Vor einigen Tagen las Ahoi-Redakteur Volly Tanner einen feines Satz eines Kollegen: Journalismus darf nicht nur über die Gräben berichten, er muss auch die Brücken aufzeigen, die die Ufer miteinander verbinden. Solch eine Brücke ist der Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg, Sven Kühne. Dieser bekam gerade die Ehrenmedaille des Ortschaftsrats und der Bürgergesellschaft Böhlitz-Ehrenberg überreicht und saß bei diesem Festakt dem Ahoi-Redakteur schräg gegenüber. Natürlich nutzte Tanner die Chance und stellte Fragen:
Ahoi: Guten Tag Sven Kühne. Erst einmal herzlichste Glückwünsche zur Übereichung der Ehrenamtsmedaille des Ortschaftsrats und der Bürgergesellschaft Böhlitz-Ehrenberg an Dich für Dein Wirken als Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg. Verdient hast Du diese auf jeden Fall. Dann lass uns mal einsteigen: Als Jugendwart, das erklärt sich selbst, agierst Du mit der Jugend der FF. Wie viele sind das denn? Wie alt sind die Jugendlichen und wo kommen diese her?
Sven Kühne: Aktuell besteht unsere Jugendfeuerwehr aus 23 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 16 Jahren. Ab April wächst die Gruppe auf 30 Mitglieder an. Die meisten stammen aus Böhlitz-Ehrenberg, doch auch aus Burghausen, Leutzsch und Lindenau nehmen engagierte junge Feuerwehrleute teil.
Ahoi: Und was machst Du da als Jugendwart ganz konkret? Ich hörte von einer Reise …
Sven Kühne: Ich fungiere als Schnittstelle zwischen der Jugendfeuerwehr und der Einsatzabteilung. Zudem übernehme ich die Leitung sowie die Ausbildung und Betreuung der Jugendlichen, wobei ich bei der Ausbildung durch die Betreuer unterstützt werde. Dazu gehört auch die wöchentliche Planung der Jugenddienste sowie die Organisation von Fahrten und Wettbewerben.
Im Mai haben wir beispielsweise für unsere Jugendlichen einen Ausflug in den Heide Park geplant, der uns durch eine Spende von Edeka Voßler ermöglicht wurde.
Ahoi: Die Freiwillige Feuerwehr ist, das muss man vielen Menschen erklären, etwas Anderes als die Berufsfeuerwehr. Ich durfte mal die Grünauer interviewen, das war hochinteressant. Kannst Du uns erzählen, welche Verbindungen es gibt zwischen Euch und der Berufsfeuerwehr? Und warum braucht es Freiwillige? Müsste nicht Feuerwehr unter Daseinsvorsorge fallen, wie beispielsweise die Krankenhäuser oder die Polizei? Und da arbeitet das Personal ja auch nicht im Ehrenamt.
Sven Kühne: Bei der Feuerwehr verstehen wir uns als eine Einheit, unabhängig davon, ob wir hauptberuflich oder ehrenamtlich tätig sind. Auch im Ehrenamt absolvieren wir Ausbildungen, Lehrgänge und Einsatzübungen auf vergleichbarem Niveau wie die Berufsfeuerwehr. Ebenso bewältigen wir die gleichen Einsatzarten und arbeiten dabei eng zusammen, um uns gegenseitig zu unterstützen.
Die Berufsfeuerwehr wäre ohne die freiwillige Feuerwehr nicht in der Lage, alle Einsätze vollständig abzudecken. Zudem engagieren sich viele Kameradinnen und Kameraden sowohl beruflich als auch ehrenamtlich im Feuerwehrdienst.
Bezogen auf Deine Frage, ob Feuerwehr auch Ehrenamt sein muss, sehe ich es anders als Du, Volly: Viele Menschen – so auch ich – entscheiden sich ganz bewusst dagegen, diese Tätigkeit hauptberuflich auszuüben. Für uns steht nicht das Geld im Vordergrund, sondern der Wunsch zu helfen. Es ist eine Herzensangelegenheit, Menschen in Not zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kameradschaft: Man kann sich aufeinander verlassen, jeder hilft jedem. Dieses Miteinander fühlt sich oft wie eine zweite große Familie an. Auch ich selbst bin durch meine Familie in die Feuerwehr hineingewachsen.
Ahoi: Wie lange bist Du denn schon Jugendwart und wie kam es dazu?
Sven Kühne: Seit 2022 bin ich als Jugendwart tätig. Zuvor habe ich bereits als Betreuer unterstützt und unter anderem im Zeltlager in der Küche mitgearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit mit Jugendlichen bereitet. Als 2022 die Neuwahlen für das Amt des Jugendwarts anstanden, habe ich mich zur Wahl gestellt, weil ich bereit war, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Ahoi: Wie viel Zeit muss man sich denn vorstellen, die Du im Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr so monatlich einbringst? Und was machst du in der Zeit so?
Sven Kühne: Ich investiere viel Zeit in die Jugendarbeit und übernehme dabei vielfältige Aufgaben. Einen großen Teil nutze ich für die Planung und Organisation der Jugendfeuerwehr. Durch meine Funktion als Jugendwart bin ich zudem in die Wehrleitung eingebunden. Darüber hinaus kommt auch die Kameradschaft nicht zu kurz – wir verbringen viel Zeit miteinander und stärken so unseren Zusammenhalt.
Ahoi: Und was machst Du im Hauptberuf? Ich durfte mal Basti Schauer treffen, der ja bei einem großen Autobauer arbeitet und im Ehrenamt Wohnungslosen hilft, da hatte der Arbeitgeber viel Verständnis und das Ehrenamt stark unterstützt. Wie ist das bei Dir?
Sven Kühne: Seit 2008 arbeite ich im Kugel- und Rollenlagerwerk Leipzig. Mein Arbeitgeber unterstützt mein Engagement bei der Feuerwehr, indem er mir beispielsweise für Lehrgänge oder Einsätze die notwendige Freistellung ermöglicht.
Ahoi: Die Freiwillige Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg wurde 1890 gegründet, erfuhr ich. Dann gab es eine sehr wechselvolle Geschichte bis in die Neuzeit hinein. So ein langes Bestehen heißt aber auch Verlässlichkeit und Tradition sowie das Einbringen in den Stadtteil mit den Vereinskapazitäten. So findet beispielsweise der Weihnachtsmarkt von Böhlitz-Ehrenberge bei Euch auf der Wiese statt. Wo und wie agiert Ihr noch in den Stadtteil hinein, jetzt mal vom reinen Löschen von Bränden abgesehen?
Sven Kühne: Die Feuerwehr ist überall präsent – sei es auf dem Weihnachtsmarkt, beim Ortsfest, bei Vereinsveranstaltungen oder in der Öffentlichkeitsarbeit an Kindergärten und Schulen.
Ahoi: Wie viele Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner seid Ihr eigentlich?
Sven Kühne: Derzeit besteht unsere Feuerwehr aus etwa 56 Einsatzkräften, darunter 15 Frauen sowie 12 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung.
Ahoi: Nachwuchspflege ist äußerst wichtig für das Ehrenamt. Viele junge Menschen wollen ja doch eher Influencer werden (schmunzelt). Was ist besser daran, mit Euch Gemeinschaft und Verantwortung zu erleben, anstatt einsam in eine Kamera zu krakeelen?
Sven Kühne: Viele unserer Kinder und Jugendlichen haben den Wunsch, später zur Berufsfeuerwehr, in den Rettungsdienst oder allgemein in soziale Berufe zu gehen. Gleichzeitig schätzen sie die Gemeinschaft in unserer Jugendfeuerwehr sehr. Hier entstehen viele Freundschaften fürs Leben.
Ahoi: Ehrenamt braucht immer auch ein unterstützendes Hinterland, bei wem möchtest Du Dich bedanken für die Unterstützung?
Sven Kühne: Mein Dank gilt allen, die uns unterstützen: den Betreuern, der Wehrleitung, unseren Sponsoren, den Eltern unserer Kinder und Jugendlichen und natürlich den Jugendlichen selbst – für ihre bisherige Unterstützung und ihr Engagement, das uns auch in Zukunft trägt. Ebenfalls möchte ich Dir auch zu Deiner Auszeichnung gratulieren.
Ahoi: Danke, lieber Sven, für Deine Zeit, Dein Engagement und Deine Antworten.


