In Köln ist Mo-Torres ein lokaler Held. 2016 veröffentlichte er zusammen mit der Kölschrock-Band Cat Ballou („Et jitt kei Wood") und dem ehemaligen Nationalspieler Lukas Podolski die Single „Liebe deine Stadt", eine Hymne auf Köln. Seitdem ging es für Mo-Torres nur noch bergauf. Mit mehr als 32 Millionen Streams, 2,2 Millionen Hörern und rund 500.000 monatlichen Hörern auf Spotify in den vergangenen zwölf Monaten sowie Live-Auftritten, die in den letzten drei Jahren mehr als eine Million Menschen erreichten, beweist er seinen Stellenwert als Künstler. Am 2. Oktober startet Mo-Torres seine Deutschland-Tour in Leipzig. Unsere Redaktion hat mit dem 35-Jährigen gesprochen.
Mo-Torres, was macht Sie aus?
Mo-Torres: Grundsätzlich bin ich ein ganz normaler Typ, wenn man das so von sich behaupten kann. Ich liebe es, die Menschen von der Bühne aus mit meiner Musik mitzureißen. Es ist das beste Gefühl und bedeutet mir alles.
Haben Sie spanisches Blut in sich?
Mo-Torres: Blutmäßig nicht. Mein Stiefvater ist Spanier, aber ich bin, seit ich denken kann, mit ihm aufgewachsen. Da gibt es auf jeden Fall schöne Wurzeln.
Wie blicken Sie auf Ihre bisherige Karriere zurück?
Mo-Torres: Meine Karriere ist bis heute sehr stabil verlaufen, und ich bin zufrieden damit. 2008 habe ich angefangen. Die ersten acht Jahre lief ich unter dem Radar und konnte auf den Bühnen der Jugendzentren in Köln so manche Fehler machen. Dort habe ich gelernt, wie man überhaupt ein Mikrofon hält und wie ich meine textliche und melodische Arbeit verbessern kann.
Der Durchbruch kam für Sie mit der Hymne „Liebe deine Stadt".
Mo-Torres: Genau. Als dieser Song rauskam, hatte ich das Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Ich wurde nicht von heute auf morgen in irgendetwas hineingeschubst. Von da an ging es auch ganz entspannt weiter. Das merke ich besonders an der Entwicklung meiner Konzerte. Wir spielen heute nicht in einem kleinen Club in Köln und morgen in der großen LANXESS arena, sondern es geht Schritt für Schritt voran. Ich habe die Zeit, zu wachsen. So lässt sich meine bisherige Karriere gut auf einen Nenner bringen. In den vergangenen Jahren habe ich zwei Top-5-Alben veröffentlicht, was eine gewisse Stabilität in meiner Arbeit zeigt. Darauf kann ich zu Recht stolz sein.
Sie wollen etwas raus aus dem Kölschen Klüngel. Warum?
Mo-Torres: (lacht) Ich möchte nicht aus Köln weg, sondern hinaus in die Welt, um in anderen Großstädten noch bekannter zu werden. Es klingt vielleicht so, als würde ich Köln schlechtreden, aber das stimmt nicht. Das ist meine Heimat. Ich bin unglaublich dankbar für alles, was in Köln passiert ist und weiterhin passiert. Hier liegt der Ursprung all der wunderbaren Dinge in meiner Karriere. Klar, Deutschland ist groß, und ich möchte noch viele Ecken sehen. Ich freue mich auch total darauf, wieder in anderen Städten zu spielen und zu sehen, dass es auch dort wächst. Vielleicht sind in Koblenz 700 Leute oder in Leipzig ist es super voll, und ich denke dann: ‚Wow, so viele Leute wollen Mo-Torres sehen'. Das ist einfach der Hammer.
Sie haben den Song schon angesprochen. 2016 haben Sie zusammen mit Cat Ballou und Lukas Podolski die Single „Liebe deine Stadt", eine Hymne an Köln, veröffentlicht. Es gibt keine andere Stadt, über die es so viele Lieder gibt. Viele nervt das inzwischen. Wie denken Sie darüber?
Mo-Torres: Ich sehe das anders. Ich bin ja mittendrin und spüre diese Liebe an jeder Ecke, mit einem Augenzwinkern. Es ist ein absolut himmelhochjauchzendes Gefühl, aber eigentlich weiß jeder, dass es schönere Städte als Köln gibt. Doch diese Stadt lebt durch die Mentalität und die Menschen, die hier leben. Das zu besingen, finde ich sowohl schön als auch amüsant. Es zeigt ein starkes Gemeinschaftsgefühl. All die kölschen Lieder singen hunderte von Menschen Arm in Arm aus voller Kehle, obwohl sie sich vorher nie im Leben gesehen haben. Das ist immer wieder schön. Diese oft nicht ganz ernst gemeinte Mentalität müssen wir uns gerade in diesen Zeiten bewahren. Aber ich kann verstehen, dass das für Außenstehende etwas merkwürdig wirkt.
Sie haben mit Alben wie "Strahlemann" und "Heute war alles besser" beachtliche Erfolge erzielt, die in den Top 5 der Album-Charts landeten. Wenn man in die Welt hinausschaut, gibt es wenig Grund zum Strahlen, und nichts ist besser. Oder?
Mo-Torres: Das stimmt. ‚Heute war alles besser' markierte für mich die erste Post-Corona-Zeit. Das Album erschien im August 2023, und das dazugehörige Konzert in Köln mussten wir damals dreimal verschieben. Ursprünglich hätten wir 2020 dort spielen sollen. Deshalb der Titel ‚Heute war alles besser', weil ich heute sagen kann, dass ich immer noch Musik machen kann. Das ist doch toll. Mental war diese Zeit alles andere als einfach für mich, und die Platte war eine Art Selbsttherapie. Aktuell ist leider gar nichts besser.
Wo sehen Sie sich heute als Künstler?
Mo-Torres: Auf jeden Fall habe ich mir einen Platz in der breiten Deutschpop-Landschaft erspielt. Ich habe einfach Lust, Musik zu machen und möchte weiterhin meine eigenen Themen verarbeiten, vielleicht auch solche, die mir wehtun. Damit Menschen zu erreichen, ist für mich doppelt schön. Wenn sie meine Songs hören und damit ihre eigene Geschichte schreiben, ist das für mich das Größte. Deshalb mache ich Musik.
Lukas Podolski hat bei „Liebe deine Stadt" natürlich durch seinen Namen gutgetan, oder?
Mo-Torres: Ich würde sagen, dass der Song meiner Karriere einen Push gegeben hat, nicht der Name. Natürlich stand er dahinter, und auch die Story, die darum geschrieben wurde, hat der Nummer sicherlich nicht geschadet. Aber am Ende muss ich sagen: Wenn der Song nicht so gut gewesen wäre, hätte es niemandem etwas gebracht.
Ist der Song wie ein Klotz am Bein?
Mo-Torres: Nein. Auch wenn ich hier und da immer noch daran arbeiten muss, mich von dem Song zu ‚emanzipieren', war der Song doch ein Türöffner für vieles.
Sie haben einen musikalischen Hintergrund, der im Rap verwurzelt ist. Doch zunehmend haben Sie Ihre Heimat im Pop-Genre gefunden. Wo sehen Sie sich?
Mo-Torres: Ich bin kein Freund von Schubladendenken. Doch in Deutschland braucht es leider oft solche Kategorien. Für mich gibt es nur Musik, die mir gefällt, oder Musik, mit der ich nicht viel anfangen kann. Das ist vollkommen subjektiv. Ich versuche einfach, das zu machen, was mir Spaß macht. Am Anfang war es Rap, weil ich viel zu erzählen hatte. Dafür ist es das beste Genre überhaupt. Ich liebe Rap immer noch. Man kann mich nicht in eine Schublade stecken. Wichtig sind für mich vor allem schöne Melodien. Ich bin ein Urban-Popper. (lacht)
Immer mehr Bands sprießen in Köln aus dem Boden. Was sagen Sie dazu? Haben Sie mit Karneval etwas am Hut?
Mo-Torres: Das ist schwer zu beantworten. Ich bin selbst keine Karnevalsband. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Bands hinzugekommen, und es macht für sie auch Sinn, sich im Karneval auszutoben.
Gibt es eigentlich ein Vorbild für Sie?
Mo-Torres: Mich hat nie jemand als Vorbild beeinflusst. Ich habe immer mein eigenes Ding gemacht, was mir immer sehr wichtig war. Ich wollte bloß nicht wie der oder die klingen. Ich wollte meine eigene musikalische Identität finden. Natürlich habe ich früher Eminem, Kool Savas oder Bushido gehört, aber das Genre war mir relativ egal. Wenn bei mir irgendwelche Einflüsse zu hören sind, dann sind es die frühen Wise Guys (die Kölner Band, die von 1990 bis 2017 existierte, d. Red.), die in Köln eine Institution waren. Sie schafften es, seriöse Themen humorvoll zu verpacken und den Leuten dennoch eine Botschaft mitzugeben. Bei mir ist alles dabei. Das, was ich als gute Musik empfinde, habe ich gerne gehört. Da war auch mal spanische Musik dabei, Deutschrap, Popmusik oder Schlager.
In „Keine Garantie für Liebe" geht es natürlich um die Liebe. Zum Song gab es ein aufwändiges Video im Stil der Show „Herzblatt". Für was haben Sie sich entschieden?
Mo-Torres: Ich entscheide mich im Zweifel immer für die Liebe. Ich fand bei dem Song ‚Keine Garantie für Liebe' den Gedanken spannend, dass wir als erwachsene Menschen mit einer gewissen Naivität immer noch Beziehungen eingehen. Wir wissen nicht, was mit dieser Beziehung passieren wird. Manchmal geben wir für diese Person so viele Dinge auf, ohne dass uns jemand garantieren kann, dass diese Beziehung für immer hält.
Sind Sie ein romantischer Mensch?
Mo-Torres: Ein bisschen. Sechs von zehn. (lacht) Ich würde den Begriff Intimität verwenden, wenn es um mich geht. Auf der Bühne habe ich viele intime Momente. Bei ‚Pfeile im Kopf' geht es um meine mentalen Probleme, was ein sehr intimes Thema ist. Das mit dem Publikum zu teilen, den Leuten in die Augen zu schauen und zu merken, dass ein Song etwas mit ihnen bewirken kann – das ist super intim. Einmal hatte ich vor 4000 Leuten einen Moment, in dem ich geweint habe. Das fühlte sich wie Familie an. Es war unfassbar. Ich zweifle oft an dem, was ich tue. Ich bin nicht der stabilste Typ, deshalb sind das die Momente, in denen ich weiß, dass ich mich für das Richtige entschieden habe. Es ist vielleicht nicht meine Bestimmung, aber es gibt mir so viel.
Mehr als 32 Millionen Streams, 2,2 Millionen Hörer sowie rund 500.000 monatliche Hörer in den vergangenen zwölf Monaten auf Spotify, dazu Live-Auftritte, die in den zurückliegenden drei Jahren mehr als eine Million Menschen erreichten. Da müssen Sie doch nicht zweifeln...
Mo-Torres: Ich verspüre eine immense Dankbarkeit. Es ist einfach schön, dass so viele Menschen meine Musik mögen. 2,2 Millionen Hörer – wow! Das entspricht zweimal Köln. Mich kennt also jeder in Köln. Spaß beiseite, das ist schon echt verrückt. Zweifel kommen immer mal auf, besonders wenn ich versuche, einen neuen Song zu schreiben und merke: ‚Da geht nichts.' An einem schlechten Tag sind die Zweifel oft größer. Als Musiker zweifelt man schneller. Wenn es dann wieder mit einem neuen Song klappt, ist es umso schöner. Und wenn die Leute dann noch deinen Kram lieben, ist es einfach nur großartig. Dann ist es ein perfektes Match.
Was hilft Ihnen in Momenten, in denen Sie zweifeln?
Mo-Torres: Einen Umgang damit zu finden, ist eine Herausforderung. Ich muss damit leben, mit etwas zu arbeiten, das man nicht kontrollieren kann – die Kreativität. Ich sitze nicht im Büro oder auf der Baustelle; Kreativität kommt und geht. Damit umzugehen, ist eine Lebensaufgabe. Manchmal muss ich mich mit etwas ganz anderem beschäftigen. Dann gehe ich mit meinem Hund spazieren oder mache Büroarbeit.
Was wünschen Sie sich noch?
Mo-Torres: Ich wünsche mir Gesundheit. Ansonsten möchte ich weiterhin Musik machen und hoffe, dass es immer noch Menschen gibt, die Lust auf meine Musik haben. Wo ich irgendwann auftreten werde, weiß ich nicht. Ein Stadionkonzert wäre mein großer Traum, aber das scheint momentan völlig utopisch. Danach würde ich wahrscheinlich meine Karriere sofort beenden. (lacht)


