Manchmal sind es Gesichter und Menschen, die sich einprägen. Mit „Fred Stein. Der Mensch im Fokus“ zeigt das Capa-Haus eine Ausstellung, die das Werk des Exilfotografen neu zusammenführt. Im Mittelpunkt stehen 30 Kinderporträts, die erstmals in dieser Form gemeinsam präsentiert werden. Eine Ausstellung, die berührt und lange nachwirkt.
Ein Leben in Bewegung
Fred Stein (1909–1967) wird in Dresden geboren, studiert Jura in Leipzig. Als jüdischer Antifaschist verlässt er Deutschland und flieht nach Paris. Dort findet er zur Fotografie und bewegt sich in einem Umfeld, zu dem auch Robert Capa und Gerda Taro gehören.
1941 geht die Flucht weiter. Stein erreicht die USA, lässt sich in New York City nieder. Hier entsteht ein Großteil seines Werks: Straßenszenen, Porträts, festgehalten mit einer Kleinbildkamera der Marke Leica. Prominente Emigranten wie Hannah Arendt und Albert Einstein zählen zu seinen Portraits. Seine Bilder bleiben nah an den Menschen, die sie zeigen. So entstehen leise, eindringliche Zeugnisse von Exil und Alltag in der Fremde.
Kindheit im Exil
Im Rahmen des Kulturjahres „TACHELES. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ versammelt die aktuelle Ausstellung 30 Fotografien von Kindern, die während des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1936 und 1939 nach Frankreich evakuiert wurden. Die Porträts nehmen eine besondere Stellung ein: Sie zeigen Momente zwischen Verunsicherung und Anpassung und zugleich Augenblicke von Normalität im Exil. Es geht nicht um Mitleid. Es geht um Nähe. Um einen Blick auf Augenhöhe, der die Distanz überwindet und Themen wie Flucht und Erinnerung greifbar macht.
Ein Teil des Projekts ist auch in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zu sehen. Dort läuft parallel „Out of Exile. The Photography of Fred Stein“, entwickelt mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945.


