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  • Interviews
Ein Gespräch mit Matthias Reim

Verdammt, er liebt es immer noch

Ein Lied, das jeder kennt, eine Stimme, die geblieben ist: Matthias Reim spricht über sein neues Album „Flashbacks“, seine Leipziger Fans und warum er noch immer für jeden Auftritt brennt.

© Milan Schmalenbach

Am Wochenende hast du deine treue Leipziger Fanbase mit zwei Konzerten erfreut und die Parkbühne förmlich abgerissen. Wie hat dir das Wochenende gefallen?

M.R.: Es war großartig. Zweimal die Parkbühne, diese Atmosphäre – und dann hatten wir auch noch Glück mit dem Wetter. Sommerlich, aber nicht zu heiß. Da habe ich wirklich dem Wettergott gedankt. Als wir wieder losgefahren sind, habe ich gesagt: Schade, schon vorbei. Ich bin einfach wahnsinnig gern in Leipzig.

Dein neues Album „Flashbacks“ erscheint im September. Gibt es für dich einen Leipzig- Flashback, der dir sofort in den Kopf kommt?

M.R.: Ja. Wenn ich an Leipzig denke, sehe ich sofort die alte Parkbühne vor mir. Auch der Backstage-Bereich – so alt, aber genau deshalb so kultig. Du gehst zehn Meter aus der Garderobe und stehst direkt auf der Bühne. Du bist den Leuten unglaublich nah. Das ist etwas ganz Besonderes.

Du machst schon sehr lange Musik. Bist du trotzdem noch nervös, wenn ein neues Album erscheint – gerade bei einem so persönlichen Projekt wie „Flashbacks“?

M.R.: Immer. Ich habe anderthalb Jahre sehr konzentriert an diesem Album gearbeitet und war wieder unglaublich inspiriert. Ich habe alte Songs gehört und mich gefragt: Was habe ich damals eigentlich gemacht? Daraus sind ganz viele neue Ideen entstanden.

Ich habe in den neuen Songs auch kleine Anspielungen auf meine alten Lieder eingebaut – Zahlen oder bestimmte Formulierungen. Ich wusste, dass die Leute Spaß daran haben werden, wenn sie plötzlich an einen Song erinnert werden, der 30 Jahre alt ist. Wir leben gerade in keiner besonders schönen Zeit. Da dachte ich: Erinnern wir uns doch mal an die guten 90er – auch musikalisch. Ich möchte Freude vermitteln, Erinnerungen wecken und Lust auf neue Musik machen, ohne komplett neu sein zu wollen. Die Leute sollen denken: Das ist einfach typisch Matthias. Und ich glaube, das ist mir gelungen.

Gab es während der Arbeit am Album einen Song, der dir besonders ans Herz gewachsen ist?

M.R.: Eigentlich alle. Ich könnte gar keinen Lieblingssong nennen. Besonders spannend war aber, dass ich einen Titel neu aufgenommen habe, den ich schon 1984 veröffentlicht hatte. Damals war er ein Flop. Mein Sohn meinte nur: Das ist so herrlich 80er – mach den doch einfach noch mal, so wie du ihn heute machen würdest. Genau das habe ich dann gemacht und hatte sehr viel Spaß daran.

Du hast jetzt bald 22 Studioalben, viele neue Songs und trotzdem kommt es immer wieder auf den einen zurück: „Verdammt, ich lieb dich“. Hast du immer noch Spaß daran, den Song zu performen? Oder gab es in den letzten 35 Jahren auch mal einen Moment, in dem du keine Lust darauf hattest?

M.R.: Nee, ich liebe diesen Song. Es ist ein Lied, das – im Gegensatz zum Künstler – einfach nicht altert. Die Leute feiern ihn jedes Mal, auch bei den Konzerten in Leipzig. Bei der Jubiläumstour haben wir ihn sogar zweimal gespielt, einmal am Anfang und einmal am Ende – und die Leute sind jedes Mal abgegangen. Ich freue mich jedes Mal wieder auf diesen Song. Die Geschichte funktioniert immer noch, auch wenn manche Formulierungen inzwischen vielleicht ein bisschen altmodisch klingen.

Siehst du dich auch als eine Art Wegbereiter für den modernen Deutschrockschlager?

M.R.: Ich glaube, ich habe damals ein bisschen die Türen für eine freiere Wortwahl geöffnet. In Songs wie „Zweimal“ zum Beispiel war schon viel Umgangssprache drin. Ich war vielleicht ein kleiner Mitentwickler in diese Richtung. Ich habe Wörter benutzt, bei denen andere gesagt hätten: Das geht nicht. Aber ich dachte mir: Das ist Matthias Reim. Wenn jemand in einer Geschichte sagt „du Arsch“, dann ist das manchmal genau das richtige Wort. Es geht um Glaubwürdigkeit. Die Menschen sollen denken: Das kenne ich, das habe ich auch schon erlebt. Diese emotionale Nähe ist mir wichtig.
Aber wahrscheinlich wäre das auch ohne mich zu dieser Entwicklung gekommen. Denn dann kam der Rap und plötzlich gab es in der Sprache kaum noch Grenzen. Das hat sich natürlich auch auf den moderneren Schlager übertragen.

Du bist jetzt schon eine ganze Weile wieder auf Tour und es geht noch bis Ende des Jahres weiter. Wie gefällt dir das Tourleben?

M.R.: Ich bin im Moment vielleicht zwei oder drei Tage die Woche zu Hause. Dazwischen bin ich unterwegs und mache Interviews. Gerade bei diesen Temperaturen ist das Reisen wirklich anstrengend – bei 35, 36, 37 Grad funktioniere ich nicht besonders gut. Aber ich möchte für mein Publikum immer topfit sein. Auf der Bühne gibt es kein langsamer. Da kommt das Adrenalin, und das Publikum gibt dir die Energie zurück. Einen Hitzesoundcheck lasse ich dann trotzdem mal ausfallen. Das kriegen wir hin. Und wenn mal etwas nicht perfekt klingt, werden mir die Menschen das verzeihen. (Lacht) Die singen sowieso so laut mit, dass sie es vielleicht gar nicht merken.

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