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  • Interviews
Gespräch mit dem Duo RüLo

Die Heulboje lassen wir lieber im Hafen

© D7 / RüLo

Musik wird heutzutage gern mit einem immensen Aufgebot an Aufregern, gern auch Diskursen, in die Öffentlichkeit gepresst. Da gibt es Musikerinnen, die man nur noch in „Haltung“ erlebt, Musiker, die auf Bühnen hauptsächlich Slogans postulieren oder finsterstes Abwerten Anderer, um beispielsweise Podcast zu verstopfen. Das Duo RüLo verlässt sich da glücklicherwese auf seine Musik und Lebenserfahrung und hat trotzdem einige schöne Geschichten zu erzählen. Ahoi-Redakteur Volly Tanner spann Fäden:

Ahoi: Guten Tag RüLo. Ihr seid endlich wieder gemeinsam musizierend, nach wirklich vielen Jahren. Könnt Ihr bitte erzählen wie es kam, dass Ihr wieder Bock auf Duo hattet?

Rü: Eigentlich hat es ziemlich genau 30 Jahre gedauert… Wir kannten uns ja aus unserer englischsprachigen Zeit und standen damals bei „Rock im Park“ in Duisburg gemeinsam auf der Bühne. Danach sind wir musikalisch erst einmal getrennte Wege gegangen – Musik gemacht haben wir aber beide immer.

Lona: Und dann sind wir uns tatsächlich durch Zufall bei einem Konzert wieder über den Weg gelaufen. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass wir nicht nur beide noch genauso musikverrückt sind wie früher, sondern inzwischen auch eine gemeinsame Liebe zur deutschsprachigen Musik haben. Stephan Sulke war dabei so ein gemeinsamer Nenner. Rü hatte zwei Hommage-Alben an Sulke herausgebracht, die mir gut gefallen haben. Zudem war ich wirklich fasziniert von einigen Songs, die er geschrieben hatte. 

Rü: Irgendwann kam dann ganz unspektakulär die Idee von Lona: Warum machen wir eigentlich nicht mal zusammen Musik? Wir haben angefangen, uns Songs vorzuspielen, Ideen auszutauschen und gemeinsam daran zu arbeiten. Und plötzlich hat das richtig gut funktioniert.

Lona: Ja, und dann war die Lust auf ein Duo eigentlich ganz von alleine da. Wir bringen beide 30 Jahre mehr Leben, musikalische Erfahrungen und wahrscheinlich auch ein bisschen mehr Gelassenheit mit. Und heute wissen wir viel genauer, was wir wollen – und vor allem, was wir nicht wollen. Irgendwann haben wir gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und so wurde aus Rü und Lona schließlich RüLo.

Ahoi: Irgendwo im Netz fand ich, liebe Lona, dass Du eine Duisburger Kriminalkommissarin mit echter Dienstmarke seist. Ist das wahr? Im Netz kursieren ja so einige Geschichten, bei denen ich mich immer mal wieder frage … Was ist denn an dieser dran, liebe Lona?

Lona: Die Geschichte stimmt tatsächlich. Ich bin Kriminalhauptkommissarin, mittlerweile nicht mehr bei der Duisburger Kripo, sondern bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei. Und gleichzeitig habe ich immer Musik gemacht. Das war natürlich eine Kombination, die damals für einige Aufmerksamkeit gesorgt hat. Stefan Raab fand die singende Kommissarin offenbar auch interessant genug und lud mich zu „Vivasion“ ein. Für mich waren das aber nie zwei völlig verschiedene Welten. Auf der einen Seite die Kripo, auf der anderen die Musik – und beides gehörte einfach zu meinem Leben.

Ahoi: Und Du, lieber Rudi, sollst sogar enge Fesseln in unsere Region haben, nach Leipzig und Halle. Was ist denn da dran?

Rü: Ich wurde im Westen geboren, genauer gesagt in Duisburg-Neumühl. Meinen Vater zog es drei Monate nach meiner Geburt wieder zurück in seine Heimatstadt Halle an der Saale. 42 Jahre später kam mir dann gegen 05:30 Uhr, auf einer einsamen Landstraße aus Landsberg/Saale kommend, ein leicht angegrauter Herr entgegen, dem ich auffällig ähnlich sah. Der Rest ist Stoff für einen kleinen Roman, nur so viel sei verraten, ich bekam eine neue Stiefmutter, zwei neue Brüder, eine tolle Nichte und einen tollen Neffen, leicht verspätet, geschenkt. Seitdem bin ich immer mal wieder in Halle und Umgebung und schaue mir auch Leipzig und Dresden an.

Ahoi: Ich mag die Musik des großen Stephan Sulke sehr. Ihr auch wie ich erfuhr. Was verbindet Euch mit Stephan Sulke und seinen Liedern?

Rü: Eine ganze Menge. Ich habe zwei Hommage-CDs mit Liedern von Stephan Sulke aufgenommen und hatte das große Glück, dass Stephan mich dabei auch musikalisch unterstützt hat. Seine Art zu schreiben hat mich immer fasziniert. Diese Mischung aus feinem Humor, Melancholie, Beobachtungsgabe und einer Sprache, die nie unnötig aufgeblasen wirkt. Und Sulke hat tatsächlich auch etwas mit RüLo zu tun: Als Lona und ich uns nach vielen Jahren wiederbegegnet sind, haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass wir beide eine große Begeisterung für seine Musik haben. Das war einer der Punkte, über die wir musikalisch wieder zueinandergefunden haben.

Ahoi: Was ist denn eigentlich aus Jane Beeker geworden? Da war doch mal was …

Lona: Die ist noch da! Jane Beeker war mein Künstlername und mit ihr habe ich eine ziemlich aufregende Zeit erlebt. Ich war im Radio und Fernsehen unterwegs, unter anderem im Sat.1-Frühstücksfernsehen und bei Deutsche Welle TV, bei Ulli Potofski, im „Bremer Container“ und mit Johnny Logan auf der IFA in Berlin. Und dann gab es eben noch die Geschichte mit Stefan Raab und „Vivasion“. Irgendwann wurde es um Jane Beeker ruhiger, aber die Musik ist nie verschwunden. Heute bin ich Lona – und zusammen mit Rü eben RüLo.

Ahoi: Nun gibt es endlich wieder Musik von Euch. Könnt Ihr denen, die immer auf der Suche nach guter neuer Musik sind, ein bisschen erzählen, was Ihr da jetzt macht? Hoffentlich nicht diese trendige Jammer-Pop-Heulbojen-Welle …

Lona: Nein, die Heulboje lassen wir lieber im Hafen. Wir machen deutschsprachige Popmusik, aber wir wollen uns dabei gar nicht in eine ganz enge Schublade stecken. Unsere Songs dürfen poppig sein, mal rockiger, mal soulig, mal nachdenklich und dann wieder leicht und mit einem Augenzwinkern. Wichtig sind uns Texte, die etwas erzählen, und Melodien, die man nicht nach zehn Sekunden wieder vergessen hat. Unsere erste Single „Ich will immer nur dich“ ist dafür eigentlich ein schönes Beispiel. Zwei Menschen wollen sich, aber keiner kriegt so richtig den Mund auf und macht den ersten Schritt. Also durchaus Gefühle – aber ohne Dauerjammern.

Ahoi: Soll es dann auch ein Album geben und eine Tour?

Rü: Das Ziel ist auf jeden Fall, dass nach der ersten Single weitere Songs kommen. Wir schreiben und produzieren ja nicht nur für diesen einen Titel. Und natürlich möchten wir mit RüLo auch auf die Bühne. Genau das ist einer der Gründe, warum wir das Ganze überhaupt angefangen haben. Ein klassisches Album wird sicher kommen, aber wie eine Tour konkret aussehen wird, wollen wir noch nicht groß ankündigen, bevor es wirklich feststeht. Wir haben 30 Jahre gebraucht, um als Duo zusammenzufinden – jetzt müssen wir nicht plötzlich hektisch werden.

Ahoi: Die heutige Musikwelt – wie auch die literarische – ist getrieben von der Aufmerksamkeitsindustrie. Gern genommen, damit möglichst viele Menschen von einem Produkt erfahren, sind Haltungsstatements oder möglichst dusselige Aussagen, über die sich möglichst viele Menschen aufregen können. Hat zwar nichts mit Kunst zu tun, aber viel mit Verkauf. Wie wollt Ihr zu Eurem Publikum kommen? Welchen Weg beschreitet Ihr?

Lona: Wir möchten am liebsten über das auffallen, weshalb wir das alles machen: über unsere Musik. Natürlich wissen wir, dass man heute nicht einfach einen Song veröffentlicht und dann darauf wartet, dass die Welt ihn entdeckt. Social Media, Videos, Interviews, Radio und all diese Dinge gehören dazu. Das nutzen wir auch. Und wir brauchen uns nicht eine Geschichte künstlich zu basteln, unsere Story ist sehr witzig und hat genauso stattgefunden. Wir sind beide lange genug im Leben und im Musikgeschäft unterwegs, um zu wissen, wer wir sind. Wenn die Leute RüLo entdecken, weil ihnen ein Song gefällt, sie über einen Text schmunzeln oder sich darin wiederfinden, dann ist uns das wesentlich lieber.

Ahoi: Musik entsteht ja nicht im luftleeren Raum. Wie müssen wir uns Euer musikalisches Umfeld vorstellen? Mit wem kooperiert Ihr denn? Es braucht ja auch Leute, die Eure Musik verlegen und vertreiben. Wie ist das denn bei euch?

Rü: Vieles entsteht tatsächlich erst einmal bei uns selbst. Wir schreiben unsere Songs, entwickeln die musikalischen Ideen und ich kümmere mich auch um die Produktion. Aber natürlich braucht man irgendwann Menschen und Partner, die dafür sorgen, dass aus einem Song auch eine Veröffentlichung wird und dass die Musik ihr Publikum erreicht. Unser Partner ist das Plattenlabel D7. Dort haben wir auch unseren Verlag.

Ahoi: Danke, Ihr Lieben. Und auf dass möglichst viele Menschen Eure Musik erfahren.

Lona: Das wünschen wir uns natürlich auch. Vielen Dank für das schöne Gespräch und dafür, dass wir ein bisschen von unserer Geschichte erzählen durften.

Rü: Vielen Dank!

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