch beigebracht, wie Filme funktionieren, und wie man selbst einen Trickfilm erstellt.

Ahoi: Mit der Medienwerkstatt Leipzig in der Villa Leipzig in der Lessingstraße bietest Du einen Offenen Illustrationstreff an, für wen denn? Wer soll sich angesprochen fühlen und was macht Ihr dort?

Wenzel Venohr: Der Offene Illustrationstreff ist offen für alle, die Lust auf Illustrieren haben, egal in welcher Form und wie professionell. Auch vom Alter her sind wir sehr bunt aufgestellt. Es kann also wirklich kommen, wer möchte. Jeden Dienstag ab 19:00 Uhr starten wir mit einer gemeinsamen Übung und arbeiten danach an unseren eigenen Sachen. Der Treff ist also eher als Hobbytreff und nicht als Lehrveranstaltung zu verstehen.  Es muss sich niemand anmelden und kostenfrei ist das Ganze auch. Kommt also einfach vorbei, wenn ihr Lust und Laune habt.

Ahoi: Geht es nach Heft 2 von SENS MACHINA eigentlich weiter? Wenn ja, wie?

Wenzel Venohr: Die Geschichte von Prautd City ist auf sieben Hefte ausgelegt. Bisher plane ich, dass jedes Jahr eine Ausgabe erscheint. Wenn alles gut läuft, könnt ihr also gegen Ende 2026 Volume 3 in der Hand halten. Das Storyboard dafür ist grade in Arbeit.

Die Welt von Sens Machina ist jedoch riesig. Zu vielen Dingen haben wir uns viel mehr überlegt, als man auf den bisherigen Seiten überhaupt sieht. Rico und ich sitzen grade an einigen Kurzgeschichten, die wir gerne irgendwann als Sammelband veröffentlichen würden. Eine Traumvorstellung wäre es auch, eine multimediale Story daraus zu machen. Ich habe schon eine Idee für ein kleines Minigame im Kopf. Aber alles zu seiner Zeit …

Ahoi: Dann wünschen wir uns noch viele zukunftssichere Themen von Dir und Dir viel Freude dabei, sie auszuknobeln und umzusetzen.

Wenzel Venohr: Ich danke für das Interview!

Kontakt ins SENS MACHINA-Universum:

kontakt@sens-machina.net

Sens Machina (Official Comic) (@sensmachinaofficialcomic) 

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