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Gespräch mit Oberstabsfeldwebel Conrad, Leiter Familienbetreuungszentrum Leipzig

Grundsätzlich würden wir uns über mehr Akzeptanz freuen

Oberstabsfeldwebel Conrad inmitten der Stadt © BW / FBZ Leipzig

Wenn die Nachrichten über Auslandseinsätze von Bundeswehrangehörigen berichten, liegt der Fokus in den allerseltensten Fällen auch einmal auf deren Familien. Diese hier in Deutschland verbleibenden Menschen haben auch mit Ängsten zu kämpfen und ihnen sollte eben auch Aufmerksamkeit zukommen.

Hier greift das System der Familienbetreuungszentren der Bundeswehr und konkret in Leipzig das FBZ welches in der General Olbricht Kaserne seit 20 Jahren, hauptamtlich und ehrenamtlich unterstützt. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit dem Leiter des hiesigen Familienbetreuungszentrums:

Ahoi: Guten Tag Oberstabsfeldwebel Conrad. Sie sind der Leiter des Familienbetreuungszentrums (FBZ) in der General Olbricht Kaserne in Leipzig und unterstützen mit Ihrem Team und Ehrenamtlichen die Angehörigen von im Auslandseinsatz befindlichen Soldatinnen und Soldaten. Letztens kam es zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des FBZ. Grund genug, nachzufragen. Seit wann sind Sie denn der Leiter der Einrichtung und wie kam es dazu?

OStFw Conrad: Hallo und Guten Tag zurück. Ich bin seit sechs Jahren der Leiter des FBZ Leipzig. Im Zuge meines militärischen Lebens habe ich viele Verwendungen an unterschiedlichen Standorten in Deutschland absolviert. In meiner letzten Verwendung war ich Kompaniefeldwebel (Spieß oder die Mutter der Kompanie) in Delitzsch an der Unteroffizierschule des Heeres. Somit hatte ich alle Voraussetzungen für meinen Wunschdienstposten in der Spitzenverwendung eines Unteroffiziers bei der Bundeswehr erfüllt und mit ein bisschen Glück hat es dann auch geklappt.

Ahoi: Wie viele Familien wurden denn ungefähr in den 20 Jahren betreut?

OStFw Conrad: Das kann man gar nicht mehr so genau sagen. Es dürften aber weit mehr als 20 Tausend Familien aus Mitteldeutschland gewesen sein, deren Soldatinnen und Soldaten in allen Einsätzen auf der Welt ihren Dienst verrichtet haben.

Ahoi: Zu Beginn, vor 20 Jahren, war die Unterstützung durch die Politik eher so semi, wenn man das so sagen kann. Heute kommt es langsam zu einem Wandel. Der Politik und der Gesellschaft wird klarer, dass die „Bürger in Uniform", die sich im Auslandseinsatz befinden, dies nicht aus Jux und Dallerei tun. Beim Festakt wurde auch klar, dass sich die Einsätze verändert haben. Es gibt weniger klassische Einsätze, der Fokus liegt jetzt mehr auf Landes- und Bündnisverteidigung, was lange Abwesenheiten durch Übungen im In- und Ausland bedeutet. Wie können da Familien unterstützt werden? Wie helfen Sie und Ihr Team ganz konkret?

OStFw Conrad: Wir sind sieben Tage und hier auch 24 Stunden die Woche ansprechbar, um bei Sorgen, Nöten und Fragen beratend zur Seite zu stehen. Des Weiteren bieten wir mindestens einmal im Monat eine Informations- und Betreuungsveranstaltung an. Dort bekommen die Angehörigen Informationen über die Einsatzländer, können uns direkt ansprechen und wir bieten die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen.

Ahoi: Ich kann mir vorstellen, dass Familienangehörige Ängste haben, Ängste um ihre Kinder, Männer oder Frauen oder Väter und Mütter in Uniform. Hier braucht es ja bestimmte Skills, um ansetzen zu können. Was tun Sie, wenn Menschen mit ihren Ängsten zu Ihnen kommen?

OStFw Conrad: Jeder und jede meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist geschult und persönlich engagiert, um mit den verschiedensten Situationen umgehen zu können. Wenn wir persönlich nicht mehr weiterhelfen können, greifen wir auf unser psychosoziales Netzwerk zurück. Dies besteht aus Truppenpsychologie, Bundeswehr Sozialdienst, Militärgeistlichkeit und Sanitätsdienst.

Ahoi: Ich möchte gern mal auf Ihre Ehrenamtlichen zu sprechen kommen. Wer hilft Ihnen wie ehrenamtlich? Und warum?

OStFw Conrad: Wir haben verschiedene Helferinnen und Helfer, die aus ganz unterschiedlichen Gründen bei uns tätig sind. Angefangen von aktiven Soldatinnen, Soldaten und Ehemalige, aber auch Angehörige von Einsatzkräften, die wir einmal betreut haben. Sie übernehmen bei uns verschiedene Aufgaben wie beispielsweise die Telefonbetreuung oder unterstützen uns bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung unserer Veranstaltungen. Wir sind sehr froh, dass wir unsere Ehrenamtlichen haben. Denn mit einem Team von fünf hauptamtlichen Personen könnten wir unseren Auftrag nicht in diesem Umfang und der Qualität durchführen.

Ahoi: Und wie können die Leipzigerinnen und Leipziger helfen? Was können Hiesige für die Familien der Kameradinnen und Kameraden im Einsatz tun?

OStFw Conrad: Grundsätzlich würden wir uns über noch etwas mehr Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung freuen. Ich möchte aber hier ganz besonders auf eine Aktion hinweisen; und zwar auf die Weihnachtspaketaktion des Freundeskreises der Bundeswehr Leipzig e.V. (Kontakt am Ende des Beitrags) Hier können Leipziger Bürgerinnen und Bürger Paketpatinnen und -paten für ein Weihnachtspaket werden, welches dann an die Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz versandt wird.

Ahoi: Ein wichtiger Punkt für Engagement ist der Respekt gegenüber der geleisteten Arbeit. Nun ist Leipzig in vielen Momenten eher ein Schmelztiegel unreflektierter Dauerempörung, Menschen demonstrieren mit Begeisterung, um sich besser zu fühlen, besser zu dünken, als die jeweils Kritisierten. Dabei wird in der Regel gefordert und gefordert und gefordert, bis zum Erlahmen des Interesses. Und kurz darauf wird die nächste Kuh durchs Dorf getrieben. Fühlen Sie sich von der Stadtgesellschaft respektiert?

OStFw Conrad: Ja, insbesondere nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine hat sich die Wahrnehmung in der Stadtgesellschaft doch etwas gewandelt. Klar, gibt es noch Stadtteile, wo man in Uniform nicht unbedingt auftreten sollte. Aber für mein FBZ kann ich sagen, dass wir schon seit vielen Jahren sehr gut mit der Stadtverwaltung Leipzig zusammenarbeiten, hier erwähnt unsere alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungen im Rathaus mit Oberbürgermeister Jung. Partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen wir außerdem mit vielen Kultur-, Sport- und Freizeit-Einrichtungen von Leipzig und Umgebung.

Ahoi: Wie hat sich denn Ihre Arbeit als Leiter des FBZ in den letzten Jahren verändert und welche Aufgaben stehen für die nächsten Jahre an, welche Herausforderungen nehmen Sie in Angriff?

OStFw Conrad: Die Digitalisierung, das papierlose Büro hat auch bei uns Einzug gehalten, wenn wir einladen bekommen unsere Angehörigen aber immer noch ganz klassisch einen Brief. Hier können wir uns sicher sein, dass auch Oma und Opa die Informationen erhalten, sich darüber freuen und uns eine Rückmeldung geben. Aktuell ist es eine sehr schnelllebige Zeit, in der auch wir versuchen mitzuhalten. Sei es soziale Medien zu bedienen, aktuell zu bleiben und natürlich dem erweiterten Aufgabenspektrum der Bundeswehr gerecht zu werden.

Ahoi: Wenn man täglich mit Schicksalen von Familien konfrontiert wird, beispielsweise auch mit Todesfällen im Einsatz und den Reaktionen der Familien, wie schaffen Sie es, nach dem Dienst und dem Engagement Abstand zu gewinnen? Das stelle ich mir äußerst schwierig vor? Wer hilft Ihnen, wenn die eigene Situation aus dem Ruder läuft?

OStFw Conrad: Man darf die Herausforderungen unseres Auftrags nicht so sehr an sich herankommen lassen. Hier hilft natürlich die Familie, aber auch Ablenkung durch Sport und verschiedene Hobbys (beispielsweise Angeln) helfen mir hier. Sollte dennoch einmal etwas schiefgehen, stehen uns natürlich gute Vorgesetzte und das angesprochene psychosoziale Netzwerk genauso mit Rat und Tat zur Seite.

Ahoi: Danke Oberstabsfeldwebel Conrad, für Ihre Zeit, Ihr Engagement und Ihre Antworten.

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