In ihrer Kolumne über starke Frauen aus Leipzig trifft Anja Herzog diesmal auf Sara Kulka. Bekannt aus TV und Social Media zeigt sie sich heute so offen wie selten jemand in der Öffentlichkeit. Sie spricht über Depressionen, Selbstfindung, Familie, Mut und darüber, warum echte Veränderung immer mit Ehrlichkeit beginnt.
Anja Herzog: Beschreib dich bitte mit drei Worten.
Sara Kulka: Chaotisch, authentisch, liebevoll.
Anja: Du bist jemand, der sehr klar ist, auch in dem, was du teilst. War das schon immer so oder gab es einen Punkt, an dem du entschieden hast, kompromisslos ehrlich zu sein?
Sara: Ja, den gab es. Ich wollte schon immer wie ein netter Mensch wirken, das klassische People Pleasing lässt grüßen. Dann kam die Depression und ich habe begonnen, an das Universum zu glauben und ich habe mich entschieden, dass ich authentisch sein möchte. Ich möchte Menschen in meinem Leben haben, die mich so nehmen, wie ich bin. Seitdem ich authentisch bin, werde ich viel mehr gemocht und gesehen als vorher. Ich kann nur jeder Person raten: Tu das, was sich gut für dich anfühlt.
Anja: Du gehst sehr offen mit Themen um, über die viele lieber schweigen. Woher kommt dieser Mut?
Sara: Meine zwei besten Freundinnen helfen mir sehr. Sie stehen hinter mir wie eine Wand und lieben mich bedingungslos. Meine Instagram-Community trägt mich auch sehr. Mir folgen viele Frauen. 98 schreiben etwas Positives, zwei etwas Negatives. Ich konzentriere mich auf die positiven Stimmen und bin sehr dankbar dafür. Wir sollten viel mehr Normalität zulassen und darüber sprechen. Mentale Erkrankungen, die Periode und viele andere wichtige Themen müssen sichtbarer und gesellschaftsfähiger werden.
Anja: Dein Weg war alles andere als klassisch. Hat die Teilnahme an GNTM dein Leben verbessert oder es in eine merkwürdige Richtung gelenkt?
Sara: Die Teilnahme hat mein Leben komplett verändert. Ich danke der Produktionsfirma. Ich erinnere mich daran, wie ich mit vier Jahren in Polen mit meiner ganzen Familie in einer kleinen Zweiraumwohnung gelebt habe. Wenn der Strom da war, habe ich berühmte Menschen im Fernsehen bewundert. Ich habe ganz früh entschieden, dass ich berühmt und Model werden möchte. Ich wollte in einer schönen Wohnung mit Strom und ohne Schimmel an den Wänden leben, das habe ich geschafft. Mir würden heute bei weitem nicht so viele Menschen zuhören, wenn ich damals nicht teilgenommen hätte.
Anja: Gab es gleichzeitig Momente, in denen du gezweifelt hast, ob diese Offenheit zu viel sein könnte?
Sara: Ich glaube, im Großen und Ganzen war die Öffentlichkeit gerade während meiner Depression ein Halt für mich. Damit meine ich nicht die Bild oder die Gala, sondern meine Instagram-Community.
Anja: Was bedeutet Stärke für dich heute?
Sara: Stärke bedeutet für mich, wenn du aufstehst, obwohl du am Boden liegst. Niemals aufzugeben!
Anja: Familie und enge Freundschaften scheinen bei dir eine große Rolle zu spielen. Was geben dir diese Beziehungen – gerade auch in herausfordernden Zeiten?
Sara: Meine Freundinnen sind meine ausgesuchte, echte Familie. Meine Kinder sind mein Leben. Ich liebe es, sie zu verwöhnen und tue sehr viel für meine Kinder.
Anja: Was tust du nur für dich? Was ist dein Ausgleich?
Sara: Lesen und spazieren gehen. Das gibt mir sehr viel.
Anja: Gab es eine Entscheidung in deinem Leben, die sich im Nachhinein als Wendepunkt herausgestellt hat?
Sara: Dass ich damals beim Casting von GNTM teilgenommen habe. Die Geburt meiner ersten Tochter hat mein komplettes Leben verändert. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Mama werde, die einen alternativen Erziehungsstil mit Langzeitstillen, Familienbett oder auch windelfrei lebt. Und der Auszug bei meinem Ex-Mann war auch ein sehr großer Wendepunkt. Ich war vorher immer abhängig von jemandem und bin vor 1,5 Jahren dann endlich ausgezogen. Da habe ich erst gemerkt, wie befreiend es ist, allein zu leben und unabhängig zu sein. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Anja: Viele Frauen stehen an Punkten, an denen sie spüren: So wie bisher soll es nicht weitergehen. Was hat dir geholfen, Veränderungen wirklich zuzulassen?
Sara: Jeder Mensch braucht seine Zeit. Wenn du so unglücklich bist, dass du nicht weißt, welche Entscheidung du treffen sollst, dann entscheide dich nicht für den alten Weg, sondern nimm den neuen. Der alte bringt dich nicht weiter, der neue vielleicht schon. Lass dich nicht unter Druck setzen. Alles braucht und hat seine Zeit.


