Klare, nachvollziehbare Regelwerke und ihre konsequente Einhaltung gewährleisten, dass alle Beteiligten eines Spiels sich darauf verlassen können, nicht übervorteilt zu werden. So ist es im Schach und ganz bestimmt täte dies auch unserer zersplitterten Gesellschaft gut.
Konstanze Ortlepp engagiert sich im Schachverein SG Turm e.V. seit vielen Jahren und geht auch an Schulen, um jungen Menschen das Spiel nahezubringen. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr:
Ahoi: Guten Tag, Konstanze Ortlepp. Ich traf Sie in der Böhlitz-Ehrenberger Grundschule als Leiterin der Schach AG. Nun weiß ich, dass Sie im Grünauer SG Turm e.V. engagiert sind. Wie viele und welche Schulen werden denn von Ihrem Verein bespielt? Wo bringen Sie denn überall den kleinen Schachspielern das strategische Denken bei?
Konstanze Ortlepp: Hallo Herr Tanner, unser Verein ist an verschiedenen Grundschulen in Leipzig tätig, so zum Beispiel auch in der Grundschule am Auwald, der 120. Grundschule oder der Nasch. Ich habe eine Ausbildung zum c-Trainer-Lizenz Schach Leistungssport, wie einige andere Leute bei uns und sogar eine b-Trainer-Lizenz.
Ahoi: Wie ich in der ersten Frage schon erwähnte, ist Schach für mich selbst Training in strategischem Denken und Empathie, da man auch den Gegner mitdenken lernt. Was erlernen die Kleinen denn noch bei Ihnen?
Konstanze Ortlepp: Ich persönlich lege ganz viel Wert auf Höflichkeit, Pünktlichkeit und Disziplin. Das ist manchmal ziemlich schwierig, alles zu erreichen. Ich kämpfe da aber das ganze Schuljahr immer darum. So mag ich es überhaupt nicht, wenn die Kinder ins Zimmer kommen, manchmal zu spät, und weder „Guten Tag." sagen, noch irgendetwas. Nette Menschen spielen Schach - das möchte ich so auf den Weg geben. Die Kinder lernen, fair zu sein! Wenn Streitfälle sind, zum Beispiel: Wurde die Figur berührt oder nicht, so müssen sie sich fair einigen. Es gibt die Regel: Berührt = geführt. Das sind wichtige kleine Lernstoffe, man kann sie auch groß nennen, fürs ganze weitere Leben.
Ahoi: Sie selbst sind schon viele Jahre im Schach erfolgreich, auch familiär. Ich fand ein Bild vom Weihnachtsturnier in Erfurt mit Klaudia, Kristina und Ihnen – alle Ortlepps. Das Bild ist zwar aus dem Jahr 2017, aber „Einmal Schach, immer Schach“. Wo spielen denn Klaudia und Kristina derzeit?
Konstanze Ortlepp: Kristina ist Mutti einer kleinen süßen Tochter und macht daher eine Pause vom Schach. Klaudia spielt noch aktiv bei der SG Turm Leipzig in der 2. Mannschaft.
Ahoi: Sie trainieren auch Männermannschaften. Welche denn und wo und wie viele Männer sind denn da dabei?
Konstanze Ortlepp: Das ist nicht ganz richtig. Ich bin Mannschaftsleiter der 2. Mannschaft, das Wort Männermannschaft ist hier eigentlich altmodisch. Es sind auch Frauen spielberechtigt, momentan haben wir drei in der besagten Mannschaft, aber auch eigenen Nachwuchs, sprich Kinder und Jugendliche.
Eine Mannschaft tritt zum Wettkampf immer zu acht an = acht Bretter, wir haben aber auch einige Ersatzleute.
Training machen wir jeder zu Hause über Bücher, Hefte, Schachprogramme usw. Mittwochabends treffen wir uns im Verein, werten gespielte Partien aus und üben halt. Wir haben einen wirklich erfahrenen „Senior", der ganz erfolgreich im Fernschach ist, Herr Gerhard Ziese. Er hilft und erklärt uns allen viel. Aber auch die anderen Spieler bringen ihr Wissen und Ideen ins Training ein.
Ahoi: Es gibt auch die unterschiedlichsten Meisterschaften, an denen teilgenommen wird. Wo steht denn der SG Turm e.V. da in den Tabellen?
Konstanze Ortlepp: Wir haben aktuell drei Mannschaften im Erwachsenenbereich. Das können Interessierte gern verfolgen über die Links auf unserer Homepage. (Link am unteren Ende des Interviews)
Die 1. Mannschaft spielt derzeit sogar in der Sachsenliga. Im Jugendbereich spielen wir u10, u12, u16 momentan. Also wir sind sehr aktiv, das ist auch alles auf der Homepage zu verfolgen.
Ahoi: Die meisten ehrenamtlich tätigen Vereine klagen über Nachwuchssorgen. Wie ist es denn beim SG Turm e.V.? Können Schachinteressierte noch bei Ihnen einsteigen?
Konstanze Ortlepp: Derzeit haben wir viel guten Nachwuchs. Manche kommen einfach zu uns und manche über die Schulen, aus denen wir Talente einladen, zum Schnuppern und Mitmachen. Viele bleiben dann bei uns. Natürlich, es ist immer die Tür offen, auch für Erwachsene.
Ahoi: Schach statt Krieg. So erzählt die Mär, hätte alles angefangen. Ist da was dran oder bin ich einer urbanen Legende aufgesessen?
Konstanze Ortlepp: Schach ist kein Kriegsspiel. Das Schachspiel sehe ich persönlich als ein ganz faszinierendes Denkspiel an. Viele, viele positive Dinge erfahre ich persönlich. So etwa das Training, es ist für mich eine sinnvolle Beschäftigung, ich treffe meine Schachfreunde. Dies sogar jede Woche und eigentlich gibts keinen Streit, obwohl es auf dem Brett heiß hergehen kann und viele Wege zum Sieg führen können. Meinungsverschiedenheiten werden immer gut ausdiskutiert, das ist das, was ich anfangs sagte, was ich auf meine Schulkinder transportieren möchte!
Ahoi: Das Jahr 2023 endet gerade. Was waren denn Ihre größten Erfolge 2023 und was streben Sie 2024 an?
Konstanze Ortlepp: Ach, das ist schwer zu sagen … als Erfolg sehe ich eigentlich das ganze tolle Leben im Verein an. Ich engagiere mich hauptsächlich in der Nachwuchsarbeit. Es sind ganz neugierige Kinder da und da ist für mich auch persönlicher Erfolg, wenn diese sich verbessern. Für 2024 habe eigentlich keine besonderen Vorhaben. Bisschen liebäugeln wir damit, mit der 2. Mannschaft aufzusteigen. Ansonsten weiter, immer weiter arbeiten im Verein.
Ahoi: Danke, liebe Frau Ortlepp, dass Sie sich Zeit genommen haben für meine Fragen. Auf dass der Turm nie kippe.
Konstanze Ortlepp: Vielen Dank Herr Tanner, nee der Turm steht. Wir laden Sie ein, schauen Sie sich doch mal persönlich unsere Arbeit an, wir sind immer Mittwoch da, ab ca. 16.45 Uhr. Ich würde mich sehr freuen.

