Eine Kamera im Knopfloch. Ermittler, die sich als Sportreporter tarnten. Fußballfans, die auf Fotos der Sicherheitskräfte landeten. In den Stadien der DDR ging es nicht immer nur um das Spiel. Wie intensiv Staatssicherheit und Volkspolizei Fußballanhänger beobachteten, zeigt jetzt eine Ausstellung in Halle. „Im Objektiv der Staatsmacht. Fußballfans im Blick von Stasi und Volkspolizei“ steht vom 15. September bis 30. Oktober vor der Konzerthalle Ulrichskirche. Die Ausstellung ist rund um die Uhr zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Wenn Fußball politisch wurde
Fußballstadien boten in der DDR auch Raum für Protest gegen die SED-Diktatur. Regimekritische Parolen konnten bereits ausreichen, um die Sicherheitskräfte auf den Plan zu rufen. Doch auch die Orientierung an westlicher Fankultur erregte Aufmerksamkeit. Kutten und Sprechgesänge konnten Anlass für Beobachtungen sein. Gleiches galt für Sympathiebekundungen für westdeutsche Vereine und Spieler. Ein Ruf wie „Hertha und Union – eine Nation“ wurde laut Ausstellung als Provokation verstanden. Auch Grüße an den FC Bayern oder die bundesdeutsche Nationalmannschaft wurden erfasst.
Kameras als Mittel der Überwachung
Die Sicherheitskräfte fotografierten vermeintlich verdächtige Fans innerhalb und außerhalb der Stadien. Dabei arbeiteten die Ermittler teilweise verdeckt. Sie tarnten sich etwa als Sportreporter oder nutzten Kameras im Knopfloch. Die Fotos konnten der Beginn weiterer staatlicher Maßnahmen sein. Laut Ausstellung folgten darauf unter anderem erkennungsdienstliche Erfassungen, politische Repression oder Strafverfolgung. Manche Aufnahmen zeigen Fans, die ihre Gesichter verdecken. Sie wussten demnach um die staatliche Beobachtung und versuchten, sich den Kameras zu entziehen. Die Überwachung endete nicht an der innerdeutschen Grenze. Spitzel fotografierten auch geflüchtete DDR-Fußballer im Westen. Die Ausstellung nennt Lutz Eigendorf und Falko Götz als Beispiele. Wohnorte sowie private und berufliche Lebensumstände wurden dokumentiert.
18 Tafeln unter freiem Himmel
Die Wanderausstellung besteht aus 18 Tafeln. Zu sehen sind zahlreiche Aufnahmen der damaligen DDR-Sicherheitsorgane. Sie dokumentieren sowohl den Alltag der Fans als auch staatliche Überwachung. Die Texte sind auf Deutsch, Englisch und Polnisch verfügbar. Über QR-Codes gibt es weitere Fotos, Audiokommentare und kurze Filme.
Halle ist der neunte Standort der Wanderausstellung. Zuvor war sie unter anderem in Potsdam, Cottbus, Köln, Magdeburg und Neubrandenburg zu sehen. Auch in Leipzig machte sie bereits Station: 2024 war sie im Zoo Leipzig Teil des städtischen Kulturprogramms zur Fußball-Europameisterschaft.


