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Zuhören und helfen

Gespräch mit der Ordnungsfreude-Fee Anja Kramarczyk

Oft betritt man Wohnungen und wird von Dingen erschlagen. Dinge, die sich angesammelt haben, weil Bewohner Angst haben, Erinnerungen zu verlieren und diese an Dingen festmachen und halten wollen. Hier kommt Anja Kramarczyk ins Spiel. Sie hilft dabei, loszulassen. Ahoi-Redakteur Volly Tanner folgte ihrer Spur.

Anja hat ihr Hilfsangebot zur Firma gemacht © Anja Kramarczyk

Ahoi: Guten Tag, liebe Anja Kramarczyk. Du bist die Fee hinter der Firma Ordnungsfreude. Heißt das eigentlich, dass Du aufräumst oder heißt das, dass Du hilfst, mit all den Dingen wieder klarzukommen?

Kramarczyk: NEIN, ich räume nicht auf. Ich helfe den Menschen, Struktur und Ordnung in ihren Alltag zu bringen! Sprich: Zeiteinteilung managen und zeigen wie man trotz Arbeit, Familie und Haushalt auch genug Freizeit haben kann.

 

Ahoi: Kannst Du uns dies bitte etwas Genauer ausführen? Was machst Du ganz konkret bei Ordnungsfreude?

Kramarczyk: Ich gehe je nach Kunden anders vor, denn nicht jeder ist gleich. Ich schaue, was der Wunsch des Kunden ist darauf baue ich auf. Aber von Grund her habe ich gleiche Abläufe, sprich Erstgespräch-Angebote-Ablauf-Zusammenarbeit-Nachgespräch. Wenn es nach dem Erstgespräch zu einer Zusammenarbeit kommt, bespreche ich mit dem Kunden wie er vorgehen möchte und was seine Vorstellungen sind. So arbeiten wir unsere Vorgehensweise gemeinsam aus. Denn jeder Kunde möchte es anders machen und so kann ich den Auftrag angehen.

Ich habe mich auf private Haushalte spezialisiert. Außerdem hat die Ordnungsfreude ein handwerkliches I-Tüpfelchen, denn ich tapeziere auch auf Wunsch. Wenn man zum Beispiel ein Projekt abgeschlossen hat und merkt, dass man ein Regal dadurch nicht mehr braucht, es wegnimmt und sieht, dass die dahinterliegende Wand in die Jahre gekommen ist, kann ich diese wieder „schön machen“!
Ein wichtiger, weiterer Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit. Ich bin gerade in diesem Punkt noch sehr beschäftigt, denn die Kunden, die sich keine neuen Ordnungshelfer leisten können oder die bestehenden nicht gefallen; kann man ganz tolle Systeme aus alten Dingen schaffen. Wenn man zum Beispiel eine Hose hat, die man wirklich liebt aber die leider nicht mehr tragbar ist, fertige ich etwas Neues daraus. Diesen Punkt werde ich noch ausbauen, meine Kunden können gespannt sein.

 

Ahoi: Wer ist Dein Kundenstamm? Was sind das für Menschen?

Kramarczyk: Ich arbeite mit den Menschen zusammen, die viel um die Ohren haben, Familien mit Kindern oder auch mit Alleinerziehenden, die einfach nicht weiterwissen oder keine Idee haben wie es „besser“ gehen kann. Ich selber bin ja Mama mit Arbeit, Familienleben und Haushalt und weiß, wie schnell man da an seine Grenzen kommt. Deswegen will ich diesen Menschen helfen, damit diese Zeit haben für die wichtigen Dinge im Leben!

 

Ahoi: Beim Thema Ordnung wird es ja auch meist sehr persönlich. Zusammenbrüche inklusive. Wie gehst Du mit Menschen um, die sich in Krisen befinden, die zum Beispiel nicht loslassen können?

Kramarczyk: Ich versuche ihnen zuzuhören, für sie da zu sein, einfach nur, zu helfen. Und das zeige ich ihnen, indem ich mit anpacke und nicht nur sage, wie es gehen soll. Ihnen begreiflich machen, dass bestimmte Sachen nichts mit Erinnerungen zu den jeweiligen Situationen zu tun haben. Sich einfach gemeinsam einen Plan machen, wie der Prozess vor sich gehen soll. Ich geh auf den Menschen ein, denn ich bin nicht der Feind, sondern ich will nur helfen!

 

Ahoi: Was kann ein jeder Mensch von uns tun, um wieder mehr Ordnung in seine Unordnung zu bringen? Wie beginne ich?

Kramarczyk: Am besten nimmt man sich ein Bereich vor, der einen am meisten stört. Beispiel Kleiderschrank. Man sollte sich einen Zeitplan erstellen, bis wann man diesen ordnen will und was für Schritte dazwischen gemacht werden müssen. Also, in vier Wochen schaue ich, was ich überhaupt anziehe und was nicht. Das kann man gut herausfiltern in dem man zum Beispiel die Sachen auf den Kleiderbügeln; die man anzieht, anders herum aufhängt. Oder Shirts anders faltet, die man regelmäßig anzieht und ähnliches. So kann man dann leichter die Sachen herausfiltern, die aussortiert werden können. Wenn man das hat, kann dann entschieden werden, was mit den aussortierten Sachen geschieht, ob Kleiderspende etc. Das funktioniert eigentlich in allen Bereichen im Haushalt, nur mit verschiedenen Varianten.

 

Ahoi: Ich sammle Bücher, manchmal erschlägt mich aber die Fülle. Als Kind waren es Bücher-Serien wie die Wilhelmine-Bücher oder die Wolkow-Bücher. Da war der Bezug ja endlich. Auch von den Nimmerklug-Büchern gab es nicht unendlich. Heutzutage gibt es Serien mit hunderten Folgen. Hilf mir, Anja.

Kramarczyk: Das geht genauso gut wie mit der Variante Kleiderschrank in Frage zuvor.
Die Bücher, die man hat, sollte man sortieren und kategorisieren. Nach einem geplanten Zeitraum angehen und dort schauen, was man vielleicht nochmal liest oder sich sehr gern anschaut. Dadurch merkt man ja, was in der Zeit nicht so wichtig war und kann diese Bücher aussortieren.
Was man auch machen kann, wenn man die ganzen Bücher nicht einlagern will, sich auf elektronische Weise Bücher kaufen und in einem Gerät „sammeln“, so wird der Schrank nicht voller aber man besitzt trotzdem Lesestoff.
Doch wenn es der Spaß am Sammeln ist, sollte man sich auf einen Schrank reduzieren und nur dort Bücher aufbewahren und nirgendwo anders. Denn ein geordneter Schrank kann auch sehr harmonisch sein und für innere Ruhe sorgen.

 

Ahoi: Hast Du Deine Skills irgendwo erlernt? Gibt es da eine Ausbildung?

Kramarczyk: Ich persönlich habe ein Seminar gemacht, weil ich wissen wollte, was hinter dem Ordnungscoaching noch so steckt. Aber eine richtige Ausbildung gibt es nicht.

 

Ahoi: Ich las, dass Du Videochats plus Beratung anbietest. Auf Deiner FB-Seite gibt es einen Film, in dem Du erklärst, dass Du wirklich nur als Ordnungsfreundin da bist, nicht als „Freundin plus“. Gab es da etwa eigenartige Anschreibungen?

Kramarczyk: Da ich ja weiß, dass Facebook gern als Kontaktportal verwendet wird, auch speziell, um evtl. eine Beziehung zu finden, so habe ich dies gesagt. Und so weiß ich auch, was mich erwartet und muss nicht mehr ausfiltern. Wie gesagt, dadurch, dass ich auch ein Privatleben habe, muss ich so meine Zeit gut einteilen.
Aber eigenartige Anschreibungen gab es bisher nicht, es waren nur nette Menschen auf meinem Account.

 

Ahoi: Du machst das alles alleine. Dazu bist Du auch Mutter einer kleinen Tochter. Da gehört natürlich Zeitmanagement als Thema hinein. Wie gut bist Du mit Deiner Kraft und Deiner Zeit?

Kramarczyk: Ich konnte mich schon immer gut organisieren. Nicht immer funktioniert alles perfekt, aber ich habe immer ein Plan B und außerdem einen Ehemann, der mir zur Seite steht.
Haushaltspläne, Kalender und Erinnerungsshelfer sind ebenfalls sehr nützlich. So habe ich bisher immer gut gelebt.

 

Ahoi: Danke, liebe Anja. Ich wünsche Dir alles was Du Dir selber wünschst und davon ganz viel.

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