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  • Interviews
Gespräch mit TRAILRIDERS-Gründer Koma Kschentz

Das lebendige Herz einer großartigen Kultur

TRAILRIDERS auf dem Weg zu uns © Thomas Noweski

Das politische Betreuerdenken spielt den Hiesigen im flotten Wandel immer neue Bösewichte in die Timeline. Waren vor einigen Jahren noch Menschen, die an die amerikanische Administration glaubten, feine Leute, sind jetzt alle, die die amerikanische Administration nicht in Grund und Boden verteufeln, finstere Leute. Gern wird auch gleich noch die ganze Kultur pauschalisiert; wahlweise als dämlich, trottelig, abzuwerten oder fantastisch, göttlich, unterstützenswert geframt.

Koma Kschentz und seine Mitgardistinnen und -gardisten lassen sich aber nicht beirren und feiern weiterhin, politisch völlig unabhängig, die Kultur von der anderen Seite des großen Teichs. Dafür gibt es jetzt die TRAILRIDERS als neue Formation, die echt ist, live und voller Herzensblut. Musik für Menschen, die sich dem echten Leben stellen; Musik für Leute, die mehr als nur digitalisiert werden wollen. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit Koma Kschentz: 

Ahoi: Guten Tag Koma Kschentz. Es freut mich zu hören, dass eine neue Band antritt, um uns daran zu erinnern, dass es auch noch Verlässlichkeit und Standhaftigkeit gibt. In Persona und im Rock and Roll. Kannst Du uns mal bitte erzählen, warum es zur Gründung der TRAILRIDERS kommen musste in KI-verseuchten musikalischen Zeiten?

Koma: Hallo und guten Morgen! Da sagst du etwas Wahres, es musste zur Gründung kommen! In den letzten zwei, drei Jahren habe ich mich etwas neu sortiert, Bands verlassen, bin in eine bestehende Band eingestiegen, und durch Corona war ich auch beruflich etwas anders aufgestellt. Da es aber schon lange klar war, dass ich mich irgendwann wieder mehr auf das Musikmachen konzentrieren will, versuchte ich parallel dazu eine Zeit lang mit verschiedenen Musikern ein Cover-Rock Trio zu gründen, was aber scheiterte. Doch plötzlich hatte ich einen Geistesblitz, und in meinem Kopf war glasklar, mit wem ich diese Band gründen muss. Daraus sind die TRAILRIDERS entstanden.

Ahoi: Und wer macht alles mit und wie seid Ihr verbunden?

Koma: Rik „Paul“ Ullrich an Gitarre und Gesang, Silke von Durschefsky a.k.a. „Miss Whisky“ an Bass, Gesang und Gitarre und meine Wenigkeit an der Trommeln. Die zwingende Notwendigkeit dieser Besetzung ergibt sich daraus: Mit Paul spiele ich auch in der ELSTERBLUESBAND, Paul und Miss Whisky spielten früher einmal bei WANTED TAMBO TOCO zusammen und ich wiederum spielte mit ihr mehrere Jahre bei JOE'S COMPANY. Wir kennen uns recht gut und haben einen freundschaftlichen und musikalischen Draht zueinander und nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken hatten wir eine musikalische Vision. Beste Voraussetzungen für eine Bandgründung. Und nach cirka acht Monaten Suchen, Ausprobieren und zu uns selbst Finden sind wir jetzt eine Einheit, die bereit ist, auf die Menschheit losgelassen zu werden.

Ahoi: Der erste Gig, das erste Erleuchten, findet ja im Basa Mo bei unserem Freund Jerry statt. Warum denn dort? Und wann genau? Und soll es auch support-Bands geben?

Koma: Wir hatte mehrere Locations im Auge und von all diesen erschienen uns die Bedingungen im Basa Mo am besten geeignet für unsere Premiere. Als ich dort mal bei einer befreundeten Band zu Gast war, gefiel mir außerdem die Atmosphäre und die Akustik des Raumes. Das Ganze wird Pfingstsamstag am 23.05. stattfinden. Eine schöne Alternative für Menschen, die nicht beim WGT zu Gange sind. Als Support-Act konnten wir Stefan Saffer mit seinem Soloprogramm gewinnen. Auch ein alter Freund im Geiste, mit ihm spielte ich neun Jahre in der STEFAN SAFFER BAND. Und wer es verpasst, verpasst etwas!

Ahoi: Ihr schlürft Honig aus der amerikanischen Kultur. Nun ist diese im Moment in unserem naseweißen Land nicht gerade gut gelitten, außer sie wird von Musikantinnen und Musikanten mit „klarer Haltung“ fabriziert. Ihr macht es trotzdem und nicht nur mit den Wurzeln in der derzeit angesagten Richtung. Warum?

Koma: Unser Gitarrist Paul hat es mal auf den Punkt gebracht: Ob im Blues, Country, Rock’n’Roll oder Jazz – bis hin zu Funk und moderneren Formen der Rockmusik, die amerikanische Musik ist voller Facetten, die entdeckt, bearbeitet und vielleicht auch miteinander verbunden werden wollen. In all diesen musikalischen Stilen kann man das lebendige Herz einer großartigen Kultur schlagen hören. Und egal, welche Figuren die politische Weltbühne gerade bevölkern, hier kann man Wahrhaftigkeit erfahren. Das war vor fünfzig Jahren schon erlebbar und so wird es auch sein, wenn diese längst die Bühne verlassen haben werden. Und wir, die TRAILRIDERS, als ein Trio von seit Jahrzehnten eingespielten Musikern, fühlen sich in Dankbarkeit verpflichtet, unseren Beitrag zu leisten und ein Programm abzuliefern, welches es in sich hat. Hier ist Authentizität erlebbar! Entfacht allein durch die Liebe zu einer großen Kultur verbinden wir unsere Intension und künstlerische Auffassung mit der Vielfalt amerikanischer Musik.

Ahoi: Wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die selbst im Pop-, Punk-, Metal- oder Rockzirkus mitspielen, erzählen die mir von riesigen Herausforderungen derzeit, um den Lebensunterhalt zu verdienen und an das Publikum auch längerfristig zu kommen. Welche Erfahrungen machst Du da gerade als „Alter Hase des Rock“, der Du ja bist.

Koma: Nun, wenn es einfach wäre, dann wäre es vielleicht auch langweilig. Ich mag diese Herausforderungen. Ich habe diesbezüglich eigentlich gute Erfahrungen gemacht die letzten Jahre. Es gibt Auftrittsmöglichkeiten, es gibt ein Publikum. Das Interessante in nächster Zeit wird sein, die TRAILRIDERS zu etablieren. Wir werden wahrscheinlich etwas aufgeregt sein bei unserer ersten Mugge, bei so einer Premiere soll sich ja auch zeigen, ob wir damit begeistern können und ob im besten Falle ein Funke zum Publikum und wieder zu uns überspringt. Aber wir sind optimistisch, es scheint Interesse an uns zu bestehen.

Ahoi: Die Literatur- und Musikbranche wird ja auch durch KI erschüttert, spürst Du da Nachbeben auch in Deiner Hood? Erzähl mal bitte …

Koma: Als seit der Kindheit von Science Fiction-Filmen infiltrierter Mensch stehe ich sogenannter künstlicher Intelligenz skeptisch gegenüber und bin gleichzeitig davon fasziniert. Ich persönlich finde es spannend, in meinem Leben noch Dinge zu erleben, die ich aus Zukunftsgeschichten kenne. Aber aus meiner Sicht bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns damit auseinander zu setzen, das Ganze fängt ja gerade erst an und ich vermute, die Veränderungen werden in vielen Bereichen drastisch sein. Da wir unsere Knete damit verdienen, live vor Publikum zu spielen, erschüttert uns da im Moment gar nichts. Da kann die KI uns nicht so schnell ersetzen. Allerdings kann ich mich erinnern, in Jim Whitings Bimbo Town mal einem Konzert eines Roboters an einem Schlagzeug beigewohnt zu haben, also wer weiß...

Ahoi: Nach Eurem Gig im Basa Mo geht es natürlich auch weiter mit den TRAILRIDERS. Aber wie und wo?

Koma: Logisch, die ersten Termine stehen schon oder sind in Planung. Fest stehen auf jeden Fall der 12.06. bei einem kleinen Festival auf dem Freisitz vom „Bill Hart“ in der Wolfgang-Heinze-Straße in Leipzig und am 19.09. zum Open Air in Dreiskau-Muckern. Man kann es über unsere Facebook Seite in Erfahrung bringen: facebook.com/trailriders.leipzig. Noch vor unserem ersten Konzert und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Interviews wird unser erstes Video online sein über: youtube.com/@trailriders.leipzig. Man wird auf jeden Fall noch von uns hören.

Ahoi: Ein Koma hat meist mehrere Hände in verschiedenen Feuern. Wo spielst Du den derzeit noch mit? Oder sind die TRAILRIDERS jetzt das Pferd, auf dem Du planst, in die ewigen Jagdgründe einzureiten?

Koma: Na, zumindest hoffe ich, lange mit dieser Band spielen zu können. Die TRAILRIDERS sind musikalisch ein bisschen ein Bindeglied zwischen den beiden anderen Bands, in denen ich aktuell noch aktiv bin. Zum Einen wie gesagt Blues'n'Roll mit der ELSTERBLUESBAND und seit zwei Jahren spiele ich noch mit den ROKKERS, einer Band, welche dem Rock, Hard Rock und Metal frönt. Drei Bands finde ich kopfmäßig und organisatorisch noch überschaubar, ohne mich zu verzetteln. Was ich jetzt auch unbedingt weiter forcieren will, ist mein Soloprojekt DrumKoma, bis jetzt hab ich es lediglich geschafft, ein Demo über YouTube zu veröffentlichen. Zu finden hier: youtube.com/@komaondrums. Dafür will ich in Zukunft auf jeden Fall etwas mehr Zeit investieren.

Ahoi: Dann hoffen wir, dass das Basa Mo brummt und Euch immer volle Hütte. Und dem Rock and Roll eine Zukunft. Lass rocken!

Koma: Yippie yeah und danke für das Gespräch!

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