Anja Herzog:
Beschreib dich mit drei Worten.
Ines Zekert:
Empathisch. Nahbar. Neugierig.
Anja:
Du bist bekannt dafür, kein Fan von Bequemlichkeit zu sein, weder im Business noch in Gesprächen. Warum ist Reibung so wichtig?
Ines:
Ich bin auf der Gefühlsebene sehr harmoniebedürftig. Auf der Kopfebene glaube ich aber, dass es Konflikte braucht. Entscheidend ist, wie man sie ausdiskutiert. Man sollte sich erst Wissen verschaffen, bevor man sich eine Meinung bildet und selbst dann ist es oft nicht leicht. KI zwingt uns gerade permanent dazu, neu zu denken. Ich könnte sagen, das betrifft mich nicht mehr, aber ich entscheide mich bewusst für Offenheit.
Anja:
Du hast einmal gesagt, Marketing müsse unbequeme Fragen stellen. Passiert das ausreichend?
Ines:
Marketing ist per Definition dazu da, unbequeme Fragen zu stellen. Das ist eine Grundfunktion. Aber ohne Wissen kann man keine guten Fragen stellen. Deshalb ist Weiterbildung so entscheidend. Man muss sich trauen, unbequem zu denken, sonst bleibt alles stehen.
Anja:
Warum ist es dir nicht wichtig, als Marketing Expertin aufzutreten?
Ines:
Weil das nicht meine Kernkompetenz ist. Ich sehe meine Rolle darin, Menschen zu verbinden. Der Marketing Club bietet eine Plattform für Austausch und Orientierung. Wir holen die Experten ran, die wirklich etwas zu sagen haben. Diese Arbeit ist seit dreieinhalb Jahren extrem bereichernd. Ich habe so viele neue Perspektiven kennengelernt, von internationalen Unternehmen aus Leipzig, von denen ich vorher nie gehört hatte. Das erweitert den eigenen Horizont enorm.
Anja:
Was können Frauen konkret für die Wirtschaft tun?
Ines:
Ich bin in der DDR groß geworden, Emanzipation war dort selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit wünsche ich mir zurück. Mein Appell ist klar: Trau dich. Steh für dich ein. Nicht jede Frau muss führen, aber wer es will, sollte sich nicht selbst im Weg stehen. Führung bedeutet Verantwortung und Opfer, für Männer wie für Frauen.
Anja:
Was sind aktuell deine größten Herausforderungen?
Ines:
Beruf und Ehrenamt zu verbinden. Der Marketingtag Ost im Juni ist aktuell unser größtes Projekt. Konzeptionell am Ball zu bleiben und in dieser Informationsflut den Überblick nicht zu verlieren, ist anspruchsvoll.
Anja:
Welche Themen müssen Wirtschaft und Marketing ernster nehmen?
Ines:
Ganz klar KI. Sie ist Chance und Gefahr zugleich, besonders für die Werbewirtschaft. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Wirtschaft ist die Grundlage von allem. Bürokratie darf nicht lähmen, sondern sollte ermöglichen.
Anja:
Was treibt dich an, weiterzumachen?
Ines:
Mein Selbstwertgefühl. Ich liebe Bewegung, Erlebnisse, Neugier. Bequemlichkeit ist nichts für mich. Wenn etwas anstrengend war und am Ende gelingt, fühlt sich das richtig gut an.


