Ein großes Wort für eine junge Musikerin. In der Pressemitteilung wird Julia Meladin bereits als „Phänomen“ bezeichnet. „Dieser Begriff wurde gewählt, weil auf meinem TikTok-Account eine besondere Dynamik entstanden ist“, erklärt die 21-Jährige im Gespräch mit Ahoi-Mitarbeiter Reinhard Franke.
Anfangs habe ich mich stark an den Song-Ideen und Wünschen meiner Community orientiert und über Themen geschrieben, die den Menschen aus der Seele sprechen. So ist eine enge Verbindung zwischen mir und den Leuten da draußen entstanden.“
Der Grundstein für ihre musikalische Reise wurde 2003 gelegt – in ihrem Kinderzimmer in einem kleinen Dorf in Brandenburg, am Klavier. Zuhause liefen Queen und die Neue Deutsche Welle, ihr Vater spielte und schrieb Songs – und Julia tat es ihm bald gleich. Zunächst brachte sie sich das Gitarrespielen selbst bei, mit acht Jahren folgten dann ihre ersten eigenen Lieder. Songs über die Liebe. Mit noch etwas holprigem Englisch.
Mit ihrer ersten Band spielte sie nicht nur Cover, sondern auch eigene Stücke, die sie im Musikunterricht weiter aus produzierte. Schließlich teilte sie erstmals einen Songausschnitt auf Social Media – und damit begann alles. „Angst“, ihre Debütsingle, wurde direkt ein viraler Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Song über 1,3 Millionen Mal gestreamt. Auf TikTok folgen der Newcomerin mittlerweile über 287.000 Menschen. Doch was macht ihre Musik so besonders? Meladin schreibt Songs, die nicht nur sie selbst, sondern viele andere tief berühren – Lieder, die direkt ins Herz treffen und einen so schnell nicht mehr loslassen. „Ich bin unglaublich dankbar für die Möglichkeiten, die Social Media bietet“, sagt sie. „Es ist verrückt, dass man heute eine Musikkarriere quasi aus dem Nichts starten kann – nur mit sich selbst und einem Klavier.“ Rückblickend erscheint ihr Erfolg fast surreal: „Als das mit TikTok begann, saß ich einfach in meinem Zimmer, spielte Klavier und teilte meine Songs. Mehr gab es nicht – keine Kontakte, kein Vitamin B.“
Mit Debütsingle "Angst" zum viralen Erfolg
Ihr Song „Angst“ thematisiert Sorgen und die erdrückende Kraft, die sie manchmal haben. Schon das erste Snippet schlug ein – über Nacht erreichte es 100.000 Aufrufe. Wovor hat sie selbst Angst? „Ich würde nicht von Angst sprechen, aber es hat mich einiges an Überwindung gekostet, meine Musik nach außen zu tragen – vor allem mit meinen ersten Videos auf TikTok. Man macht sich sehr verletzlich, wenn man persönliche Themen anspricht“, erzählt sie. „Die ersten Videos hatten nur rund 300 Aufrufe, aber ich habe nicht aufgegeben.“ Jeder werde manchmal „von seinen Ängsten überwältigt“, Meladin gehe es da nicht anders. „Gerade in der aktuellen Lage haben viele Menschen Angst vor der Zukunft, auch ich. In Angst beschreibe ich dieses überwältigende Gefühl, diese diffuse Furcht vor so vielen Dingen. Es ist keine konkrete Angst, sondern eine Masse an Sorgen, die einen überfordert und die man gar nicht richtig greifen kann.“ Und sie fügt hinzu: „Etwas Eigenes zu erschaffen ist ein ganz anderes Gefühl, als nur Songs nachzuspielen. Mein erster eigener Song war etwas, das ich stolz präsentieren konnte – das war schon immer ein schönes Gefühl. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, auch wenn meine ersten Songs keine Überhits waren. (lacht) Sie haben mich bestärkt, weiterzumachen.“
Als alles begann...
Den Moment, als ihr erster Song viral ging, wird sie nicht vergessen. „Das war wie ein Rausch“, sagt sie, weil sie zuvor „noch keine Erfahrung mit plötzlicher Aufmerksamkeit hatte“. Mittlerweile stumpfe man etwas ab, weil sich hohe Streaming-Zahlen kaum greifen ließen. „Umso mehr freue ich mich darauf, auf Tour zu gehen – in echte Gesichter zu blicken ist mir wichtiger als jede Streaming-Zahl.“ Doch als ihr Song das erste Mal geteilt wurde und die Resonanz kam, „war das krass“. Ein Blick in die Kommentare machte sie glücklich. „Viele Fans schrieben, dass es ihnen geholfen hat zu sehen, dass auch andere Menschen so fühlen wie sie selbst.“
„Ich habe den Song während Corona das erste Mal veröffentlicht – in einer Zeit, in der sich viele einsam fühlten und Angst vor der Zukunft hatten. Social Media zeigt uns sehr viel Schreckliches, das wir sonst gar nicht so wahrnehmen würden – das verstärkt dieses Gefühl von Angst.“
Seit 2021 teilt Meladin ihre Songs auf TikTok – direkt, ungefiltert und mit Themen, die unter die Haut gehen: Enttäuschung, Einsamkeit, Ausgrenzung, gesellschaftliche Kälte, Leistungsdruck und die Suche nach Identität. So auch Angst – ein komplett in Eigenregie produzierter Song, der viral geht und das Interesse großer Plattenfirmen weckt. Nach ihrem Signing bei Sony Music etabliert sie sich mit der Debütsingle 10 von 10 als eine der spannendsten Newcomerinnen Deutschlands. Ende letzten Jahres folgte mit Beispiel daran ein weiterer Pop-Punk-Ohrwurm – ein Vorgeschmack auf ihre nun erschienene Debüt-EP. Heute verzeichnet die junge Musikerin über 5,9 Millionen Streams, begeistert mehr als 287.000 TikTok-Follower, rund 262.000 monatliche Spotify-Hörer:innen, über 73.500 Instagram-Follower und fast 76.000 YouTube-Abonnent:innen.
Die Schattenseiten von Social Media
Doch es gibt auch Schattenseiten. „Ich sehe viele problematische Seiten von Social Media, und diese thematisiere ich teilweise in meiner Musik. Besonders diese Oberflächlichkeit und das ständige Präsentieren scheinbar perfekter Leben – wodurch man sich selbst in einem ganz anderen Licht sieht und das Gefühl bekommt, nicht genug zu tun“, meint Meladin. „Ich hoffe, dass ich den Leuten zeigen kann, dass das nicht das echte Leben ist. Ihr seid nicht allein mit diesen Gedanken.“
Ihr Konzert in Leipzig
Am 16. Februar kommt Meladin nach Leipzig (Täubchenthal) – eine Stadt, die ihr besonders am Herzen liegt. „In Leipzig gibt es ein großartiges Festival – das Highfield Festival. Meine Freunde und ich haben es zu unserem Stamm-Festival gemacht und versuchen, jedes Jahr hinzugehen. Es treten tolle Bands auf, und die Atmosphäre ist einfach besonders. Deshalb habe ich Leipzig in mein Herz geschlossen.“ Doch nicht nur die Leipziger sollen ihre Songs mögen. „Ich hoffe, dass in meiner Musik für jeden etwas dabei ist.“


