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Gespräch mit Schlagersänger Nik P.

Vier Jahre des Wartens, die sich gelohnt haben

Seit dem 2. Juli ist das neue Album „Seelenrausch“ von Nick P. auf den Markt. Ahoi-Redakteurin Kathrin Reimer hat sich mit dem österreichischen Schlagersänger und -komponisten unterhalten. Sie konnte einiges darüber erfahren, wie es zu einzelnen Songs kam, aber auch, wie der Musiker persönlich die von der Corona-Pandemie geprägten Monate erlebt hat.

Das wird wirklich ein Seelenrausch, so Nick P. über seine 2022 geplanten Jubiläumstour. © Christian Barz

Ahoi: Nik, 4 Jahre mussten wir auf dein neues Album warten. Zuletzt hat sich das Veröffentlichungsdatum immer wieder nach hinten verschoben. Was war der Grund dafür?

Nik P.: Ja, das stimmt. Wir hatten es ursprünglich für Anfang 2020 eingeplant und mussten es dann wegen Corona immer weiter nach hinten schieben. Erst auf Weihnachten, dann ins neue Jahr. Schrecklich! Ich wusste schon gar nicht mehr, was ich meinen Fans noch sagen soll. Weil immer etwas Neues passierte. Konzerte wurden abgesagt, das Album wieder und wieder verschoben ...

 

Ahoi: Und dann kam ja auch deine eigene Corona-Erkrankung dazwischen, richtig?

Nik P.: Genau. Gleich Anfang 2020, als Österreich in den ersten Lockdown ging, hatte es mich erwischt. Wir haben unseren Ski-Urlaub beendet, sind nach Hause gefahren und eine Woche später ging es los. Mein Schatz Karin bekam die Symptome, die auf Corona hinwiesen, als erstes. Dann haben wir den Test gemacht – und tatsächlich. Zwei Tage später hat es auch mich erwischt. Ich hatte mit Fieber und Kopfschmerzen zu kämpfen und mit extremen Halsschmerzen, die ich in dieser Art noch gar nicht kannte. Ich hatte fast keine Stimme mehr und Angst um meine Stimmbänder. Karin hat es noch stärker erwischt. Sie musste sogar aufgrund von Schmerzen in der Lunge kurz ins Krankenhaus, durfte dann aber zum Glück schnell wieder nach Hause. Wir haben uns beide gut erholt. Heute geht es uns gesundheitlich wieder gut. Wir hoffen, dass es so bleibt – und dass uns keine Mutation erwischt.

 

Ahoi: Du hattest als Folge der Erkrankung eine Zeit lang mit Müdigkeit zu kämpfen. Ist auch das überstanden?

Nik P.: Ab und zu habe ich tatsächlich noch diese Müdigkeit und Abgeschlagenheit, die ich so zuvor noch nie erlebt habe. Direkt morgens nach dem Aufstehen. Da merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ich bin dann total fertig und habe so gar keinen Antrieb, etwas zu tun. Das kenne ich von mir überhaupt nicht. Alle paar Monate kommt ein Tag, an dem ich damit zu tun habe. Nach diesem Tag verschwindet es dann aber auch wieder. Das sind wohl die Nachwirkungen von Corona. Ich versuche immer, dagegen zu halten und trotz Abgeschlagenheit etwas zu tun, mich zu motivieren. Und dann wird es auch wieder besser. Karin geht es leider genauso. Sie leidet auch unter plötzlicher Müdigkeit. Seit der Corona-Erkrankung hat sie leider auch Probleme mit dem Atmen. Sie ist zuvor immer gern joggen gegangen. Das geht aktuell nicht mehr. Aber sie baut langsam wieder auf. Sie ist auf einem guten Weg.

 

Ahoi: Nach deiner Genesung hast du den Lockdown und das Plus an Zeit genutzt, um noch einmal an deinem Album zu tüfteln ...

Nik P.: Das Album war eigentlich schon fertig und ich bin dann noch mal rangegangen. Die zusätzliche Arbeit hat sich ausgezahlt und ich bin froh, dass wir die Zeit für die Überarbeitung hatten. Das hat dem Album wirklich gutgetan.

 

Ahoi: Gab es noch andere Dinge, denen du dich in dieser Zeit vermehrt gewidmet hast?

Nik P.: Natürlich! Ich habe mich sehr viel mit unserem Garten beschäftigt, was ich vorher nie getan habe. Wir haben ein eigenes Gemüsebeet angelegt. Salat, Karotten, Bohnen, Tomaten. Es macht richtig Spaß und Freude, zuzuschauen, wie alles wächst und gedeiht. Raus in den Garten zu gehen und einen Salat fürs Abendessen holen zu können. Das ist super! Auch mussten wir uns keine Gedanken machen, wer sich um den Garten kümmert, wenn ich nicht da bin. Denn ich war ja immer da.

Ahoi: Für dich als Schlagersänger war das sicher ungewöhnlich, so lange am Stück zu Hause zu sein. Wie hast du die Zeit erlebt?

Nik P.: Es war verrückt! Am Anfang haben wir in unserem Zuhause immer wieder Dinge angepackt, die wir davor ewig verschoben haben. Renovierungsarbeiten und, und, und. Wir haben das Haus von Innen und Außen umgestaltet. Man hatte eben auf einmal die Zeit dazu. Natürlich war das schön. Aber es ist auch schrecklich, eineinhalb Jahre zu Hause sitzen zu müssen. Man muss sich das vorstellen: Ich stehe seit meinem 19. Lebensjahr unentwegt auf der Bühne. Ich hatte noch nie eine so lange Auszeit wie jetzt! Sie tut mittlerweile richtig weh und es ärgert mich wahnsinnig, dass immer wieder Hoffnungen gemacht wurden und die Seifenblase dann zerplatzt ist. Ich denke immer positiv, aber mittlerweile ist es schwer. Konzerte, die wir im Sommer spielen wollten, wurden schon wieder verschoben. Man kann nichts tun, außer zu Hause zu bleiben. Da fällt einem einfach irgendwann die Decke auf den Kopf. Aber jetzt schauen wir mal, ob die positiven Entwicklungen anhalten.

Ahoi: Man denkt ja viel nach, wenn man so viel zu Hause ist, durchlebt vielleicht die eine oder andere Situation seines Lebens noch einmal. Hast du das auch in deinen Songs verarbeitet?

Nik P.: Natürlich. Ich werde jetzt 59 Jahre alt. Als ich 2017 das letzte Album veröffentlicht habe, habe ich gemerkt, dass irgendwie die Luft raus ist. Ich habe in 20 Jahren 18 Alben veröffentlicht. Das war eine Menge Arbeit! Da ich komponiere, texte und auch produziere, ist das immens. Und nebenbei war ich noch auf Tournee. Ich habe einfach gemerkt, dass ich mich zurückziehen muss. Ich brauchte eine Auszeit, musste mich sammeln, neu orientieren, neue Themen finden. Mich ein bisschen umschauen und etwas ruhiger treten. Ich war ja fast wie ein Getriebener in diesen 20 Jahren. Und diese zwei Jahre haben mir wirklich gutgetan. Dann habe ich 2019 angefangen, neue Songs zu schreiben. Hatte die Muse dazu. Habe vieles verarbeitet. Ich war ganz stolz, als es fertig war. Ich dachte: Super, jetzt kann ich meinen Fans wieder etwas anbieten!

 

Ahoi: Und dann Pustekuchen... Corona!

Nik P.: Genau. Corona hat dann dazu beigetragen, dass die Auszeit verlängert wurde. Und man denkt mit 59 Jahren dann doch auch an die Endlichkeit des Lebens. Speziell in dieser Zeit, in der wir an Corona erkrankt waren. Zu dieser Zeit wusste man noch nicht so viel über die Krankheit. Wir sahen Bilder aus Italien, sahen Menschen sterben. Wenn du das Virus dann selbst hast, ist das erschreckend. Da kommst du natürlich ins Grübeln. Werde ich das überleben? Gerade in dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass die Texte und Songs des neuen Albums super in die Zeit passen, in der wir da gerade leben, obwohl sie vor Corona entstanden sind. Durch meine Auszeit hatte ich mir einfach schon zuvor zu vielem Gedanken gemacht.

 

Ahoi: Ein sehr tiefgründiges, reflektiertes Album also, auf das die Fans sich freuen dürfen ...

Nik P.: Meine Sicht auf das Leben hat sich natürlich mit meiner Reife und meinem Alter entwickelt. Man sieht das große Ganze einfach etwas anders, ist reifer und gelassener geworden. Diese Reife wollte ich auf dem neuen Album auch anklingen lassen, das war mir wichtig. Songs wie „Wer teilt die Farben aus“ oder „Da um zu leben“ oder „Der Clochard“ – das sind eigentlich keine Schlager. Aber ich war immer einer, der gesagt hat, dass Schlager auch Botschaften verträgt. Ich habe das immer versucht und getan und wurde darin bestätigt. Die Menschen nehmen auch im Schlager Botschaften an und wollen sie auch.

 

Ahoi: Gerade die erste Singleauskoppelung „Wer teilt die Farben aus“ ist da ein gutes Beispiel. Im Video zu dem Titel verarbeitest du den Tod deiner Mutter und auch den Alkoholkonsum deines Vaters. Hattest du an diese Szenen schon beim Schreiben des Songs gedacht?

Nik P.: Nein! Den Text schrieb meine Autorin Andrea Gutmann. Als sie mir den Text übermittelte sah ich viele Parallelen zu meinem Leben.  Schon seit meiner frühesten Kindheit habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt. Wer bestimmt eigentlich die Dinge, die dir oder anderen passieren? Warum geht es dem einen gut und dem anderen schlecht? Damit habe ich mich als neunjähriger Junge befasst, als meine Mutter starb. Da war immer diese große Frage: Warum musste sie jetzt schon gehen? Das habe ich natürlich mitgenommen in mein Leben. Und immer wieder sind Dinge geschehen, bei denen ich mich gefragt habe, warum das genau dem oder mir passiert. Hätte ich diesen Song schon mit 20 gesungen, hätte ich ihn vermutlich nicht mit dieser Glaubwürdigkeit und dieser Intensität singen können. Das muss man mit einer gewissen Lebensweisheit singen.

Ahoi: Du singst in „Wer teilt die Farben aus“ auch, dass das Leben dir noch einige Antworten schuldig ist. Um welche Antworten geht es dir noch?

Nik P.: Nun ja, wenn mich jemand fragt, was der Sinn des Lebens ist, kann ich das zum Beispiel nicht beantworten. Wer kann das schon? Warum sind wir hier? Warum gehen wir wieder? Was hat das für einen Sinn? Keine Ahnung. Für mich persönlich besteht der Sinn meines Lebens darin, dass ich diese Begabung bekommen habe, Songs zu schreiben. Und wenn ich dann auf der Bühne stehe und den Leuten mit meinen Liedern eine Freude machen kann, dann ist das für mich mein Sinn. Ich kann nur glücklich sein, wenn ich andere glücklich machen kann. Ich kann nur Glück empfinden, wenn das andere auch tun. Wenn ich jemand bin, der Glück weitergeben kann – dann ist das in meinen Augen das größte Glück auf Erden. Wenn ich tausenden Menschen mit einem Konzert eine Freude machen kann. Wenn ich mit meiner Begabung ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubern kann. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl! Das ist das größte Glücksgefühl, das man erleben kann.

 

Ahoi: Da kommt sie raus, die Energie, die man auch in dem Titel „Da um zu leben“ deutlich spürt.  Was gibt es noch in deinem Leben, das dich glücklich macht?

Nik P.: Ich bin Vater von vier Kindern und Opa von zwei Enkelkindern. Drei meiner Kinder haben ihren Weg schon gefunden und sind selbstständig. Der Jüngste geht jetzt in die Schule. Alle sind gesund. Meine älteste Tochter hat mir zwei Enkelinnen geschenkt, Luna und Soey. Zwei ganz süße Mädchen! Und sie sind beide so stolz auf ihren Opa. Immer wenn sie mich im Fernsehen sehen, singen sie meine Lieder und klatschen mit. Da bin ich natürlich auch stolz, dass sie stolz auf mich sind und meine Lieder mögen. Das ist schon ein großes Glück, dass ich da erfahren darf.

 

Ahoi: Und dann gibt es natürlich noch deine Freundin Karin, mit der du seit fast vier Jahren zusammen bist ...

Nik P.: Ja, im Herbst 2017 habe ich sie kennengelernt. Direkt nach meiner Scheidung. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich eigentlich gar niemanden kennenlernen und gar keine Beziehung eingehen wollte. Ich wollte meine Ruhe – und plötzlich steht plötzlich diese Frau vor mir! Und ich habe mir damals gedacht – scheiße (wenn ich das so sagen darf). Mein Herz spielt verrückt und mein Kopf will das eigentlich gar nicht. Aber man kann sich nicht wehren und heute bin ich unendlich froh, dass ich dieser Frau begegnet bin. Wir haben bald vier wunderschöne Jahre hinter uns und auch diese Corona-Krisenzeit gemeinsam überstanden. Ich bin froh, diesen Menschen kennengelernt zu haben. Sie zählt heute zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben.

 

Ahoi: Ist einer der Songs auf deinem neuen Album Karin gewidmet?

Nik P.: Keinen speziellen Song. Aber sie sitzt hinter mir beim Schreiben, ist immer an meiner Seite. Mit ihrer Liebe und ihrer Achtung und ihrem unglaublichen Gefühl gibt sie mir immer wieder Themen und Nahrung für meine Texte und meine Musik. Sie hat einfach diese Begabung, immer für mich da zu sein und mich das auch spüren zu lassen. Das ist einfach ein unglaubliches Geschenk. „Weil du liebst wie du lebst“, zum Beispiel – das ist Karin, so habe ich sie beschrieben. Sie ist einfach immer gut aufgelegt. Wenn du mit ihr zusammen bist, dann musst du einfach lachen und Spaß haben. Das geht gar nicht anders. Das liebe ich so an ihr.

 

Ahoi: Denkt ihr beide eigentlich auch ans heiraten?

Nik P.: Es gibt einen James Bond-Film, der heißt „Sag niemals nie“. Was kann das System der Ehe dafür, dass sich zwei Menschen nicht vertragen. Ich glaube trotz meiner gescheiterten Ehen noch immer an das große gemeinsame Glück. Nur ist es momentan kein Thema. Wir sind beide davon geprägt, dass viele Dinge im Leben oft nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Aufgrund dessen sind wir beide eher vorsichtig mit diesem Thema. Wir wissen: Wenn wir das wollen, müssen wir es beide wollen. Zu 100 Prozent.

 

Ahoi: Du bist bald bei der mdr-Sendung „Riverboat“ in Leipzig zu Gast. Hast du zu der Stadt eine besondere Verbindung?

Nik P.: Ich liebe diese Stadt. Leipzig hat sich super entwickelt! Es ist eine große Universitätsstadt und das spürt man auch. Wir haben schon oft Konzerte in Leipzig gegeben. Wenn wir eine Tournee machen, mache ich hier immer Station. Vor ein oder zwei Jahren hatte ich eine lustige Begegnung in Leipzig. Ich ging über den Weihnachtsmarkt und habe etwas gebummelt. Da kam mir in der Fußgängerzone ein Postbeamter entgegen, blieb erschrocken stehen und sagte: „Du bist doch Nik P.!“ Dann habe ich ganz verdutzt gesagt: „Ja, ich bin Nik P.“ Er sagte: „Schön, dass du in unserer Stadt bist! Ich bin ein großer Fan von dir.“ Er wollte unbedingt ein Foto machen und hat es am nächsten Tag auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht. Das fand ich so lieb und so nett – wie er da einfach erschrocken stehen geblieben ist. Man hat ihm richtig angesehen, dass er dachte: Wie kommt der denn jetzt hierher? Das war ein schöner Moment. Das ist auch das Schöne an diesem Beruf. Wenn die Menschen sich freuen, dich zu sehen. Wenn sie sich mit der Musik, die du machst, identifizieren.

Ahoi: Was für ein schönes Erlebnis! Kannst du schon Aussagen zu Konzertplänen machen oder ist das noch zu früh?

Nik P.: Wir hatten Konzerte angesagt, die jetzt wieder verschoben werden. Es ist schwierig. In meiner Heimat Klagenfurt wird es ein paar geben, aber mehr weiß ich noch nicht. Ich kann meine Fans nur bitten, immer auf der Website nachzusehen. Es ist eine schwierige Zeit. Man kann nicht groß planen, weil man nicht weiß, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr zu meinem großen Jubiläum – 25 Jahre Nik P. – eine Jubiläumstour machen können. 25 Jahre bin ich dann in dieser Branche – das wird wirklich ein Seelenrausch!

Wir freuen uns drauf! Danke Nik, für das spannende Interview!

Nick P.
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