Ahoi-Redakteur Volly Tanner hat (ganz selten) Muße zu schlendern. Und so begab er sich eines entspannten Tages ins „Wiederschön“ in den Höfen am Brühl, um ein bisschen Neues auf sich wirken zu lassen und war erstaunt und begeistert vom Konzept des Ladens und von Tobias Kretzschmar, der dort die Werke von TK-Designs in die Öffentlichkeit bringt. Natürlich fragte Volly Tanner an ihm herum.
Ahoi: Guten Tag, Tobias Kretzschmar. Wir trafen uns vor ein paar Tagen im Konzeptladen „Wiederschön“ der Stadtreinigung Leipzig in der oberen Etage der Höfe am Brühl, hinten gleich neben Müller. Dabei sprachen wir über Dein faszinierendes Konzept. Ich war auch völlig geflasht von der herausragenden Qualität Deiner Produkte. Kannst Du uns ein bisschen etwas zum Konzept erzählen, bitte? Gerade der Aspekt, wo Du Deine Materialien herbekommst, ist ja hoch spannend …
TK-Designs: Hallo Volly, zunächst einmal herzlichen Dank für die Einladung. Ebenso und vor allem geht mein Dank an die Stadtreinigung Leipzig, stellvertretend an Alena Gröhn, die es erst möglich gemacht hat, dass wir beide uns dort begegnen konnten. Mein Konzept ist an sich relativ einfach: Ich fertige Wohn-Accessoires und Möbel aus Altmaterial. Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Materialien, wie zum Beispiel Holz, Stahl, Glas oder verschiedene Kunststoffe. Diese werden durch Recycling und Upcycling aufbereitet und neu miteinander kombiniert. Dadurch entstehen teils außergewöhnliche Einzelstücke, eben nachhaltige Designer-Unikate. Die Rohstoffe für diese Kreationen finden sich überwiegend am Straßenrand, vor Wertstoffhöfen, oder auf diversen Internetplattformen, als „zu verschenken“ gekennzeichnet. Mir ist unter anderem daran gelegen, dass diese von den Vorbesitzern tatsächlich als Abfall oder ähnliches betrachtet werden. Das soll heißen: falls damit noch ein finanzieller Gegenwert erzielt werden kann, sollten diese Dinge auch von entsprechenden Interessenten erworben und weiterverwendet werden können.
Ahoi: Und was für Produkte designst Du alles aus diesen Materialien?
TK-Designs: Das ist ganz unterschiedlich und hängt immer vom jeweiligen „Ideengeber" ab. Meistens entsteht die Idee zu einem Objekt aus einem Detail, beispielsweise ein Liegestuhl für zwei Personen aus einem Couchtisch mit Schubladen, die nun als Fußauflage dienen. Der Rest entwickelt sich mehr oder weniger von allein. Am Ende kommen durch diese Herangehensweise kleine bis größere Einrichtungsgegenstände, vom Kerzenständer, über kleinere Skulpturen und Collagen, bis hin zu unterschiedlichen Leuchtobjekten, Sitzgelegenheiten, Tischen und Aufbewahrungsmöbeln zustande.
Ahoi: Ich bin etwas verliebt in Deinen Liege/Strandkorb. Da das ja auch alles, so denke ich und so sagst Du ja auch, Unikate sind, muss der doch extrem teuer sein … oder? Wie gehst Du an die Preisgestaltung heran?
TK-Designs: Nun ja, das Thema "Preisgestaltung" war für mich anfangs sehr schwierig, da ich ursprünglich nicht aus dem Handwerk komme und mir die nötigen Fertigkeiten autodidaktisch angeeignet habe. So steht einerseits die aufgewendete Arbeitszeit in Verbindung mit einem kalkulierten Stundensatz, der sämtliche Kosten decken soll. Anderseits gilt es, die Zeit, die durch Versuche und Fehlversuche benötigt wurde, in gesundem Maße gegenzurechnen. Am Ende ergibt sich ein aus meiner Sicht moderater Preis, der letztendlich nicht nur die handwerklichen Aufwendungen, sondern auch die eingesetzte Kreativität sowie den Alleinstellungscharakter des jeweiligen Objektes widerspiegelt.
Ahoi: Das Design Deiner Produkte fasziniert, so etwas sah ich bis dato nur in Kunstausstellungen, trotzdem sind Deine Produkte absolut alltagstauglich. Wo hast Du Dir Deine Skills als Designer erworben?
TK-Designs: Auch diesbezüglich habe ich wohl Glück gehabt. Ich fertige stets nach meinen eigenen Vorstellungen von Form, Proportion, Statik, Farbgestaltung und Nutzbarkeit der Objekte und freue mich jedes Mal riesig, wenn andere Menschen ebenfalls Gefallen daran finden und diese in ihre eigenen Wohn- oder Geschäftsräume integrieren.
Ahoi: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Konzeptladen „Wiederschön“?
TK-Designs: Ich bin bereits Teil eines kleinen Netzwerkes, welches sich dem Wiederverwerten, beziehungsweise Aufbereiten „alter" Dinge verschrieben hat. Aus dieser Runde kam der Hinweis, dass die Stadtreinigung Untermieter für einen geplanten Konzeptladen zu selbigem Thema sucht. Nach zugegeben anfänglicher Skepsis habe ich mich dann doch beworben und wurde innerhalb kurzer Zeit von verschiedenen beteiligten Stellen kontaktiert und schrittweise über das Gesamtkonzept informiert. Nachdem ich dann noch die entsprechende Räumlichkeit besichtigen konnte, war mir klar, dass ich auf jeden Fall Teil dieses Projektes sein möchte. Eine derartige Gelegenheit, mein Anliegen mit Gleichgesinnten und in einem solchen Rahmen an die Öffentlichkeit tragen zu können, bietet sich schließlich nicht jeden Tag.
Ahoi: Und wie bist Du zum Thema Nachhaltigkeit gekommen?
TK-Designs: Das kam natürlich nicht über Nacht, sondern war ein längerer Prozess, der seinen Ursprung vermutlich bereits in meiner Kindheit hatte. Im Laufe der Jahre (Jahrzehnte) hat sich meine Sensibilität für dieses Thema immer weiterentwickelt.
Ahoi: Deine Beleuchtungen verraten auch Deinen sanften Humor; gerade DROID und RESCUE, die beiden Tischleuchten, sind echte Aufmerksammacher. Wie sind denn die Reaktionen auf Deine Angebote?
TK-Designs: Gerade DROID wird immer wieder als absoluter Hingucker wahrgenommen, ist allerdings auch sehr speziell. Erfreulicherweise ist die Resonanz bisher durchweg positiv, auch wenn ich bedauerlicherweise hin und wieder höre, dass „die Sachen zwar sehr schön, aber leider gerade nicht bezahlbar" seien, womit wir bei einem weiteren gesellschaftlichen Thema wären, welches jedoch auf einem anderen Blatt steht.
Ahoi: Danke, lieber Tobias Kretzschmar, für Deine Arbeit und Dein Engagement.
TK-Designs: Ich habe zu danken für Dein Interesse und die Unterstützung.


