In Leipzig, in Ostdeutschland, entsteht etwas. Hier tummeln sich Menschen, die Ideen haben, der allgemeinen Erschöpfung durch Überforderung etwas entgegen zu stellen. Kreativ, sanft, warmherzig.
Die Leipziger Musikhoffnung Adrian Krug mit dem sich langsam in die Herzen spielenden Projekt Worn Down macht es, wie es dem Ahoi-Redakteur Volly Tanner gefällt: Er krakeelt nicht, er schmettert keine Slogans, er fordert nicht – nein, er macht. Dafür bekommt er Applaus und unsere vollste Unterstützung. Doch hören und lesen Sie selbst:
Ahoi: Guten Tag Adrian Krug. Du bist der Singer & Songwriter von Worn Down und Deine Lieder laufen gerade bei mir in Dauerschleife. Auf Dich aufmerksam hat mich unsere gemeinsame Freundin Manja Kendler gemacht, bei deren Videos ich damals, als sie noch selbst Musik gemacht hat, mitspielen durfte. Seit wann machst Du denn eigentlich diese wundervolle Musik, die Du als Worn Down herausbringst?
Adrian: Hey Volly, erstmal vielen Dank für die Möglichkeit über meine Musik sprechen zu dürfen. Ich freue mich sehr darüber. Musiker bin ich jetzt schon seit 17 Jahren. Es begann alles mit Gitarre spielen lernen in meiner Schulzeit. Ich fand dann auch recht schnell einen Draht zum Songwriting. In meiner Ausbildung und auch danach, letztendlich bis zur Corona Pandemie, habe ich aktiv in Bands gesungen und gespielt. Gegensätzlich zur soften Akkustikmusik befand sich das Genre der Bands eher im Metal/Rock–Bereich. Verrückt oder?! Ich hatte in dieser Zeit oft das Gefühl, dass das Singer/Songwriter-Dasein vielleicht auch etwas für mich wäre. Die erste Musik dafür schrieb ich 2020. Gemeinsam mit meinem Bruder habe ich auch die ersten Recordings bei mir zu Hause gemacht. Bis zur ersten Veröffentlichung eigener Werke vergingen dann aber nochmal zwei Jahre. Seit 2022 bin ich also öffentlich aktiv mit meinem Projekt „Worn Down“.
Ahoi: Deine Musik erinnert mich an die amerikanische Independent-Folkszene der Nuller Jahre. An wem orientierst Du Dich denn musikalisch?
Adrian: Da ich in der Indie-Folk-Szene erst ein paar Jahre (auch als Hörer) aktiv bin, habe ich überwiegend Vorbilder in der heutigen Szene. Mein größtes Vorbild ist ein australischer Singer/Songwriter namens Hazlett. Ich liebe seine Musik und sie ist für mich die größte Inspiration überhaupt. Daran reihen sich Künstler wie Charlie Cunningham, Dean Lewis und Noah Kahan. Über Social Media oder in der Leipziger Szene neue Musiker zu hören und/oder zu entdecken ist für mich aber auch eine totale Bereicherung.
Mein Ziel war und ist es, immer einen individuellen, warmen, aber auch melancholischen Sound zu kreieren. Die vielen Musiker helfen mir dabei, eine Art zweiten Blick darauf zu haben, so nach dem Motto: „Hör nochmal genauer hin und schau, ob Du den Part nicht noch etwas besser herausarbeiten kannst“. Es ist aber alles in allem ein Prozess über Jahre und eine Art musikalische und künstlerische Selbstfindung. Wichtig ist mir immer, dass es hier um meine Gitarre und meinen Gesang geht und dies im Vordergrund steht.
Ahoi: Mittlerweile gibt es beispielsweise bei Youtube mehrere Videos mit Deinen Stücken. Machst Du das alles allein? Hast du ein Team? Wer ist mit im Boot? Und auch gleich beim Produzieren der Stücke – wie ist es da bei Dir?
Adrian: Die Antwort kommt vielleicht überraschend, aber vieles davon mache ich komplett allein. Wie bereits zu Beginn erwähnt, hat mir mein Bruder beim Recording der ersten Tracks geholfen. Auch das Video zu „Evergreen“ haben wir gemeinsam mit einem weiteren Freund gedreht. Mein Bruder ist selbst Musiker und in der Medienbranche tätig. Bis auf dieses Video und ein weiteres habe ich alles andere, was man sich von mir auf Youtube anschauen kann, allein gemacht. Nach den ersten eigenen musikalischen Anfängen habe ich mich mehr und mehr selbst in allen Facetten als Musiker versucht. Schon allein weil ich es super interesant finde, Musik zu produzieren und Videos zu kreieren. Von der ersten EP „Stories Untold“ bis zu meinen heutigen Tracks, und der aktuellen Single „Like Moths to Flames“ habe ich den größten Teil selbst produziert. Ich finde, man hört die Entwicklung und den Prozess in meiner Musik gut heraus. 2024 habe ich für meine zweite EP „Somewhere We Begin“ das Mixing-Zepter aus der Hand gegeben - und glaube mir: Die Produktion ist nicht schlecht - aber irgendwann später habe ich gemerkt, dies ist nicht der Sound oder Vibe, den ich mir vorstelle. Daraufhin habe ich mich komplett in das Produzieren von Musik reingehangen, immer mehr Equipment dazu gekauft und habe nun alles Nötige zu Hause für ein solides Homerecording. Ich kann Dir nicht sagen, wieviel Herzblut und Energie in dieses Projekt schon geflossen ist. Heute weiß ich aber, dass ich sehr stolz auf all das bin.
Ahoi: Eigenartigerweise wird Deine Musik, so wie ich das mitbekommen habe, nicht wirklich von Massen an Musikinteressierten frequentiert. Ich verstehe das gar nicht … was denkst Du: Woran liegt das?
Adrian: Ich glaube, das Ganze hat unterschiedliche Gründe. So ein Musiker-Dasein, vor allem ohne Label, umfasst so viele Bereiche. Vom Writing und Komponieren, hin zur Produktion, das Vermarkten und Live spielen (Booking). Mittlerweile auch die Person dahinter, mit ihren Werten und Einstellungen. Viele Facetten, die ich nie vollumfänglich bedienen kann und ehrlicherweiße auch nie wollte. Musik ist für mich ein großer Lebensinhalt, aber letztenendes auch nur ein Hobby. Ich hatte oft das Gefühl, dass, wenn ich noch mehr machen würde, noch mehr Zeit investieren würde, dass ich am Ende schon viel weiter hätte sein können, als ich es jetzt bin. Das ist aber alles Zeit und Energie, die mir dann in anderen Lebensbereichen gefehlt hätte und am Ende auch eine Frage des Geldes.
Ein anderer Teil in mir hinterfragt das ganze Musikersein auch kritisch. Heute gibt es so viele Musiker, so viele Singer/Songwriter, die gesehen und gehört werden wollen. So viel tolle Musik, da mitzuhalten ist nicht leicht. Die Leute interessiert auch die Person dahinter und der Fakt: Kann ich mich mit ihm undoder der Musik identifizieren. Dann kommt auch die Frage auf, wie vermarkte ich mich selbst und bleibe mir dabei aber selber treu? In den letzten Jahren habe ich sehr deutlich gespürt, was meine Stärken und Schwächen sind. Social Media ist da beispielsweise keine meiner Stärken. Ich habe erst im Verlauf der letzten neun Monate verstanden, mit welchem Content ich mich online wohlfühle und den ein oder anderen abhole, ohne mich zu verbiegen. Auch das Livespielen habe ich lange prokrastiniert und erst mit dem Beginn von 2025 mehr manifestiert. Ich hatte sehr lange das Gefühl, das es noch nicht reicht. Ich glaube, auch das ist ein wichtiger Punkt.
Am Ende habe ich trotzdem die gleiche Frage im Kopf wie Du: „Warum schaut oder hört das keiner?“. Ich wünsche mir gar nicht viel. Eine kleine Community wäre schon echt schnuckelig und erfüllend. Manchmal ist es schwer, wenn man weiß, wie viel Zeit und Energie investiert wurde und wieviel dann am Ende dabei herumkommt. But that's the game I guess. In den letzten Jahren habe ich Musikinteressierte kommen und gehen sehen. Habe dies dann oft hinterfragt und nie verstanden. Es scheint irgendwie immer nur ein Moment zu sein, der sie begeistert und für kurze Zeit in meine Welt holt. Wahrscheinlich ist es auch dieses riesige Angebot an Künstlern, die Tatsache, dass jetzt jeder in seinem Zimmer Musik machen kann, mit den einfachsten Mitteln und diese sich zudem immer mehr abzeichnende Schnelllebigkeit in allen Bereichen. Was ist da ein Song noch wert? Manchmal fühlt es sich auch so an, als hätte man nur einen kurzen Moment, um die Leute von sich zu überzeugen.
Ahoi: Gibt es Dich auch livehaftig zu erleben? Wenn ja, wo und wann?
Adrian: Ich habe dieses Jahr schon einige Auftritte spielen dürfen, aber diesen September noch ein paar geplant. Wer mich live sehen möchte, kann am 16.09. gerne ins „Kolinar“ in Leipzig kommen. Ich darf außerdem bei einem Contest im Schlachthof Stollberg auftreten und wieder beim diesjährigen „Little Harvest“ in Jena dabei sein. Ein weiterer kleiner Einblick würde sich noch am 29.09. im Mühlkeller e.V. in Leipzig zur OpenStage bieten, hier bin ich gern ein paar Mal im Jahr. Am besten folgt ihr mir bei Social Media @worndownmusic, dort könnt ihr nichts verpassen.
Ahoi: Gab es vor Worn Down noch andere musikalische Projekte mit Dir? Schulbands? Kellerbands? Irgendsowas? Wenn ja – was denn?
Adrian: Auf jeden Fall! Wie bereits erwähnt, gab es einige Bands und Projekte. In meiner Ausbildung habe ich die ersten Banderfahrungen gesammelt. Mit der ersten Rock-Band haben wir uns damals einmal die Woche im Jugenclub des Dorfes getroffen und Musik im Keller gemacht. Coole Zeit, sehr wild, ohne wirklich ein Gefühl und Plan für die Musik zu haben. Wir durften sogar mal auf dem Stadtfest in Chemnitz, meiner Heimatstadt spielen. Danach ging es über Freunde in die nächste Band. Mit musikalischen Neigungen zu Green Day und ähnlichen Rockbands entwickelten wir die Musik weiter und kreierten 2018 die Rock/Metalcore Band „MALLOW“. Nach zwei EP's, diversen Auftritten und einer tollen Abschlussshow im Weltecho Chemnitz war dann aber im Verlauf der Corona Pandemie Schluss. „MALLOW“ war für mich damals das Banderlebnis. Danach habe ich es auch nie wieder geschafft, in einer anderen Band anzukommen.
Ahoi: Worn Down bedeutet, wenn man es sinngemäß in unsere Sprache übersetzt, soviel wie: zermürbt, ermattet oder aufgerieben. Dieses Gefühl kann ich sehr nachvollziehen. Aber gibt es Dich auch in euphorisch? Wenn ja, was machst Du dann? Und warum hast Du Dein Projekt Worn Down benannt?
Adrian: Wenn Du mit euphorisch mich als Person meinst, dann ja. Privat zeichnet sich das schon mehr ab. Vor allem würde ich mich als humorvoll bezeichnen. In der Musik und auf der Bühne ist es jedoch ein Gefühl von Nähe und Melancholie, welches ich transportieren möchte. Ebenso verarbeite ich viele emotionale Themen die mich bewegen, in meiner Musik und es soll sich so etwas wie ein roter Faden durch das Projekt ziehen. Natürlich dürfen und sollen auch Songs dabei sein, die sich mindestens schön und warm anfühlen und vielleicht auch Hoffnung schenken, wie bei meinen Tracks „Here to Stay“ und „Getaway“.
Der Begriff „Worn Down“ stammt von dem gleichnamigen Songtitel der Band „Rarity“. Ein Akkustiksong, der während der Entstehung meines Singer/Songwriter-Projektes zum richtigen Moment da war und den ich viel gehört habe. Zunächst ging es mir darum, einen Name zu finden, den es so als Künstler noch nicht gab und weiter darum, etwas zu finden, das zu meiner Musik passt. Der melancholische Grundvibe meiner Musik hat sich während der frühen Entstehung sehr schnell abgezeichnet. Später hatte ich dann oft das Gefühl, dass für die Nahbarkeit ein „normaler“ Name vielleicht doch besser passen würde, dachte aber oft, dass „Adrian Krug“ als Künstlername einen eher nicht so abholt. Heute habe ich den Kompromiss gefunden, mich mit Vornamen und Künstlernamen vorzustellen um Projekt und Person (Nahbarkeit) zu vereinen. Der Name „Worn Down“ untermalt für mich die melancholische, warme aber auch sehnsüchtig verletzte Musik, die ich versuche zu erschaffen.
Ahoi: Wo können denn Interessierte Deine Musik hören? Soll es ein Album geben? Oder gibt es schon eins? Was planst Du, um den Menschen Deine Musik näherzubringen?
Adrian: Im Mai 2026 habe ich meine aktuelle EP „Colour Me In“ veröffentlicht und einen Monat danach noch den dazugehörigen Track „Like Moths to Flames“ für den es auch ein kleines, in Eigenregie gedrehtes, Musikvideo gibt. Heißt quasi, seit Beginn des Jahres 2026 habe ich an dieser Musik und allem was dazu gehört, aktiv gearbeit. Die Songs kann man auf Spotify, Youtube und allen anderen Streamingdiensten hören. Aktuell bin ich in der Sommerpause. Was nach den Shows im September und im Jahr 2027 kommt, kann ich noch nicht sagen. Ich habe aber auf jeden Fall mehr Lust, live zu spielen. Bei meinen letzten Aufrtitten habe ich erfahren dürfen, dass mir das Livespielen doch mehr Spaß macht, als ich es zuvor immer dachte. Ich fühle mich wohler auf der Bühne und möchte meine Peformance erweitern und verbessern.
Ein Album ist aktuell noch ein großer Wunsch von mir, den ich mir hoffentlich irgendwann noch erfüllen darf.
Ahoi: Danke Adrian, für Deine wundervolle Musik und Dir viel Erfolg beim Machen.
Adrian: Danke Volly und danke an alle fürs Lesen.


