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Neugegründeter Verein zur Förderung des Ostrock: Mitgründer Thorsten Weickert im Interview

Immaterielles Kulturgut Ostrock

Thorsten Weickert ist ein Mann für die hiesige Kultur © Radio Ostrock / OST.ROCK Kultur e.V.

Unterschiedliche politische Systeme stellen gerade Kulturschaffende vor unterschiedliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, sich auch mit untergegangener Geschichte, mit Lebensleistungen und Musik, Einstellungen und Erfahrungswelten auseinanderzusetzen und diese zu beachten im Diskurs. Vielleicht ist es auch hier ein Quentchen, welches Menschen in Wahlverhalten drängt, dass ihre musikalische Geschichte zumeist von jungen, anderswo geborenen, nie Mangel erleben müssenden, kultursatten Menschen abschätzig bewertet wird. Ein Freund Volly Tanners sprach vor einigen Wochen von „Diktaturerfahrungen“, die einige Menschen nicht hatten, andere Menschen einmal und einige sogar zweimal. Und, dass diese Erfahrungen eben auch im heutigen Leben zu unterschiedlichen Handlungen führen können.

Hier ist es Zeit, dem OSTROCK eine Bresche zu schlagen, was Thorsten Weickert enthusiastisch, gemeinsam mit Freundinnen und Freunden, auch macht. Der ebenfalls im Osten, in der kleinen Ziehschwester Leipzigs, geborene und ostdeutsch kultursozialisierte Ahoi-Redakteur Volly Tanner fragte natürlich nach:

Ahoi: Guten Tag, Thorsten Weickert. Schön, dass wir uns mal wieder unterhalten können. Grund diesmal ist der neugegründete OST.ROCK Kultur e.V., an dem Du, wie ich hörte, beteiligt bist. Was machst du dort denn genau?

Thorsten Weickert: Ja, lieber Volly, ich freue ich auch, dass wir uns mal wieder treffen! Ich bin einer von sieben Menschen und Kulturbegeisterten, die den Verein gegründet haben. Angie Pörsch, Dietmar Zander und ich werden den Verein gemeinsam führen.

Ahoi: Und wer ist noch mit im Boot?

Thorsten Weickert: Neben Angie und Dietmar und mir sind es noch weitere vier Menschen, die wir schon lange kennen und mit denen wir die Begeisterung für Kultur und insbesondere auch für die Ostrock-Musik teilen. Dabei geht es nicht nur um die bekannten und legendären Künstlerinnen, Künstler und Bands, es geht auch um diejenigen, die im hier und jetzt die kulturelle Szene in Mitteldeutschland bzw. Nordostdeutschland bereichern.

Ahoi: Und der Verein? Was habt Ihr Euch auf die Fahnen und ins Statut geschrieben?

Thorsten Weickert: Der Verein soll auf jeden Fall das immaterielle Kulturgut des OSTROCK hegen, pflegen und auch präsentieren. Es liegen zum Beispiel noch so viele Schätze in den Archiven von ehemaligen Künstlerinnen und Künstler, die wollen wir heben, aufbereiten und den Menschen in irgendeiner Art nahbar machen. Wir wollen auch die kulturellen Aktivitäten von Künstlerinnen und Künstlern aus unserer Region unterstützen. Weiterhin streben wir den Austausch mit anderen Kulturvereinen an. Es gibt so viele Vereine, die Gutes tun wollen, wir können uns auch vorstellen, Kräfte zu bündeln, für die den Erhalt und die Präsentation der Kultur. Für uns zählen aber auch andere Aspekte der Kultur im Sinne des Vereins. Vielleicht können wir ja auch künstlerische Projekte initiieren und unterstützen, die den Herzschlag unserer Region wiedergeben. Gerade die genreübergreifenden Projekte finden wir spannend.

Ahoi: Und wie wollt Ihr das umsetzen? Gibt es schon Projekte?

Thorsten Weickert: Es gibt Ideen, die wir mit Projekten umsetzen wollen. Das formt sich gerade. Wir sind dabei, uns der Öffentlichkeit zu präsentieren, das steht aktuell im Fokus.

Ahoi: OSTROCK ist ja ein dehnbarer Begriff. Manche denken, mit der letzten Zuckung der DDR war hier Ende Gelände, andere denken eher an den geografischen Raum Osten. Wie definierst Du Ostrock im Sinne des Vereins?

Thorsten Weickert: Es ist schon so, dass der OSTROCK der ehemaligen DDR aus unserer Sicht ein immaterielles Kulturgut ist. Die Musikanten waren top ausgebildete Menschen, die mit ihrer künstlerischen Kompetenzqualität aus wenig Mitteln kompositorische Meisterstücke hervorbrachten, mit komplexen Arrangements und gleichzeitig zu dieser Zeit tollen Produktionsergebnissen, wie es im sozialistischen Sprachgebrauch hieß. Das Produktionsergebnis war der Tonträger, also Vinyl oder Kassette, bzw. auch die Konzerte oder Muggen, wie der adressatengerechte Fachbegriff hieß. Und die Texte, zeitlos schön bis zeitlos aktuell. Damals gab es ja auch mehr oder minder staatlich orientierte Lektoren, die unangenehme bis rebellische Botschaften, Formulierungen und Phrasen verhindern sollten. Das hat auf der anderen Seite die Texterinnen und Texter zu prosaischen Höchstleistungen geführt, die Rebellion oder die andere Meinung in parteikompatiblen Texten zu verstecken. Wir finden, diese DNA ist auch jetzt noch bei vielen Künstlerinnen und Künstlern zu erkennen, die nach der Wiedervereinigung ihren musikalisch künstlerischen Weg eingeschlagen haben, Daher definieren wir OSTROCK im Sinne des Vereins als Musik aus den ostdeutschen Bundesländern.

Ahoi: Sucht Ihr noch nach Neumitgliedern? Braucht es Vorkenntnisse, um bei Euch mitzumachen? Beim Physikalischen Verein beispielsweise sind Institute wie das Institut für Kernphysik Mitglied. Beim OST.ROCK Kultur Verein muss ich doch jetzt nicht zwingend ein Instrument können, oder?

Thorsten Weickert: Physikalische Vorkenntnisse wären nicht schlecht. Die Vermehrung von Zeit und finanziellen Mitteln aus wenig Kraft, dieses physikalische Geheimnis zu lüften, da wäre ein Experte sicherlich hilfreich. Spaß beiseite. Wir sind offen für alle, die unsere Statuten anerkennen, die mehr über OSTROCK erfahren wollen oder auch viel darüber wissen bzw. auch etwas haben und es teilen wollen. Anpackende Leute, die mit uns auch Projekte umsetzen wollen und können finden bei uns auf jeden Fall ihren Platz. Aber auch Menschen mit Kontakten, die helfen den Verein zu unterstützen sind immer willkommen. Wir sprechen mit allen, die sich für uns interessieren.

Ahoi: Im Intro auf der FB-Seite des Vereins las ich „Ermöglichung interkultureller Kommunikation“. Was heißt das denn konkret?

Thorsten Weickert: Kultur verbindet, sie ist umfassend und vielfältig. Ob Autor, Komponist, Maler, Musikant oder Schauspieler, alle die Kunst kreieren und präsentieren, schenken uns Menschen eine gute Zeit. Daher ist es wichtig, allen Menschen einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen und auch den Austausch von Kunst und Publikum genreübergreifend zu initiieren. Das gibt neue Impulse, neue Kraft und vielleicht auch neue kreative, verbindende Ansätze. Das wollen wir auch unterstützen.

Ahoi: Und wann ist das erste Zusammentreffen Interessierter? Vereinsleben braucht doch dringend auch Gemeinsamkeit.

Thorsten Weickert: Auf jeden Fall. Das erste Treffen ist am 12. Oktober 2024, wahrscheinlich in einer bekannten Lokalität auf der Karli. Genaueres bald.

Ahoi: Danke sehr, lieber Thorsten. Dann wünsche ich Euch richtig viel Freude und auch Erfolge.

Kontakt zum Verein: thorsten.weickert@ostrockkultur.de
Der Verein (Seite entsteht gerade): www.ostrock-kultur.de
Der Verein auf Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?id=61560896729996

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