Musikalisch hat unsere Region viel zu bieten. Gerade in den nicht auf Hochglanz gewienerten Studios, in den Untiefen der Trauer und Melancholie, entwickelt sich immer noch Faszinierendes. Wobei gerade die Erschaffenden dieser faszinierenden Musik auch wissen, dass ab einer gewissen Erfolgshöhe die Industrie zulangt und das Eigene ins Rutschen kommen kann. Die hiesige Band TROSTLOS jedenfalls lässt sich nicht fangen und widersteht den Lockungen standhaft. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit Alexander von TROSTLOS über die Band, seine Träume und was er davon hält, nächstes Jahr auf dem Wacken zu spielen:
Ahoi: Guten Tag, Alexander Apitzsch. Du bist der Kopf von TROSTLOS. Ich mag ja Bands mit klingenden Namen, meine eigene musikalische Experimentierfläche 1987 hieß EinzelHAFT, was zu DDR-Zeiten schon irgendwie subversiv war. Aber zu TROSTLOS: Ich habe Musik von Euch zugespielt bekommen durch die mannigfaltigen Datenautobahnen des Netzes und bin völlig begeistert. Gelesen habe ich, dass TROSTLOS eigentlich als Solo-Projekt gedacht war. Warum dies denn und woher kam der Sinneswandel, aus TROSTLOS eine Band zu machen?
Alexander von TROSTLOS: Als ich im Januar 2018 das Solo-Projekt TROSTLOS begann, indem ich die ersten Lieder für das Debutalbum „Misanthrop“ aufnahm, fühlte es sich erstmals an musikalisch angekommen zu sein. Ich beherrschte die Gitarre nun einigermaßen, um diese Art von Musik aufnehmen zu können, wie ich es schon immer wollte. Niemand, der mir sagte, dass ich etwas ändern sollte oder, dass es nicht passt.
Ich konnte aufnehmen, wenn ich die Muße dazu hatte und hatte nur meinen eigenen Druck. Der damalige Traum war es, diese Ideen auf ein Album pressen zu lassen. Da mein Vater dazumal der Präsident des Hellraiser Leipzig war, habe ich nach wie vor das große Privileg, sämtliche Konzerte zu sehen, was dazu führte, dass zu einigen Bands ein guter Kontakt oder sogar Freundschaften entstanden sind.
In diesem Fall haben mich nicht nur NACHTBLUT als Band inspiriert, sondern es ergab sich damals die Gelegenheit, sich bei ihnen als Keyboarder zu bewerben, was ich auch tat. Leider wurde daraus nichts, aber ich habe mittlerweile mehr Zeit für mein eigenes Projekt. Ohne zu erwähnen, in welcher Verbindung ich zum Hellraiser Leipzig stehe, da dies nichts mit meinem musikalischen Können zu tun hat, spielten diese kurze Zeit später bei uns.
Athanasios, der Sänger der Band, erkannte mich jedoch und so kamen wir erstmals ins Gespräch. Später ergab sich dann durch meinen Vater und dem mittlerweile recht guten Kontakt zur Band jene Möglichkeit, als ersten Auftritt mit NACHTBLUT und ASENBLUT zusammen im eigenen Haus vor 1.000 Leuten spielen zu können. Dafür brauchte es jedoch Mitstreiter und es bot sich damals Jan H. am Schlagzeug an, welcher ebenfalls nebenbei für den Hellraiser arbeitet und ein guter Freund meines Vaters und von mir ist, um diesen Auftritt annehmen und bestreiten zu können. Ein Gitarrist fand sich ebenfalls, Moritz B., welcher jedoch von mir später gebeten wurde, die Band zu verlassen, da die Entfernung in Verbindung mit den Proben in meinen Augen sich als problematisch erwies. Jan H. verließ ebenfalls die Band, da es von vornherein nicht seine Musik war und er es letztendlich mir zu liebe tat, um die ersten beiden Auftritte ermöglichen zu können. Einige Zeit später meldete sich dann Tom S. bei mir und brachte neben seinem Können an der Gitarre unfassbar viel Wissen bezüglich der Technik mit, wodurch wir mittlerweile um einiges besser aufgestellt sind, als damals.
Es harmoniert zwischen Tom und mir perfekt und ich möchte ihn keinesfalls missen müssen. Die Songs schreibe ich nach wie vor alleine, doch um diese live umsetzen zu können, braucht es Mitstreiter. Ohne die Hilfe der anderen hätte ich es nie so weit geschafft. Ein Schlagzeuger wäre künftig noch schön, doch haben wir leider noch niemanden gefunden. Es braucht mehrere Leute, um dies alles bewältigen zu können, weswegen ich TROSTLOS als Band ansehe.
Ahoi: Der Musik kann man eine gewissen Dunkelheit nicht absprechen, es geht sogar eher ganz tief, auch mit Deiner Stimme. Wie hast du das geübt? Solch ein Gesang muss doch schon beim Singen Leid auslösen …
Alexander von TROSTLOS: Tatsächlich habe ich mir eine komplett falsche Gesangstechnik angeeignet und nehme nun seit ungefähr einem Jahr Gesangsunterricht, speziell auf diese Art ausgelegt. Die ersten drei Alben werden sich daher von den kommenden Jahren gesanglich unterscheiden, da ich auf „Gedankenkarussell“ schon teilweise eine andere Technik verwendet habe. Das Leid war demzufolge tatsächlich der folgende Schmerz in meinem Hals. (schmunzelt)
Es neu aufzunehmen kommt für mich jedoch nicht in Frage, da es auch die damaligen Gefühle widerspiegelt - Also genau das Leid, welches du beschrieben hast. Mittlerweile kann ich jedoch glücklicherweise über eine Stunde problemlos screamen oder growlen.
Ahoi: Es gibt diverse Tonträger von TROSTLOS. Alles selbstgemacht? Oder habt Ihr Helferleins im Hintergrund … wenn ja – wen denn?
Alexander von TROSTLOS: Sämtliche Lieder und Texte stammen aus meinem Kopf und meiner Feder. Ehrlich gesagt habe ich von Mischen, Mixen und Mastern überhaupt keine Ahnung. Ich probiere ein paar Dinge aus, bis es besser klingt. Über die Jahre habe ich sämtliche Liedideen grob aufgenommen, welche ich nun versuche passend zusammenzuflicken, sodass am Ende aus beispielsweise vier kleinen Ideen ein neues Lied entsteht. Auch das Schlagzeug nehme ich nicht mehr manuell am Keyboard auf, was bei einer Double-Base recht anstrengend war. Aktuell läuft viel über MIDI, doch ich setze jeden einzelnen Ton manuell selbst. Der Sound ist dort einfach besser, als auf meinem schon älteren Keyboard.
Ahoi: Im Hintergrund läuft bei mir das Album „Traum“ von TROSTLOS hoch und runter. Das ist wirklich großes Kino. Wie war die Resonanz auf Deinen Traum?
Alexander von TROSTLOS: Sicherlich hast du schon mitbekommen, dass TRAUM ein eher ruhiges Album ist, welches wir live auch leider etwas stiefmütterlich behandeln.
Das Cover des Albums soll bedeuten, dass der Schlüssel zum Spaß nicht immer an vorgegebene Regeln oder die Norm gebunden ist. Man soll sein Leben genießen, da man sonst in Ketten lebt. Man sollte aufmerksam leben und genau hinsehen. Andernfalls schaut man nie über den Tellerrand und verpasst einiges.
Der Tod zieht sich thematisch durch mehrere Lieder. Mein Ziel war es, es auf eine gefühlvolle Weise dramatisch schön zu verpacken. Auch wollte ich die Hörer weiterhin mehr sensibilisieren, was das Thema Depression angeht, wie im Song „Biss Dass Der Tod Uns Scheidet“. Auf diesem Album gibt es auch sehr persönliche Stücke, über Liebe, oder schwierige Zeiten über die Weihnachtsfeiertage... welche auf diese ruhigere Weise dieses Leid von einer anderen Seite zeigen sollten.
Mein eigener Traum war es, mit diesem Album einen Schlussstrich unter dieser persönlichen Vergangenheit ziehen zu können, um mit dem nächsten ein neues Kapitel im Leben zu beginnen.
Ahoi: Im Video zu „Gedankenkarussell“ tauchen illustre Menschen aus der hiesigen Dark- & Metalszene auf. Beispielsweise erkannte ich ein gutbeschäftigtes Model. Wo holt Ihr die Protagonisten für die Videodrehs her und wer dreht und produziert?
Alexander von TROSTLOS: Ehrlich gesagt haben wir sogar zwei Hobby-Models im Video, weshalb ich nicht genau weiß, welche Du von beiden wohl meinen könntest. Eine davon ist mittlerweile meine Arbeitskollegin und eine gute Freundin. Zum Teil waren es alte Bekanntschaften, Freunde von Freunden, oder Freunde von meiner Partnerin. Es waren also keine gänzlich fremden Personen anwesend beim Dreh. Die Skripte zu den Videos schreibe ich selbst. Auch schneide ich es später zusammen. Mein bester Freund übernimmt in der Regel die Regie, indem er uns mit dem Skript sagt, was als nächstes zu tun ist, da wir als Band ja selbst gefilmt werden.
Gedreht wird mit einem IPhone. Für die „Kamera“ war bisher mein kleiner Bruder Jannik G. zuständig. Für etwas professionelles fehlt uns einfach das Geld, doch mir gefällt es ehrlich gesagt, wenn es selbstgemacht ist, denn die Dreharbeiten waren allesamt sehr unterhaltsam. Für die Drohnenaufnahmen war uns Ben L. behilflich mit seiner Drohne.
Ahoi: Live macht sich TROSTLOS recht rar. Es gibt Bands, die dauertouren, das ist bei TROSTLOS nicht so. Warum? Konzept oder Notwendigkeit? Mach uns da mal bitte schlauer, Alexander.
Alexander von TROSTLOS: Gern würden wir mehrere Auftritte geben, doch mehr als Bewerbungen schreiben können wir nicht. Ein Plattenvertrag kommt für mich nicht in Frage, da ich sonst das Gefühl hätte, meine Seele zu verkaufen. Meistens haben diese anderen Bands, von denen Du redest, ja dann Booker, welche sich um Auftritte kümmern.
Es ist generell schwierig, nach solch einem Start einen Anschluss zu finden. Wir fangen trotzdem klein an. Vermutlich wird es aber auch daran liegen, dass ich kein großer Freund von ständiger Eigenwerbung bin, was ich vermutlich noch einmal überdenken muss... Am Ende muss es auch mit unserer Arbeit passen, da Tom und ich uns einig sind, dass egal, wie erfolgreich es vielleicht doch einmal werden sollte, wir unser festes finanzielles Standbein niemals dafür aufgeben würden.
Ahoi: Und in den nächsten Monaten? Wie geht es jetzt weiter? Anmeldung fürs WACKEN26 schon draußen?
Alexander von TROSTLOS: Wacken ist ein Festival, dem ich persönlich nichts abgewinnen kann. Es ist weltweit bekannt, sodass einige Leute nicht wegen der Bands dorthin reisen, sondern, weil es als riesige Party für sie dient. Dennoch ziehe ich meinen Hut davor, was die Veranstalter und Helfer Jahr für Jahr dort auf die Beine stellen. Für mich ist einfach dieses Gefühl, als Metalhead oder Goth unter sich zu sein, nicht gegeben. Am Ende würde ich trotzdem niemals „Nie“ sagen, aber aktuell - Nein, danke.
Das WGT ist da zwar ähnlich, doch die Konzerte sind in ganz Leipzig verteilt, wo einfache Schaulustige in der Regel nicht einfach so hingehen. Dafür dienen dann diverse Parks oder Friedhöfe. Auf dem WGT könnte ich es mir eher vorstellen. Vielleicht haben wir ja auch schon eine Bewerbung gesendet - Wer weiß... Eine Tour mit einer größeren Band wäre schön. SCHWARZER ENGEL, BLITZ UNION, BLAZING ETERNITY oder vielleicht doch eines Tages nochmal NACHTBLUT wäre schön. Ein absolut feuchter Traum wäre natürlich PAIN, aber da bin ich realistisch und träume weiter. (schmunzelt)
Ahoi: Danke, Alexander, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast.
Alexander von TROSTLOS: Ich hoffe, Dir damit Deine Fragen beantwortet haben zu können und vielleicht sehen wir uns ja einmal persönlich bei dem einen oder anderen Konzert. Beste Grüße aus den Untiefen der Trauer und Melancholie.


