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  • Interviews
Gespräch mit SAITLINGE & SINGERS

Die Alten sind noch mal am Start

Zwölf Köpfe, eine Richtung: SAITLINGE & SINGERS © Stefan Weiss

Mit Wurzeln in Leipzig, dem Burgenlandkreis und der Gegend um Zeitz setzen SAITLINGE & SINGERS auf Musik, die an Herzen greift, ohne im Vorfeld von einer KI ausgerechnet worden zu sein. Richtig Old-School, richtig handgemacht und mit echten Stimmbändern intoniert.

Gerade kommt auch ein neues Vinyl-Schmuckstück auf die Welt, was natürlich bedeutet, dass Ahoi-Redakteur Volly Tanner den „Alten" ein paar Fragen stellen muss. Hier sind die liebevoll kurzweiligen und zutiefst menschlichen Antworten:

Ahoi: Guten Tag, Freunde. Ihr seid drei Members der SAITLINGE & SINGERS und habt gerade ein frisches Album auf die Welt gebracht. Schon der Titel spricht mir aus dem Herzen: „Die Alten sind noch mal am Start". Braucht der Planet Euer Album? Gerade jetzt? Und weshalb?

Stephan: Der Planet braucht gerade alles, aber nicht dieses Album...

Mandy: Aber wir brauchen dieses Album, als unseren eigenen Planeten der Musik!

Mario: Das stimmt in der Tat, wir kehren damit zurück in unser eigenes Universum.

Stephan: Ja genau, so gesehen braucht es dieses Album ganz sicher: als kleinen wohligen Heimatplaneten, in einer Galaxie aus Stars von Morgen und Stars von Gestern, auf der letzten analogen Milchstraße.

Mandy: Und den Stars von Heute! (schmunzel)

Ahoi: Könnt Ihr Euch bitte mal etwas vorstellen? So ein 12-köpfiges Ensemble besteht ja aus Einzelindividuen, wobei jedes für sich schon ein Universum darstellt.

Mandy: Also ich bin Mandy und singe nur, dazu fehlen noch die drei mitsingenden Ladys Anett, Claudia und Sandra.

Stephan: Ich bin Stephan und singe auch nur, wie mein Kollege Sebastian.

Mario: Ich bin Mario und spiele Bass, seit Anbeginn bei den Saitlingen. Die bestehen in der Urformation noch als Dreiercombo aus Bernd an der Gitarre und unserem Mastermind Peter an Sax und Klarinette. Melchior kam später an den Keys und Tom an den Drums dazu. Das Projekt mit den Singers wird zusätzlich von unserem Akustikgitarristen Lars ergänzt, das macht dann die Kommune so richtig bunt und rund. Wir alle kennen uns im Prinzip aus Jugendtagen, was diese „Bandkommune" auch so ein bisschen speziell macht...

Ahoi: Auf dem Album sind neben Gundermann-Stücken auch eigene Werke zu hören, beispielsweise „Raumspray" oder „Still. Stand, jetzt". Wie entstehen solche Songs? Bei zwölf Köpfen stelle ich mir das schwer vor und ich selbst bin ja auch kein wirklicher Freund von Kollektiv-Kunst ...

Stephan: Ja das war in der Tat für uns alle Neuland. Nachdem wir das Projekt mit Gundermann-Versionen gestartet hatten, haben wir Stück für Stück auch eigene Songs kreiert. Die Texte sind von mir, die Musik von Peter. Quasi im kollektiven Duo. Und ja, es wirklich speziell, etwas für uns als „Singegruppe" zu texten. Ich versuche da schon so einen gemeinsamen Blick reinzulegen und es textlich so anzulegen, dass es für uns als „Hood" funktioniert. Gerade bei „Still. Stand, jetzt." als nicht einfache Alltagsbruchstelle oder „Trotz dem Rotz" als Quarantäne-Resümee ist das natürlich immer eine Gratwanderung.

Mandy: Stephans erster Text war ja „Momentum", so als kleine Hymne auf unsere gemeinsamen Lebenswege. Das hat für mich sofort funktioniert und öffnete plötzlich für uns alle eine neue Gemeinsamkeit, eingepackt in Musik, als unser aller Lebenselixier. Von da an war das mit den Köpfen klar, wir stecken die halt zusammen!

Mario: Und das eigentlich fast immer ohne Beulen...

Ahoi: Mit Peter Schneider habt Ihr einen Herzleipziger an der Front, gibt es noch andere Verbindungen nach Leipzig? Und in den Burgenlandkreis, hier lesen uns die Menschen ja auch gern ...

Mandy: Ich habe in Leipzig gelebt und bin jetzt mit der Familie in die Weinregion des Burgenlandkreises gezogen. Lars arbeitet in Leipzig. Der Rest lebt eigentlich in und um Zeitz, beziehungsweise in und um unser Heimstadion – Den „Seh-Song" von Bernd in Bockwitz.

Mario: Genau unsere Homebase! Beste Kneipe und beste Kulturscheune von hier bis Berlin, das muss erwähnt werden!

Ahoi: Es gab schon Alben von Euch, die da hießen „keine zeit für zeit", „sehnsucht in die hände" und „an manchen Tagen". Wie wurden diese denn vom Publikum aufgenommen? Und von der Kulturrezeption?

Mario: Die liefen damals wirklich ganz gut, wir haben auch viel gespielt. Ich erinnere mich an keine schlechten Kritiken ... (lachend) zumindest an keine außerhalb der Band! Und wir spielten im Vorprogramm von Gundi auf Schloss Moritzburg in Zeitz – mit Verpflichtung zur Abbau-Hilfe - und bei Element of Crime in Dresden – mehr Kulturrezeption geht ja nicht, damals, hinterm Mond. Aber auf der neuen Platte sind ja auch zwei Songs von den Saitlingen neu eingespielt dabei, diesmal im Singer-Kontext. Das hat uns Saitlinge sehr gefreut!

Ahoi: Könnt Ihr noch etwas zu den Auftritten, die anstehen, sagen, bitte? Festivals, Welttournee, Arenen?

Mandy: Wir würden gern erstmal Probentermine bestätigen... nee im Ernst, 12 Leute, alle Fulltimejobs, dazu alle Familie, das ist immer ein Kalendarium des Grauens.

Mario: Aktuell steht erstmals unsere Record-Release-Show am 27.02. in der Heimarena an, dann sehen wir weiter.

Stephan: Genau, die Alten sind am Start heißt ja nicht, dass wir gleich ewig weit losrennen... Und um an Frage 1 anzuschließen, wozu Welttournee, wenn wir einen eigenen Planeten bespielen? (schmunzelt)

Ahoi: Und wo erscheint das Album? Mit welchen Strukturen – Produzenten, Vertrieb, Promo etc arbeitet Ihr zusammen? Und warum?

Mario: Also produziert hat das Album Peter selbst, das war ein ganz schöner Ritt - Danke an dieser Stelle! Aber es hat sich so gelohnt! Er hat ja immer davon geträumt, die Gundermann-Songs mal mit einer Art Chor zu machen. Aufgenommen haben wir im Matatu Tonstudio Leipzig bei Robin Oppenheimer, gemixt haben Peter und Jens Halbauer.

Stephan: Die LP mit Download-Code erscheint jetzt im Vertrieb von BuschFunk Berlin, was uns sehr glücklich macht. Wer da so alles zu Hause ist, huihuihui ...

Mandy: Und natürlich als Stream, überall wo es Streams so gibt.

Ahoi: Gerade die Person Gundermann, als Künstler und Mensch mit allen Irrungen und Höhepunkten aber auch Tiefschlägen, ist eine Möglichkeit, differenziert mit Geschichte umzugehen. Für heutige Lautsprecher und Lautsprecherinnen aus den unterschiedlichen Lagern, die gern in absoluten Wahrheiten schreien, fast schon schwer auszuhalten. Wie sind die Reaktionen auf Eure Version der Auseinandersetzung mit der Weg des schlanken Baggerfahrers aus der Lausitz? Ich selbst habe ja drei Jahre von 86-89 in Großräschen bei Senftenberg gelebt, mich betrifft ja sein Werk ganz direkt und persönlich ...

Stephan: Gute Frage! Wir haben das Singers-Projekt mit den Saitlingen ja 2017 gestartet, als Peter im Gundermann-Film von Andreas Dresen den Baggerfahrer Helmut gespielt hat.

Mario: Und Bernd und Sebastian zwei weltbewegende Statistenrollen...

Mandy: Oh ja, weltbewegend!

Stephan: Na genau und diese Weltbewegung hat zur Projektgründung geführt. Am Anfang haben wir Konzerte mit dem Film gemacht und ich habe dann in einer Art Moderation mit Peter und Bernd über Gundermann gesprochen. Da gab es ganz viele Rückmeldungen, die sehr rührend waren. Peter hat mal erzählt, dass bei der Premiere des Films mal eine Frau gesagt hat: Jetzt habe ich das erst mal den Osten wirklich ein bisschen verstanden. Da steckt für mich viel drin. Die Brüche der Gundi-Biographie und seine „Geradlinigkeit über fünf Ecken" haben einfach ganz viel damit zu tun. Und vor allem: Seine Texte haben aus meiner Sicht eine ganz einzigartige Poesie, die aus dem Herzen in den Bauch springt und irgendwie jeden kriegt, der sich darauf einlässt. Und das spürt man schon öfter, dass die Gundermann-Texte es heute noch schaffen, über den Alltagsschwachsinn hinaus zu verbinden. Das mögen die Leute sehr, ob sie Gundermann kennen oder nicht. Das ist die Romantik des Imperfekten, das ist Poesie mit Blaumann, das ist Kulturgut aus dem Tagebaurestloch - mit der Option später eine Marina zu werden, wenn man es nur gut füllt. (zwinkert)

Ahoi: Euch verbinden in erster Linie Freundschaften. Wie Oldschool ist das denn? Wie haltet Ihr diese Freundschaften fest in den vielen Jahren? Gibt es da Tipps für die Rasenden, die gern von langen Beziehungen träumen, aber sich in den kurzen verlieren?

Mandy: Ja, das ist viel alte Schule dabei (lacht)... Im Ernst: Das kann man nur festhalten, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und die Dinge zusammenhält.

Mario: Genau, und die Musik ist für uns alle so eine Art Rettungsanker. Schon immer.

Stephan: Das klingt jetzt wie ne Küchenweisheit, aber zusammen Musik zu machen ist wirklich eine bewusst-qualitative Auszeit, irgendwie. Und diese Auszeit braucht es so sehr!

Mandy: Und dann noch mit Lieblingsmenschen!

Mario: Für die Rasenden: Einfach mal auf die Pausen achten.... ohne die kann sich keine Musik entfalten.

Stephan: Ganz genau, nach dem Motto „Sie kennen mich" einfach mal auf Erwartungshaltungen verzichten. Das muss dann auch einfach mal reichen.

Mandy: Das reicht. Für immer.

Ahoi: Danke, dass Ihr Euch Zeit für uns genommen habt. Und Danke für Eure Version von „Ich mache meinen Frieden". Ich liebe dieses Lied.

 Mandy, Stephan & Mario (singend): Dann fülle auf mit Rotwein, da könn' wir beide leben!

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