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Kunst in Leipzig

Jüdische Sammler und ihre Schicksale

Das MdbK stellt sich der eigenen Geschichte: In einer berührenden Ausstellung würdigt es elf jüdische Familien, die das Museum mit ihrem Engagement prägten – bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Toni Bentley ist Nachfahrin der von Max Liebermann porträtierten Toni Halberstam © Dimo Rieß

Als Sammler und Mäzene, als Kunstkenner und mitunter Freunde von Künstlern wie Max Klinger zählten viele jüdische Familien zum angesehenen Bürgertum Leipzigs, ehe sie binnen kurzer Zeit aus dem Gedächtnis der Stadt getilgt werden sollten. 1939 entfernte das Museum alle Namen jüdischer Stifter. Mit mehr als 120 Werken, darunter 41 Leihgaben, gibt die Ausstellung „Vier Wände voller Kunst“ Einblick in ihre Sammlungen, ihr gesellschaftliches Engagement und ihre Schicksale während der NS-Zeit.

Bewegende Begegnung

Die ausgestellten Werke stammen überwiegend aus der klassischen Moderne. Darunter Arbeiten von Max Liebermann, einem der bedeutendsten Porträtmaler der Weimarer Republik. Mehrere Bilder gab die Leipziger Familie Halberstam wohl bei ihm in Auftrag. Im Familienbesitz geblieben und jetzt Teil der Ausstellung ist das Porträt von Toni Halberstam. Ihren Vornamen trägt auch ihre Urenkelin Toni Bentley, eine amerikanische Schriftstellerin. Rund 90 Jahre nach der Flucht ihrer Vorfahren reist sie zum ersten Mal nach Leipzig. Für sie ist es eine bewegende und schmerzhafte Begegnung mit der eigenen Geschichte. „Als Kind hatte ich Liebermanns Porträt oft vor Augen. Es hing im Haus meiner Großmutter in London“, sagt Bentley. 

Die Schau versammelt Werke von Künstlern wie Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Max Klinger. Sie erinnert an Mäzene wie Moritz Kraemer, den Verleger Henri Hinrichsen und den Kunsthistoriker Karl Lilienfeld. 

Raub und Restitution

Zugleich beleuchtet sie die Rolle des Museums selbst. Ein Kapitel widmet sich dem Kunstraub und der Restitution, also der Rückgabe an die rechtmäßigen Eigentümer. Zu sehen sind Joseph Karl Stielers berühmtes Beethoven-Porträt aus der Sammlung Hinrichsen und Klingers Skulptur „Galathea“, die einst Gustav Kirstein gehörte. Beide Werke wurden restituiert und kehren nun als Leihgaben bis Ende Januar nach Leipzig zurück.

So macht die Ausstellung sichtbar, wie eng Leipzigs Kunstgeschichte mit jüdischem Leben verbunden war – und welche Lücken Verfolgung, Vertreibung und Mord hinterlassen haben.

 

 „Vier Wände voller Kunst“, bis 31. Januar 2027, Museum der bildenden Künste Leipzig, www.mdbk.de

 

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