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  • Interviews
Gespräch mit der Kunsthandwerkerin Katja Köhler

Gute Infrastruktur, perfekte Größe und bezahlbare Mieten

Katja Köhler © Katja Köhler privat

Wenn die großen wirtschaftlichen Frachter aufgrund systembedingter Langsamkeit nur noch abwartend agieren können, ist es an den kleinen ökonomischen Schnellbooten, neue Kurse auszumachen. Schon bei den letzten Krisen zeigten gerade diese kleinen Unternehmerinnen und Unternehmer, dass Kreativität, gepaart mit Risikofreude und Durchhaltevermögen, Auswege aus Schrumpfungstendenzen eröffnen.

In der sympathischen 38.000-Menschen-Stadt Weißenfels, gleich neben Leipzig, agiert hier fleißig und ausdauernd Katja Köhler. Ahoi-Redakteur Volly Tanner besuchte sie: 

Ahoi: Guten Tag, Katja Köhler. Ich durfte sie ja vor einigen Tagen in Ihrem Lädchen am Rand der Weißenfelser Innenstadt besuchen. Ein schmuckes Kleinod der Kreativität haben Sie hier geschaffen. Seit wann gibt es Sie denn an diesem Standort und warum haben Sie gerade hier an der Ecke Neue Straße/Beuditzstraße eröffnet?

Katja Köhler: Diesen Laden habe ich im Juni 2021, nach Entkernung und liebevoller Renovierung, eröffnet. Die Wahl der Lokalität traf ich durch die gute Infrastruktur, der perfekten Größe und Raumaufteilung sowie der Miete. Da mir bei meiner Suche schnell auffiel, dass der Mietspiegel unserer Innenstadt zu hoch war, habe ich den direkten äußeren Rand der Innenstadt gewählt.

Ahoi: Ihr Angebot hier ist sehr vielfältig. Dabei können hier auch Workshops erlebt werden ... aber was für Workshops denn eigentlich?

Katja Köhler: Hier können in unterschiedlichen Techniken, mit verschiedensten Werkstoffen als auch im Handling tolle, eigene Einzelstücke gefertigt werden. Da ich mich auch auf Inklusion spezialisiert habe, versuche ich auch hier, vieles mit zu bedienen beim Malen, Arbeiten mit Leder, häkeln, schnitzen, sägen, schleifen, nähen, kleben, verzieren, hämmern, punzieren, falten, modellieren, flechten und und und …

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Fertigkeiten, die ich mir dann selbst beibringe und perfektionieren.

Ahoi: Aus Leipzig kennen wir diverse Mietfächer-Läden. Das bieten Sie auch an. Was sind das für Produkte?

Katja Köhler: In meinen derzeitigen Mietregalen habe ich Schmuck, Seife, Tee, genähte Kleidung für Babys und gehäkelte Kleidung für Erwachsene, Lampen, gewollte Kerzen, Lederjacken, Epoxidharzlampen, Holzprodukte (wie Teelichthalter, Schmuckschatullen, Snackschalen, Holzaxt, Holzmesser), Dekoartikel, Haarbänder, bedruckte Tassen, genähte, verschiedene Bilder und Lampen im Pouringstil sowie gehäkelte Plüschtiere im Angebot.

Ahoi: Sie selbst sind aber auch Handmacherin. Auf welchen Gebieten handmachen Sie denn und was für Produkte gehen durch Ihre Hände?

Katja Köhler: Ich erarbeite Dekoartikel aus Holz, erstelle Traumfänger, beleuchtete Blumenringe, Lampen aus verschiedenen Materialien, Schmuck wie Ohrringe, Ketten, Ringe, Armbänder aus verschiedenen Materialien, gehäkelte Plüschtiere, gehäkelte Tier-Zierkissen, gehäkelte Taschen, Ledertaschen und Armbänder, Kinderspielsachen und Accessoires.

Ahoi: Nur der Laden ist wahrscheinlich, gerade auch, weil Weißenfels nicht so viele Menschenmassen wie die Metropole Leipzig hat, zu wenig. Was machen Sie noch, um Ihre Kreativität umzumünzen?

Katja Köhler: Seit 2009 arbeite ich schon im Kunsthandwerksgewerbe. Damals habe ich meine Produkte nur auf Spezialmärkten in Weißenfels und Umgebung verkauft. Mittlerweile bin ich nicht nur auf verschiedenen Märkten in Weißenfels, sondern habe mich auch anderswo gut aufgestellt, teilweise bis zu anderthalb Stunden entfernt. Ich biete auch mobile kreative Workshops und professionelles Kinderschminken zu Familienfeiern, Geburtstagen, Einschulungen, Jugendweihen, Hochzeiten und städtischen Veranstaltungen oder in Kitas und Schulen an. Seit 2014 bin ich jährlich mit meinem wechselnden Angebot auf unserem städtischen Weihnachtsmarkt sowie seit 2016 einmal monatlich in unserer Stadtbibliothek und seit 2022 jeden Dienstag in unserem Neustadtbüro, im sozialen Brennpunkt unserer Stadt, aktiv.

Ahoi: Wenn Sie Gäste aus anderen Regionen oder anderen Städten in Ihrer Heimat begrüßen dürfen: Wo gehen Sie denn mit denen hin? Welche Tipps haben Sie für Interessierte an Weißenfels und dem Burgenlandkreis?

Katja Köhler: Wir haben wunderschöne Weinberge, tolle gastronomische Highlights sowie beeindruckende Ausflugsziele mit unseren städtischen Museen und Parks anzubieten. Einige tolle Orte sind auch auf der Homepage von Handgemacht Saale-Unstrut gelistet.

Ahoi: Unbestritten sind die Geldbörsen der Einheimischen in unserem Land derzeit am Durchlüften, sie werden immer leerer, die Stimmung der Käuferschichten immer abwartender. Was kann dagegen getan werden, Ihrer Meinung nach? Was würde helfen, die Phase der Schrumpfung zu überwinden?

Katja Köhler: Ich möchte ungern politische Umschreibungen zu diesem Thema nutzen. Bei uns in Weißenfels gibt es Stammtische und verschiedene Bürgersprechstunden, um genau solche Problematiken zu formulieren und dadurch zum Umdenken anzuregen. Weißenfels ist meiner Meinung nach da recht gut und umtriebig aufgestellt, um unsere Region attraktiver zu machen. Vieles wird gemeinsam angegangen. Auch an den Mietspiegeln der Innenstadt wird nach unten geschraubt, um Vermietungen leistbarer zu machen.

Dennoch sind auch wirtschaftliche, bürokratische Hürden allerorten spürbar, die „Neulingen“ oft Angst machen. Hier muss dringend nachgearbeitet werden. Für die Einheimischen, um das Angebot zu genießen, welches jede Stadt zu bieten hat, hoffe ich auf mehr Genuss und weniger Sorgen im Übermorgen.

Ahoi: Danke, liebe Katja Köhler, für Ihre Zeit und Ihre Kreativität.

Katja Köhler: Ich hoffe, ich konnte einige Leipzigerinnen und Leipziger mit Ideen versorgen, die ihnen Lust machen, auch mal in die Orte zu schauen, die neben der großen Stadt existieren.

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