Manche Interviews müssen, obwohl von Anfang an doch recht ernst gemeint, ins Bodenlose stürzen, gerade, wenn sich Protagonisten der hiesigen Szene äußern. Da kommt auch so manche Haltung ins Wanken oder muss neu definiert werden. Verwirrung gestiftet? Gut! Dann können wir ja beginnen. Das neue Album von Konfetti Cocktail scharrt mit dem Pferdefuß im Sand der Geschichte. Ahoi-Redakteur Volly Tanner fragt nach:
Ahoi: Einen feinen Tag Euch, Konfetti Cocktails. Am 2. Mai 2026 kommt es im Leipziger Bandhaus zur „Pullerparty“, wobei Euer, laut Presseinfo, erstes Full-Length-Album „Rummelplatz“ gefeiert werden soll. Jetzt stehe ich auf dem Schlauch: Ich hatte doch noch euer Album „Prügelknabe“ im Ohr. Wieso gibt es denn jetzt schon wieder ein erstes Album?
Hooomie: Bei den vorherigen musikalischen Sahnestücken wie „Hackepeter“, „Monster“ und auch „Prügelknabe“ handelt es sich um EPs mit jeweils nur fünf Songs. „Rummelplatz“ enthält elf großartige Hochzeitstorten, die wir in den letzten zwei Jahren produziert haben.
Don K.: Davon ist auch ein älterer Song aus unserem anfänglichen kreativen Schaffensprozess dabei. (schmunzelt jetzt schon, wahrscheinlich immer … Anmerkung der Redaktion)
Ahoi: Auf der Konfetti-Cocktail-Homepage stehen als Supporter „Names like Burdens“. Was ist das denn für eine Truppe? Und wo habt Ihr die ausgegraben?
Don K.: Names like Burdens sind wie wir aus Leipzig und erzeugen eine Atmosphäre, in der emotionale Lyrics und kraftvolle Gitarren auf dynamische Rhythmen treffen. Sie erinnern uns an unsere musikalischen Anfänge. Die Songs bewegen sich zwischen melodiöser Nachdenklichkeit und wütendem Kontrollverlust und schaffen dabei eine Klangwelt, die das Publikum in ihre Tiefen zieht. Einfach grandios.
Ahoi: Konfetti Cocktail stehen für tiefsinnige Texte, eine brachial-freundliche Krachwand an Musik und tüchtig Feuer unter dem Allerwertesten, gereicht von einer göttlich intonierenden Elfe plus vier bunten Fantasyfiguren aus Trollland. Wird auf dem „Rummelplatz“ weiterhin in dieselbe Kerbe gehauen oder gibt es Veränderungen fürs Volk, sogenannte Transformationsprozesse?
Fonzie: Teils, teils. Es ist diesmal strukturierter, die Songs sind nicht ganz so verschnörkelt. Es wirkt dadurch eingängiger und greifbarer für den Zuhörer. Eine Mischung aus mitreißenden Gitarrenriffs, punktiertem Chaos und eingängigen Melodien.
Heike: Als „göttlich intonierende Elfe“ hat mich noch keiner bezeichnet, aber daran könnte ich mich gewöhnen – und ich glaube, das ist ziemlich zutreffend auf dem Album zu hören. (schmunzelt ebenfalls)
Ahoi: Könnt Ihr Euch – obwohl es natürlich hieße, Eulen nach Athen zu tragen – mal den Unwissenden unter uns vorstellen? Wer seid Ihr und was macht Ihr, wenn Ihr mal nicht auf die Pauke haut?
Hooomie: Ich lebe in der Nähe der Stadt der Dichter und Denker, bin beruflich im Heilmittel-Hochfinanzsektor tätig. Privat oft in der Yogastellung in mich gekehrt, um meinen Akku für weiteren Hochspannungskonfettirummel aufzuladen.
Fonzie: Einerseits genieße ich die Natur auf Schusters Rappen, andererseits vertreibe ich mir die Zeit als Deal-Dompteur und Umsatzflüsterer.
Harry: Ich tauche ab in die Untiefen des Sounduniversums und schiebe bei verschiedenen Events die Regler in Harmonie.
Heike: Beruflich bin ich eine andere Version eines Mechanikers – nur ohne Öl, dafür mit deutlich mehr „Aua, genau da!“. Ich bringe die Anatomie des Menschen wieder ins Lot – sprich: Wenn Dein Körper beschlossen hat, spontan moderne Kunst zu werden, mache ich wieder ein halbwegs verständliches Strichmännchen daraus.
Don K.: Ich laufe mit der ewigen Flamme zum Olymp, um mich selbst zu besiegen. Ein ständiger Kampf, der sich für den Gegner oft als große Hürde erweist. Beruflich bin ich als Materialmagier unterwegs.
Ahoi: Wie kamt Ihr denn zum „Rummelplatz“? Wo und mit wem habt Ihr aufgenommen und wer hat an den Reglern geschraubt? Gibt es einen Verlag, ein Label, einen Vertrieb, eine Promoabteilung und Merch-Zeuxx?
Don K.: Mein lieber, verrückter Freund Bebe’ hatte die wunderbare Idee, das Album „Rummelplatz“ zu nennen. Mit ihm philosophiere ich schon immer über Themen, die man einfach mal in einem Song verarbeiten sollte. Er hat auch an einigen Textpassagen für das Album mitgearbeitet.
Harry: Das Album haben wir selbst produziert, und an den Reglern habe ich sehr viele Nächte verbracht. Ein Wahnsinnsprojekt, worauf ich persönlich sehr stolz bin.
Fonzie: Vertraglich sind wir weder bei einem Label noch bei einem Verlag. Merchandising haben wir immer bei unseren Live-Shows dabei. Unter www.konfetticocktail.de findet ihr auch unseren wundervollen Shop. Es gibt hier T-Shirts und Hoodies mit unserem Slogan „Piss nicht an den Elektrozaun“ und einiges mehr. Das Album „Rummelplatz“ in voller Länge wird es vorerst nur physisch geben und später auch bei Spotify und Co.
Ahoi: Sinnvoll ist es ja, mit einem Album auf Tour zu gehen. Wo geht es denn für euch hin? Wo können Außerleipzigsche euch demnächst so erleben?
Heike: Ja, wir haben noch echt super Clubs, in denen wir spielen: am 30.05. in Dresden (Puschkin), am 18.07. in Hettstedt (Steinberg Festival), am 22.08. in Berlin (SO 36), am 29.08. in Leipzig (Hellraiser), am 11.09. in Zwickau (Club Seilerstraße), am 09.10. in Hamburg (Logo), am 07.11. in München (Backstage) und am 12.12. in Göttingen (Musa).
Ahoi: Passend wäre es ja auch – nicht nur, um Eure Musik in die Welt zu pressen, sondern auch, um sie bekannt zu machen –, wenn Ihr euch mal bei DSDS oder GNTM oderoderoder vorstellt, vielleicht gar bei dieser internationalen europäischen Buntkultursause, dem Eurovision Song Contest. Wann sehen wir Euch denn endlich mal im Fernsehen? Wann geht’s international und bunte Blätter füllend durch die Decke? Was habt Ihr vor? Habt Ihr was vor? Erzählt doch mal bitte …
Don K.: Zum Eurovision Song Contest hatten wir mal eine Bewerbung mit unserem tollen Song „Stuhldruck“ hingeschickt, doch die Jury war, glaube ich, überfordert und leider nicht offen für das neue Darbietungslevel.
Ahoi: Dann wünschen wir Euch von ganzem Herzen, dass Ihr ganz vorn an der Front landet. Rock ’n’ Roll. Und: Thank You for the Music!


