Zwischen all dem Werbegeflatter und dem „Du sollst unbedingt Neues haben“-Gequetsche pumpt so manches Herz einen anderen Takt. Und jeder Journalist, der etwas auf sich hält, sollte genau nach diesen anderen Herzen fahnden. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit Michelle Ziegelmann, die Antworten hat auf Fragen, die ganz vielen Menschen sanfte Heilung bringen können.
Ahoi: Guten Tag, Michelle Ziegelmann. Ich folge Dir, weil ich neugierig bin und noch ein bisschen leben möchte, auf Instagram. Dort bist Du meine ganz persönliche Kräuter(h)expertin. Du bist aber auch Autorin und – Achtung: Longevityfan. Was ist das denn, dieses ominöse Longevityfan sein?
Michelle Ziegelmann: Longevity bedeutet so viel wie Langlebigkeit. Alles dreht sich darum, wie wir möglichst lange gesund bleiben können. Im Internet ist das ein großer Trend. Bei mir ist es das schon lange, nur habe ich es nie so genannt. Viele Menschen treibt der Wunsch nach einem langen Leben um. Mit meiner Beschäftigung mit Pflanzen und deren Heilwirkung habe ich ein weiteres Puzzleteil auf dieser Suche gefunden. Denn es passt so herrlich in das Thema. Pflanzen sind die Basis für so Vieles – auch Langlebigkeit. Stoffe, die uns heute in Pillen, Pulver und Shots für unsere Gesundheit verkauft werden haben sehr häufig eine pflanzliche Basis. Wenn wir das lernen und erkennen, müssen wir vielleicht gar nicht auf diese Pillen zurückgreifen. Es gibt viele tolle Pflanzen, die auf unser Langlebigkeitskonto einzahlen können.
Ahoi: Auf Deiner Instagramseite kann man wirklich feine Informationen bekommen. Wie hat das aber begonnen? Wie wurdest Du zur Kräuterexpertin?
Michelle Ziegelmann: Das Thema Heilkräuter fand ich schon immer spannend, habe mich aber früher nie genauer damit auseinandergesetzt. Irgendwann kam aber auch bei mir die klassische Sinnkrise. Die Geburt meiner Tochter, der Umzug aufs Land, Corona, Midlifecrisis – nenn es wie du willst. Viele Faktoren haben dazu geführt, dass ich mein Leben und vorallem meinen Job hinterfragte. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war tatsächlich eine Reportage im Fernsehen. Diese dreht sich um eine Kräuterfrau und ihr Leben. Aus völlig anderen Gründen hatte sie diesen Weg eingeschlagen und lebte das nun in Workshops auf dem Land, stellte sich eigene Medizin her und hatte darin einen richtigen Lebenssinn gefunden. Die Stille, die Natur und das Wissen: Das hat mich alles begeistert. „Ich bin diese Frau!“, sagte ich damals zu meinem Mann. Und dann habe ich mich am selben Tag für ein Fernstudium eingeschrieben und mich nur noch mit diesem Thema beschäftigt. Ein Thema, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es mich jemals langweilt.
Ahoi: Für das Layers-Mag wurdest Du interviewt, Anne Schwerin hat Dich auch für die derzeit in der IHK zu Leipzig im Foyer hängende Ausstellung MAMA MAGMA fotografiert. Heißt ja auch, dass Du Mama bist, das ist ja Thema der Ausstellung. Wie hat Deine Mutterschaft Deine ganz persönliche Einstellung zum Arbeiten verändert? Du warst ja schon vorher selbstständig …
Michelle Ziegelmann: Meine Arbeitseinstellung hat die Mutterschaft nicht wirklich verändert. Aber ich bin jetzt gelassener in Stresssituationen, weil die Dinge für mich eine andere Gewichtung bekommen haben. Es hat einfach einen anderen Menschen aus mir gemacht. Das macht es wohl mit jeder Frau. Und es ist für mich inzwischen deutlich erstrebenswerter eine gute Mutter zu sein als eine Karrierefrau. Vereinbarkeit halte ich für Unsinn. Es ist nicht gut, dass Frauen suggeriert wird, dass sie alles gleichzeitig schaffen können oder müssen. Denn irgendwann merken alle, dass das nicht stimmt. Dann fühlen sie sich völlig zu Unrecht, als wäre sie gescheitert. Ich könnte stundenlang dazu reden, aber schau doch einfach mal in meinen Artikel rein. Auf dem LayersMag erzähle ich alles dazu.
Ahoi: Du gibt’s auch Kräuterworkshops. Wo denn, wann denn und wie denn?
Michelle Ziegelmann: Ich gebe auch Workshops, allerdings nicht so oft. Am liebsten mache ich das mit homogenen Gruppen. Also: Geburtstagsrunden, Freundinnen, Mutter-Tochter-Duos, Kollegen etc. Man kann sich bei mir melden und ich plane dann den Tag nach den Wünschen und dem Wissensstand der Gruppe. In Gruppen mit Teilnehmern, die sich nicht untereinander kennen, ist es oft schwer, alle wirklich abzuholen. Mir ist es wichtig, dass sich der Tag bei mir wirklich für jeden lohnt. Außerdem spreche ich auf Events und mache Wanderungen durch die Natur. Wer sich dafür interessiert, kann mich jederzeit anschreiben.
Ahoi: Die ganzen Informationen über hier wachsende Kräuter, die uns helfen können, ein gutes Leben zu führen, müssen ja irgendwo herkommen. Wo bekommst Du die her? Ist da noch eine Oma als Nachbarin, die ihr Wissen weitergibt? Wo und wie recherchierst Du?
Michelle Ziegelmann: Ich habe im Fernstudium Phytotherapie studiert, also Pflanzenheilkunde. Dazu habe ich sehr viele Kurse und Workshops bei anderen Kräuterfrauen besucht, online absolviert und Bücher studiert. Man rutscht dann irgendwann online auch in eine „Kräuter-Bubble“ und wird immer mit spannenden Infos versorgt. Mit Eigeninitiative und großem Interesse kann man eine Menge schaffen. Eine Kräuter-Oma oder ähnliche romantische Überlieferungen gibt es bei mir nicht. Das übernehme ich dann mal bei meiner Tochter.
Ahoi: Und was sollten wir auf gar keinen Fall tun? Unsere scheiternde Zivilisation ist ja voller fremdbestimmter Einflüsse, die schädigen. Wo hältst Du ganz konsequent das Stop-Schild hoch?
Michelle Ziegelmann: Stop-Schild Nummer 1 hebe ich beim Thema Zucker: Den konsumiere ich gar nicht bis kaum und achte auch bei meiner Familie darauf. Versteht mich nicht falsch: Verbote bringen uns nicht weiter. Aber es ist wichtig zu wissen, was man so in sich hineinstopft. Zucker vergiftet unseren Körper in so vielerlei Hinsicht. Er macht uns langsam und träge, körperlich und mental.
Stop-Schild Nummer 2: Wenn du nicht sicher bist, ob du etwas essen sollst, dann stell dir eine einfache Frage: Konnte meine Uroma das vor 100 Jahren auch schon so essen? Je ursprünglicher Lebensmittel sind, desto besser. Kartoffeln, Rüben, Kräuter, Gemüse, Obst – alles, was es schon immer gab, funktioniert. Klar, vieles davon ist heute auch behandelt und in Massen hergestellt, aber Convenience ist 1000mal schlimmer. Die Antwort liegt im Verzicht.
Ahoi: Du hast recht viele Verfolgermenschen auf Deinem Instagram-Profil. Ich habe persönlich ja immer etwas Bammel, ab einer bestimmten Größe nur noch von KI-Bots und nackigen Amerikanerinnen geflutet zu werden. Wie ist denn Deine Erfahrung in dieser Hinsicht? Ich muss täglich so bis zu zehn Profile blockieren, die versuchen, anzudocken. Das müsste ja bei Dir proportional viel höher sein – ich bin ja, nebenbei gesagt, auch noch ein alter, unsympathischer Knatz …
Michelle Ziegelmann: Ehrlich gesagt kann ich mich nicht beschweren. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Menschen ich je blocken musste. Die Zahl meiner Follower ist auf Grund meiner Inhalte gewachsen und es sind zu 85 Prozent Frauen. Uns eint das Thema Heilpflanzen und Gesundheit. Ich erhalte auch unter meinen Videos zu 99 Prozent positives Feedback. Meine Community ist wirklich toll, nett und absolut respektvoll. Ich hatte auch vor diesen Bots und Trolls Angst, als ich begann, aber nichts davon ist eingetreten.
Ahoi: Wenn Du all Deine Erfahrungen in eine Quintessenz gießen würdest – wie wäre diese formuliert?
Michelle Ziegelmann: Oh, eine große Frage. In Bezug auf mein Heilpflanzenthema: Die Natur macht nichts zufällig. Die Antwort auf sehr viele gesundheitliche Fragen ist/wächst oft direkt vor unserer Nase. Wir müssen nur lernen, sie wieder zu sehen. Wer dabei ein bisschen Hilfe braucht, der folgt mir gern auf Instagram.
Ahoi: Danke, liebe Michelle, für Deine Zeit und dass Du Dein Wissen mit uns teilst.
Michelle Ziegelmann: Gern!


