Käthe Böhm (28) zieht als „Aperol Scout Leipzig“ auf der Suche nach leckerem Aperol Spritz durch die Stadt. Im Ahoi-Interview erzählt die 28-Jährige, warum sie sich in das Mixgetränk verliebte, was einen guten „Spritz“ ausmacht, wie viel Geld durch ihr Lieblingshobby bisher draufgegangen ist und wo es in Leipzig die besten Preise gibt.
Wie sind Sie dazu gekommen, einen Kanal über Aperol Spritz zu eröffnen?
Böhm: Es war im Juni 2021 im grauen Corona-Zeitalter, als ich mit einer Freundin im Leipziger Westen auf verzweifelter Jagd nach einem bezahlbaren Aperol Spritz war. Wir mussten wirklich sehr lange suchen und waren angesichts dieser unhaltbaren Zustände zutiefst verstört. Da spürte ich das leise Hauchen des Heilands in meinem Hirnstamm und zack: Ich hatte einen Auftrag. Direkt am Folgetag habe ich dann meinen Kanal eröffnet, damit niemand mehr zu lange nach dem nächsten Spritzgetränk suchen muss. Und irgendwann nach dem zweiten oder dritten Post fiel mir dann auch noch auf: Cool, ich kann zusätzlich noch wirklich jeden Furz geistiger Gülle, der mir so durch die Synapsen spukt, in diese Posts reinschreiben. So ist das alles entstanden.
Woran machen Sie fest, ob ein Aperol gut oder schlecht ist?
Böhm: Mir ist das scheißegal, wie der Aperol schmeckt. Also im besten Fall ist es ein witziger Aperol und ansonsten kriegt alles von mir 10 von 10 Punkten. Ich will gar nicht groß die gastronomischen Institutionen kritisieren.
Gibt es keine Nogos?
Böhm: Doch. Also zu viel Eis ist nicht gut, das halte ich für Abzocke, und zu viel Aperol schmeckt auch komisch. Aber solange ich einen Aperol Spritz bekomme und der nicht total überteuert ist, bin ich eine glückliche junge Dame.
Großartiges Preis-Alkohol-Verhältnis
Wo gab es denn einen „witzigen“ Aperol?
Böhm: Zum Beispiel in einem indischen Restaurant bei der Südkirche. Dazu muss man vorwegschicken: Wer sich zu einem sehr guten indischen Hauptgericht einen Aperol Spritz bestellt, ist sowieso ein totaler Vollidiot und daher absolut selbst schuld. Genau deshalb wurde an diesem Tag der höchstwahrscheinlich erste Aperol Spritz in der gesamten Firmengeschichte zubereitet. Mischverhältnis: ein Schluck Leitungswasser, Rest mit Aperol aufgießen. Das Preis-Alkohol-Verhältnis jedenfalls war großartig, entsprechend war ich glücklich (lacht).
Wo gab es den besten?
Böhm: Die Preis-Leistungs-Krone gehört derzeit dem „Laden“ in der Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz. Die haben ja den Prosecco vom Hahn und obwohl ich eigentlich nicht die Qualität der Getränke bewerten wollte, ging es hier nicht anders, da das ein herausragend feines Tröpfchen ist. Ich meine, der Preis liegt hier auch bei 6,9 Euro, was extrem fair ist.
Aperol ist nicht gerade das günstigste Getränk für eine Studentin wie Sie. Gibt es preislich eine Schmerzgrenze?
Böhm: Zweistellig finde ich höchst problematisch, wir sind ja nicht auf Sylt. Und alles über acht Euro, also da zuckt mir so ein bisschen das Augenlid, wird aber auf jeden Fall auch noch bezahlt, wenn Not am Mann ist. Alles unter sechs Euro ist ein echter Kampfpreis, alles unter sieben Euro ist total fair. Und alles zwischen 7 und 8 Euro ist leider normal.
Fast 2.500 Euro für Aperol Spritz
Wie viel Geld haben Sie seit 2021 für Aperol ausgegeben?
Böhm: Viel zu viel!
Wenn wir 40 Euro pro Woche ansetzen seit Juni 2021, kommen wir auf knapp 2.500 Euro.
Böhm: Scheiße. Und das sind ja noch nicht mal die mit eingerechnet, die ich kostenlos bekommen habe. Mutter, Vater, lest euch das nicht durch. Ich habe das Geld fürs Studium nicht nur für Alkohol ausgegeben! Immerhin habe ich ja auch noch Zigaretten dazu gebraucht.
Wo gibt es in Leipzig die billigsten Aperole?
Böhm: Lange Zeit war das Pfusch-Café im Zentrum-Ost mit sagenhaften 4,5 Euro pro Spritzer der place to be. Mittlerweile ist es dort etwas teurer, aber soweit ich weiß, immer noch sehr günstig. In der Neuen Minol in Volkmarsdorf verhält es sich ähnlich, im Vergleich zur Radtanke vorher wurden die Preise meines Wissens nach ein bisschen angehoben, aber billig ist es noch immer. Wer noch günstiger wegkommen will, muss natürlich in den Zeckenladen seines Vertrauens gehen wie B12 oder Reil78 oder mit der Bedienung schlafen. Beides geht bestimmt auch.
Was ist Ihr Aperol-Rekord?
Böhm: Ich glaube, der Trick ist, so viel zu trinken, dass man irgendwann vergessen hat, wie viel man getrunken hat. Deswegen habe ich wirklich gar keine Ahnung. Aber ich bin immer nach Hause gekommen – ob es meins war oder ein anderes.
Ihr schlimmster Aperol-Absturz?
Böhm: Keine Ahnung!
Aperol-Pitcher auf der Eisi
Trinken Ihre Freunde gern mit Ihnen?
Böhm: Auf keinen Fall. Weil ich nie Geld habe, aber dafür halt super trinkfreudig bin (lacht). In der Treuhand auf der Eisenbahnstraße werden zum Beispiel Aperol-Pitcher verkauft, und wenn man dann mal an so einem Fünfer-Tisch mit einem einzelnen Pitcher sitzt und die anderen im 25-prozentigen Tempo von einem selbst trinken, sinkt die Beliebtheit.
Haben Sie einen Spitznamen, dem Sie ihrem Lieblingsgetränk verdanken?
Böhm: Überraschenderweise nicht. Aber der Chef einer Kneipe im Leipziger Süden hatte mich mal eine Zeit lang Aperol-Hitler genannt.
Warum das denn?
Böhm: An einer zu strengen Bewertung seiner Kneipe kann es nicht gelegen haben; ich glaube, ich hatte ihm mit etwa vier Promille befohlen, mich einzustellen. Zur großen Überraschung von exakt niemandem hat das aber nicht funktioniert.
Wie haben Sie sich eigentlich in Aperol verliebt?
Böhm: Da muss ich so 18 gewesen sein. Ich habe angefangen, in der Kneipe zu arbeiten und zum ersten Mal in meinem Leben einen Aperol Spritz gemischt. Es war Liebe auf den ersten Schluck. Und es war Liebe auf den ersten Blick, weil das Getränk einfach nett aussieht – wie ein Sonnenuntergang. Da sinkt die Denkleistung gleich mit.
Tipps im Norden Leipzigs gesucht
Haben Sie etwas gelernt über sich oder die Menschen durch Ihren Kanal?
Böhm: Ich habe einfach nur gelernt, dass es wirklich superteuer ist, wenn man sehr gerne viel Aperol Spritz trinken geht. Also kein Wunder, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Aber irgendein Hobby braucht man ja. Andere Leute gehen Rennrad fahren und belästigen andere Leute auf der Straße damit, dass sie lustige Outfits anhaben, die keinen Raum zur Fantasie lassen.
Haben Sie noch Pläne mit dem Kanal?
Böhm: Nein, der war ja nur so zur Selbstbespaßung gedacht. Aber für Geldgeschenke bin ich immer offen!
Gibt es noch Lücken auf Ihrer Aperol-Karte in Leipzig?
Böhm: Auf jeden Fall! Der Norden Leipzigs! Das ist ja, wie wir alle wissen, einfach ein gottverlassener Ort. Also immer wieder, wenn ich mich versehentlich dorthin verirre, wundere ich mich, dass nicht irgendwelche Heuballen direkt vor mir über die Straße rollen. Ich freue mich über jeden Tipp, wo es besonders billigen Aperol gibt. Und den saufe ich mir dann literweise rein – am liebsten auf Einladung.
www.instagram.com/aperolscoutleipzig


