Die weltberühmte Tribute Show „One Vision of Queen" kommt nach Deutschland. Mit dabei: Marc Martel. Die Stimme des Kanadiers ist allzu leicht mit der von Freddy Mercury zu verwechseln. Ein Interview mit einem einmaligen Tribute-Künstler:
Ahoi: Sie haben mal erzählt, dass Sie in Ihrer Jugend kein großer Fan der Band Queen waren, heute sind Sie Teil einer weltberühmten Tribute Show. Wie kam es dazu?
Marc Martel: Als ich mit meiner alten Band (Downhere) auf Tour war, sagten mir die Leute immer wieder, dass ich so ähnlich wie Freddie Mercury klänge. Ich habe das immer als nettes Kompliment aufgefasst, mir aber nie vorgestellt, dass daraus etwas werden würde. Ich war vollkommen glücklich damit, mit meiner eigenen Band zu touren und Songs aufzunehmen. Als Queen-Schlagzeuger Roger Taylor 2011 beschloss, eine offizielle Queen-Tribute-Band zu gründen, meldete ich mich aus einer Laune heraus, um für die Band vorzusingen, um zu sehen, ob all die Leute, die mir sagten, ich würde wie Freddie klingen, Recht hatten. Natürlich hatten sie recht, und ich wurde von Roger und Queen- Gitarrist Brian May als Frontmann für ihre offizielle Tribute-Show ausgewählt.
Ahoi: Auf der Bühne nehmen Sie die Stimme von Freddy Mercury an. Wie viel von Ihrer Performance ist von Mercury inspiriert und wie viel sind Sie selbst?
Marc Martel: Als Künstler habe ich gelernt, mich so gut wie möglich in die Lage derjenigen zu versetzen, die meine Show besuchen. Was wollen sie sehen, hören, erleben? Ich denke, sie wollen einen Hauch von Nostalgie, aber auch etwas Neues. Es gibt jede Menge fantastischer verkleideter Queen-Tributes (mein Favorit ist Gary Mullen und seine Band). Aber was ich mache, ist etwas ganz anderes. Als langjähriger Platten- und Tourneekünstler möchte ich dem Publikum eine andere Perspektive bieten, etwas, das für mich als Künstler einzigartig ist. Ich betrete die Bühne ohne mich zu verstellen, als ich selbst. Das gibt mir die großartige Möglichkeit, meine eigene Geschichte zu erzählen und wie sie sich mit Queen überschnitten hat. Die Geschichte selbst ist ein bisschen seltsam, und ich liebe es, sie zu erzählen. Abgesehen davon war Freddie eine Ikone unter den Künstlern, und mir ist klar, dass einige meiner Zuschauer im Laufe der Show etwas von Freddie spüren wollen. Ich gebe also alles, eine sehr energiegeladene Vorstellung, und es gibt definitiv einige geschmackvolle „tips of the hat" (Anmerk. d. Red.: Redewendung für den Hut ziehen) auf die alten Queen- Aufführungen, die die Leute kennen und lieben.
Ahoi: Sie sind seit 2013 als Solokünstler tätig und machen auch eigene Musik. Inwieweit können und wollen Sie daran weiterarbeiten, während Sie Teil der Tribute-Show sind?
Marc Martel: Als ich aufwuchs, war es nie mein Wunsch, die Musik eines anderen zu singen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich bin fast zufällig in diese wunderbare und kuriose Queen- Welt geraten. Ich habe gelernt, wie ich aus der Queen-Tribute-Arbeit nachhaltig wahre künstlerische Freude und Erfüllung schöpfen kann. Es ist schwer, sich gegen Zehntausenden von Menschen zu behaupten, die jedes Mal durch die Türen kommen und mich unbedingt singen hören wollen. Ich habe mich immer auch als Songwriter gesehen und schreibe und nehme immer noch auf. Aber um ehrlich zu sein, ist meine größte Stärke - wenn ich die Dinge aufteilen würde - als Sänger und Performer aufzutreten. Ich finde das Gefühl so aufregend, einem Publikum die ganze Spanne menschlicher Erfahrungen, Emotionen und Kämpfe mitzuteilen, die Queen in ihr vielseitiges Repertoire gepackt hat. Ich liebe es, mit der Reihenfolge der Songs zu spielen, neue Wege zu finden, um altes Material zu präsentieren, neue Medleys aus der Musik von Queen zu kreieren, hier und da eine Melodie zu ändern und dabei immer im Rahmen dessen zu bleiben, was Freddie und Queen meiner Meinung nach bei ihren Konzerten gemacht hätten. Vor zehn Jahren habe ich mein erstes Soloalbum aufgenommen - ich liebe es immer noch sehr und bin sehr stolz darauf - und ich hoffe, dass ich bald ein weiteres Album veröffentlichen kann. Auch die Weihnachtsmusik beschäftigt mich das ganze Jahr über in den kleinen Zeitfenstern, in denen ich nicht unterwegs bin. Allein in den letzten 6 oder 7 Jahren habe ich fast 50 davon veröffentlicht. Ich habe gemerkt, dass 60-70 One Vision of Queen-Shows pro Jahr ein gesundes Gleichgewicht herstellen. Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Lage bin, selbst zu bestimmen, wie viel ich arbeiten möchte, denn ich kenne die andere Seite nur zu gut.



