Kunst und Kultur schaffen bringt Menschen nicht nur zusammen, sondern auch näher zu sich selbst. Ines Wolle, Unternehmerin in der Baustofflogistik-Branche, lebt Kultur schon seit Jahrzehnten. Und sie erfährt dadurch auch mehr über sich. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr.
Ahoi: Guten Tag, liebe Ines Wolle. Gerade halte ich ein kleines Gedicht- und Fotobuch mit dem Titel „Der Seerosenteich. Kraftquellen für das Leben“ in der Hand – und bin wirklich begeistert. Sie sind die Autorin. Was war Ihre Motivation, dieses Büchlein genau in dieser Form zu veröffentlichen? Es ist nicht in einem großen Verlag erschienen, die Fotografien wirken sehr persönlich, ebenso wie die Texte. Was steckt hinter diesem besonderen Projekt?
Ines Wolle: Vielen Dank, lieber Herr Volly Tanner, und auch von meiner Seite einen herzlichen Gruß! Es freut mich sehr, dass Ihnen das Büchlein gefällt. Der Seerosenteich ist mir besonders ans Herz gewachsen. Ich war – und bin bis heute – so oft es geht an diesem Ort im Dölitzer Holz, um neue Kraft zu schöpfen. Gerade in der Anfangszeit meiner Selbstständigkeit ab 2001 war dieser Ort für mich eine wichtige Energiequelle. Dort kamen viele Erinnerungen an frühere Erfahrungen in mir hoch, aus denen dann ganz organisch Gedichte entstanden. Zu jedem dieser Texte habe ich ein privates Foto beigefügt. Die Idee war, mich als Mensch und Persönlichkeit ganz bewusst zu zeigen – mit dem Wunsch, mein direktes Umfeld zu stärken und auch neue Verbindungen zu knüpfen. Damals gab es ja noch kein Facebook.
Ahoi: Und für wen haben Sie geschrieben?
Ines Wolle: Die erste Auflage des Büchleins erschien im November 2004 – ausschließlich für Kunden und Freunde. Ich habe es in der Vorweihnachtszeit verschenkt, als kleines Zeichen der Wertschätzung.
Ahoi: Im Buch feiern Sie das Wechselspiel der Gegensätze – Sie beschwören die Kraft der Stille, aber auch die Energie des Handelns. Faszinierend, wie Sie auf wenigen Seiten die Vielschichtigkeit Ihrer Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Wie wurde das Buch aufgenommen?
Ines Wolle: Es war ein großer Erfolg, das Büchlein in genau dieser Form zu veröffentlichen. Mein Umfeld konnte mich dadurch besser kennenlernen – und viele fühlten sich inspiriert, mit mir gemeinsam neue Wege zu gehen. Besonders schön war für mich zu erleben, dass meine Gedanken – Zeit, Ruhe und Geduld – bei den Lesern Anklang fanden. Das sind für mich zentrale Begriffe für ein gesundes, friedliches, zufriedenes und erfülltes Leben. 2009 gab es dann auch eine zweite Auflage.
Ahoi: Der Seerosenteich wurde auch vertont – von Alexandra Röseler. Wie kam es zu diesem Kontakt? Gibt es weitere gemeinsame Pläne?
Ines Wolle: Mit Prof. Alexandra Röseler verbindet mich eine langjährige Freundschaft. Wir haben uns tatsächlich am Seerosenteich kennengelernt – noch vor der Veröffentlichung des Buches. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie das Gedicht vertont und zur Eröffnung ihrer Galerie – vor Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft – vorgetragen hat. Für die Zukunft haben wir fest vor, das Projekt Seerosenteich in neuer Form gemeinsam weiterzuentwickeln, um Menschen damit Freude zu schenken.
Ahoi: Sie könnten das Lied doch auch selbst singen! Schließlich waren Sie einst Mitglied im Studentenchor Vivat academia, der damals noch den Namen Pawel Kortschagin trug. Können Sie uns etwas über Ihre gesangliche Laufbahn erzählen? Was wurde denn gesungen, wenn gerade nicht der Stahl gehärtet wurde?
Ines Wolle: (lacht) Das Singen hat mich von klein auf begleitet. Schon im Kindergarten habe ich bei einer Weihnachtsfeier vor großem Publikum „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ gesungen und großen Zuspruch erfahren. In der Schulzeit vermittelte mich meine Musiklehrerin an den Rundfunkkinderchor Leipzig. Parallel war ich im Jugendtheaterklub des Kulturhauses der Eisenbahner aktiv. Auch während meiner Ausbildung hatte ich einige Auftritte als Sängerin. Besonders prägend war meine Zeit im Studentenchor – das waren wirklich unvergessliche Jahre: Chorlager in Windischleuba, Aufzeichnungen für einen Dokumentarfilm der DDR, und natürlich ganz viel Musik – unter anderem aus Zar und Zimmermann, aus der Verkauften Braut, deutsche Volkslieder und Melodien aus unseren Nachbarländern.
Ahoi: Auf Ihrer Facebook-Seite habe ich gelesen, dass der Tänzer Rainer Genss – bekannt aus dem Friedrichstadt-Palast – Sie wieder zum Tanzen gebracht hat. Können Sie uns mehr darüber erzählen? Ines Wolle und der Tanz – was steckt dahinter?
Ines Wolle: Eine wunderbare Frage! Das Tanzen war schon immer meine große Leidenschaft. Bereits als Schülerin habe ich nachmittags die Lieblingsplatten aufgelegt und vor dem Spiegel getanzt. Inspiration holte ich mir aus den Samstagabendshows im Fernsehen – dort fiel mir besonders Rainer Genss auf, mit seiner unglaublichen Präsenz und Ausdruckskraft. Ich war fasziniert davon, wie man Tanz und Persönlichkeit so eindrucksvoll verbinden kann. Vor einiger Zeit entdeckte ich seine Facebook-Seite – und all die schönen Erinnerungen waren plötzlich wieder da. Seitdem tanze ich wieder, auch gerne öffentlich. Es fühlt sich an wie eine Rückkehr zu mir selbst.
Ahoi: Und heute? In welchen künstlerischen Formen sind Sie aktuell aktiv?
Ines Wolle: Der Tanz ist für mich eine Ausdrucksform meiner inneren Welt. Ich verbinde ihn mit den Orten, an denen ich mich wohlfühle. Daneben beschäftige ich mich intensiv mit Fotografie – ich liebe es, besondere Momente festzuhalten und damit andere Menschen zu inspirieren. Rückblickend hätte ich nie gedacht, dass meine künstlerischen Aktivitäten einmal so viel zum Erfolg meines Hauptgeschäfts in der Wirtschaft beitragen würden. Aber genau das ist passiert.
Ahoi: Dann bedanken wir uns ganz herzlich für Ihre Zeit – und freuen uns darauf, noch viel von Ihnen zu sehen und zu hören!


