Die kleinen feinen Überraschungen erlebt man, wenn man aus dem Trubel des medialen Fokus etwas hinausgeht. Und so nimmt es nicht Wunder, dass gerade in unserer etwas schmaleren Nachbarstadt Halle an der Saale, fantastische Edelsteine der Kreativität zu bestaunen sind. Angie Schatz und ihr ChilliMilli sind solche Leuchtpunkte. Angie lebt, liebt und arbeitet in Halle und stellt dort unter anderem feinste Taschen zum Umbinden her, wobei Angie Schatz ihre Selbstständigkeit mit Haut und Haaren lebt. Eine großartige Geschichte. Ahoi-Redakteur Volly Tanner traf sie auf einem Markt in Leipzig:
Ahoi: Wie kam es zur Gründung?
Angie Schatz: Tatsächlich war das so eigentlich nicht ganz so geplant. 2019 fragte mich eine supertolle Kollegin, ob ich ihr gegebenenfalls ein wenig zuarbeiten könnte, da sie zeitlich mit ihren Aufträgen und neuen Produkten in ihrem Sortiment nicht ganz hinterherkam. Also habe ich das ganze gründlich durchdacht und mir einen eigenen kleinen Businessplan erstellt. Zu der Zeit war ich ja auch noch in meinem letzten Jahr der Erziehungszeit und habe dadurch eine Möglichkeit aufgezeigt bekommen, wie ich flexibel arbeiten kann, wir kennen ja alle die hartnäckigen Kindergartenkeime. Und durch die Zuarbeiten konnte ich mir quasi ein kleines Polster aufbauen, um dann mein kleines Label entstehen zu lassen. Mit der Idee dahinter ganz individuell arbeiten zu können. Zu Beginn hatte ich nur einen Onlineshop, jetzt ja nun auch den Laden.
Ahoi: Genau. Du hast auch ein Ladengeschäft in Halle. Wo denn ganz genau und wann hast Du geöffnet?
Angie Schatz: Meinen Laden habe ich in der Puschkinstraße 16 in Halle. Die Eröffnung war am 17. Februar 2024. Das kleine Kind ist also noch ganz frisch.
Ahoi: Als wir uns letztens trafen, erzähltest Du mir von den Shirts und Hoodies, Jacken und Mützen, die in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern generiert werden. Wie kam es zur Idee? Er ist mit im Boot und wie offen bist Du für neue Projekte in dieser Richtung?
Angie Schatz: Ja genau, diese Idee habe ich in der Tat bereits 2020 zu Beginn gehabt. Ich mag außergewöhnliche Motive, kann jedoch selbst überhaupt nicht zeichnen. Es gibt super viele Künstlerinnen und Künstler da draußen, die unglaublich talentiert sind. Also bin ich an meinen ersten Künstler, zu der Zeit mein Tätowierer, herangetreten, habe zwei Motive mit ihm erarbeitet und er hat sie umgesetzt. Letztes Jahr habe ich einen weiteren Künstler, ebenfalls Tätowierer, aus Berlin -adrian Webersinke- für mich gewinnen können. Wir haben bereits ein Motiv gemeinsam erarbeitet und auch schon umgesetzt. Die fertigen Stücke gibt es auch schon im Laden, auf Messen und Märkten und teils auch im Shop zu kaufen. Im Moment bin ich im Gespräch mit einer Tätowiererin aus Halle für ein neues Motiv, hier kann ich aber leider noch nicht zu viel erzählen. Oftmals dauert der Prozess von der Idee bis zur Umsetzung auf dem Textil eine Weile, aber nach und nach kommen auch neue Motive hinzu. Wie offen ich für neue Projekte in diese Richtung bin? Sehr sogar.
Ahoi: Machst Du eigentlich alles allein, ich meine auch die Produktion, oder hast Du irgendwo im Erzgebirge ein Dorf voller Näherinnen, die Dir zuarbeiten?
Angie Schatz: *muss kurz schmunzeln, na ja vielleicht auch lachen* Ach, das wäre total schön, wenn ich ein kleines Dorf mit Näherinnen hätte. Aber in der Tat: ich mache alles allein. Von der Idee, der Stoffauswahl, das Nähen bis hin zur Produktfotografie. Jedes der Produkte in meinem Laden sowie dem Onlineshop geht von Anfang bis Ende durch meine Hände.
Ahoi: Geschäftstüchtigkeit heißt ja auch: In die Zukunft denken! Was sind Deine nächsten Hotspots? Worauf arbeitest Du hin?
Angie Schatz: Ich habe ja in den letzten Wochen schon einiges umgesetzt, was ich mir für die Zukunft vorgestellt habe. Da war schon die Ladeneröffnung ein großer Faktor, auf den ich zugearbeitet habe. Märkte waren für mich auch ein großes Thema, diese besuche ich als Ausstellerin aktuell und werde dies auch weiterhin tun. Des Weiteren arbeite ich auf eine flexible Arbeitsstelle für eine „Angestellte Person“ hin, um jemanden die Möglichkeit zu geben, auch von zu Hause arbeiten zu können, wie es zeitlich machbar ist. Da gehört viel Planung dazu, welche das auch erst für die nächsten Jahre angedacht ist. Bis dahin heißt es erstmal weiter wachsen …
Ahoi: Warum ist Dein Label eigentlich in Halle beheimatet? Einige Labels haben ja auch einfach nur Büros in Mailand, New York oder San Fernando.
Angie Schatz: Ja, also Mailand oder New York wären schon schön, jedoch würde ich mehr im Flieger sitzen, als ich meiner Arbeit nachkommen könnte. Spaß bei Seite: warum genau Halle? Weil ich in Halle die Möglichkeit habe, etwas Einzigartiges und ganz Großartiges aufzubauen. Mein Angebot an Produkten gibt es so in Halle und der Umgebung nicht noch einmal. Und ich muss auch ein wenig an die Nähe zu meinem Wohnort denken.
Ahoi: Du bist auch alleinerziehende Mutter. Wie funktioniert das eigentlich, ein Kind wird ja auch mal krank und Du hast aufgrund Deiner Firma Verpflichtungen, beispielsweise Messen, Märkte, Geschäftstreffen …
Angie Schatz: Das funktioniert tatsächlich echt nur mit einem gut strukturierten Plan und einem gefestigten sozialen Umfeld. Hier bin ich echt froh, meine Familie zu haben, welche auch mal einspringt, wenn ich unterwegs sein muss. Meine Eltern und auch der Papa von Motti sind dann da und greifen mir unter die Arme. Und notfalls kommt die Motte einfach mit auf Arbeit und ich verkürze meine Arbeitszeit - denn ich bin ja immer noch meine eigene Chefin.
Ahoi: Dann wünschen wir Dir und ChilliMilli ganz viel Erfolg und hin und wieder Zeit, um Luft zu holen.


