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  • Interviews
Gespräch mit der Poetin Inga Grote

Ein Tauchgang zu allen möglichen Gefühlen

Inga Grote veröffentlichte im Januar ihr erstes Buch "Tanz zwischen Zeilen" © Heinz Linduschka

Das sanfte Zerbrechen eiskalter Hüllen um glühende menschliche Körper hat einen wundervollen Namen: Poesie. Und Gedichte, entstehend aus sensiblem Gedanken, sind kleine Geschosse, die fremdbestimmt taumelnde Herden sich selbst Krone der Schöpfung denkende Wesen berühren können. Im Internet und in der Realität poetisieren junge Menschen nun unseren Planeten mit allen möglichen Gefühlen, um Lebenszeichen zu senden. Inga Grote lebt in Leipzig und hat schon zwei Bücher geboren. Ahoi-Redakteur Volly Tanner, bekennender Poesiesucher, befragte sie:

Ahoi: Guten Tag, Inga Grote. Ich fand Dein Profil durch die Algorithmen auf Instagram und folge Dir schon eine Weile, da ich Poesie sehr mag. Seit wann bist Du denn auf Insta schon dabei, die Welt mit Lyrik zu fluten? Und warum hast Du damit begonnen?

Inga Grote: Hallo Volly, „die Welt mit Lyrik fluten" gefällt mir sehr gut - das ist eine schöne Formulierung für das, was ich tue. Ich habe Anfang des Jahres damit angefangen, meine Lyrik in den sozialen Netzwerken zu teilen. Ausgelöst wurde das Ganze durch das Erscheinen meines ersten Buchs „Tanz zwischen Zeilen" und meinem Wunsch, die Welt „da draußen" aufmerksam darauf zu machen. Inzwischen habe ich mir einen kleinen Lyrik-Account aufgebaut und einfach Spaß daran, meine Gedichte mit den Menschen zu teilen. Besonders schön ist es dann natürlich, wenn man merkt, dass man die Leute berührt mit dem, was man schreibt.

Ahoi: Du gehst auf Deinem Profil auch mit Deinen Followern in Interaktion – wie machst Du das beispielsweise? Was schreiben Dir Deine Follower so?

Inga Grote: Ganz genau - das macht fast am Meisten Spaß. Vor kurzer Zeit habe ich mir gedacht, dass diese einseitige Aktivität auf Instagram doch eigentlich ein bisschen langweilig ist und einen Aufruf gestartet, dass ich mit meinen Followern gemeinsam Gedichte schreiben möchte. Das geht folgendermaßen: Wer mag schickt mir einfach ein Thema, mit einer kurzen Beschreibung dazu, oder cirka fünf Worte - sogenannte Schreib-Prompts - mit denen ich dann ein Gedicht schreibe. Dieses Angebot wurde wirklich gut angenommen und ich habe eine ganze Menge solcher Prompts geschickt bekommen. Das ist zum Einen natürlich eine tolle Möglichkeit für ein bisschen mehr Interaktion auf Social Media, zum Anderen mag ich diese Schreibherausforderung aber auch sehr gerne. Ich habe schon bei einigen Schreibworkshops mitmachen dürfen, unter anderem dem Jungen Literaturzimmer 2020 unter Leitung der Lyrikerin Nadja Küchenmeister und in diesen Workshops lernt man auch immer wieder neue Schreibaufgaben kennen, die zum Schreiben anregen und inspirieren sollen. Und genau das versuche ich jetzt im kleinen Rahmen auch auf Instagram.

Ahoi: Es gibt auch ein Buch weiteres von Dir „Mein Herz, das Meer und der Großvater“. Wo ist das denn erschienen, wann und wie ist die Resonanz? Und was hat es mit dem "Tanz zwischen den Zeilen" auf sich?

Inga Grote: Inzwischen gibt es sogar schon zwei Bücher von mir. Meinen ersten Gedichtband „Tanz zwischen Zeilen" habe ich im Januar im story.one-Verlag veröffentlicht und die Resonanz war wirklich toll. Ich habe einiges an Werbung machen können und mehrere Lesungen veranstaltet, bei denen die Reaktionen durchweg positiv ausfielen. Allerdings kam bei diesen Lesungen immer die Frage im Publikum auf, ob ich denn nur glückliche Texte schreiben würde, da „Tanz zwischen Zeilen" eine sehr harmonische Stimmung innehat. Und davon angespornt dachte ich mir dann kurzerhand: Wieso nicht mal wütende und traurige Gedichte schreiben? So entstand mein zweites Buch „Mein Herz, das Meer und der Großvater", das jetzt im Juli erschienen ist - auch wieder im story.one-Verlag. Aber keine Angst, das Buch enthält nicht nur „negative" Gedichte, viel mehr lade ich die Leser*innen darin auf einen Tauchgang zu allen möglichen Gefühlen ein.

Ahoi: Gibt es Dich auch auf Lesungen? Wenn ja, wo denn?

Inga Grote: Ja, mich kann man auch bei Lesungen hören. Zur Zeit sind einige Veranstaltungen für den kommenden Herbst und Winter in Planung, unter Anderem Lesungen bei regionalen Buchmessen, Lyriklesungen mit musikalischer Begleitung, und noch so einiges Anderes. Die entsprechenden Termine teile ich auch immer vorab auf meinem Instagram-Account, also lohnt es sich definitiv, da mal vorbeizuschauen (@inga_schreibt). Außerdem plane ich einige Events, bei denen ich live für die Besucher*innen Gedichte schreibe, über Themen oder Erlebnisse, von denen mir die Leute dann erzählen.

Ahoi: Lyrik ist die sanfte Art, Kämpfe zu gewinnen. Das sagte einst der große Schriftsteller Ray Bradbury. Wieso ist Lyrik Deine Art, Dich der Welt mitzuteilen?

Inga Grote: Das ist ein schönes Zitat, finde ich. Für mich ist Lyrik allerdings etwas viel Niedrigschwelligeres. Lyrik bedeutet für mich in erster Linie Kommunikation. Literatur im Allgemeinen bietet uns Menschen eine Möglichkeit, unsere innersten Gedanken und Gefühle mit der Welt zu teilen. Damit meine ich nicht, dass wir uns hinter Literatur und Lyrik verstecken sollten. Ganz im Gegenteil: Vor allem die Lyrik kann uns helfen uns auszudrücken. In Gedichten kann man alles sagen, sei es ganz unverblümt, oder eher bildlich verpackt. Und das besondere ist, dass ein und dasselbe Gedicht für unterschiedliche Menschen ganz Verschiedenes bedeuten kann, weil Jede*r es mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen verknüpft. Lyrik ist also Kommunikation und Begegnung.

Ahoi: Wer ist denn eigentlich die Inga Grote neben Instagram? Was machst Du in Deinem realen Leben? Von Lyrik können nur 5 Prozent der Menschen, die Lyrik schaffen, leben, deshalb stellt sich die Frage natürlich …

Inga Grote: Zuallererst möchte ich betonen, dass ich keine Influencerin oder ähnliches bin - oder sein möchte. Die Inga auf Instagram ist also dieselbe Person, wie im echten Leben auch und ganz ehrlich - ich bevorzuge definitiv die reale Welt, auch wenn ich Spaß daran habe, meine Lyrik über Social Media zu teilen. Zur Zeit studiere für meinen Bachelor-Abschluss, in den Fächern Publizistik und Politikwissenschaft. Und sonst würde ich sagen, verbringe ich meine Zeit, wie die meisten anderen Student*innen auch: Ich genieße das Studentenleben und überlege, wo es nach dem Abschluss für mich hingehen soll.

Ahoi: Und ist das nächste Buch schon in der Mache?

Inga Grote: Sagen wir es mal so: Ich schreibe fleißig weiter. Fast jeden Tag entstehen neue Gedichte, meist werde ich durch Erlebnisse oder Beobachtungen im Alltag inspiriert und dann sprudeln die Texte einfach aus mir raus. Außerdem schreibe ich zur Zeit an einer Roman-Idee von mir. Also mal schauen, was in Zukunft noch so von mir zu lesen sein wird.

Ahoi: Dann freuen wir uns auf weitere Texte von Dir und wünschen der deutschsprachigen Lyrik, dass Du ihr möglichst lange erhalten bleibst.

Inga Grote: Vielen Dank und Dankeschön für das Interview.

Inga Grote bei Instagram: Inga Grote • Lyrikerin • Autorin • Lyrik-Events (@inga_schreibt) • Instagram-Fotos und -Videos

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