//
//
  • Interviews
Im Gespräch mit Gerhard Pötzsch

Blumen für die Underdogs und Rainer Klis

Gerhard Pötzsch stellt am 7. August in der Moritzbastei das Buch „Blumen für den Underdog“ von Rainer Klis vor © Lingelbach

Was bleibt, wenn jemand nach einem ereignisreichen Leben geht? Die Frage stellt sich immer wieder, schließlich wollen wir Menschen in den meisten Fällen Spuren im Sand hinterlassen. Doch was ist nach der nächsten Welle, die diese Spuren wegspült? Künstler beispielsweise hinterlassen Ideen, Bilder, Musik und Texte. Und diese wirken auch postum. Jetzt kommt das Buch „Blumen für den Underdog“ von Rainer Klis heraus, der schon länger gegangen ist. Und durch seine Texte bleibt. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit Gerhard Pötzsch, der das Buch in der Moritzbastei vorstellen wird.

Ahoi: Guten Tag, Gerhard Pötzsch. Am 7. August liest Du in der Moritzbastei aus dem postum erschienenen Buch von Rainer Klis „Blumen für den Underdog“. Wie kam es dazu, dass Du der Vortragende wurdest?

Gerhard Pötzsch: Der Mitteldeutsche Verlag hat mich angefragt. Die Kurzprosa von Klis „Der Aufstand der Leser“ von 1983 hat mich schon damals für sein Schreiben eingenommen. Insofern hat sich da etwas ganz glücklich gefügt. Und dann erfuhr ich auch noch, dass „Joe“ Sachse mit seiner Kunst den Abend bereichern wird. Da musste ich einfach JA sagen!

Ahoi: Und was verbindet Dich mit Helmut „Joe“ Sachse, der ja an dem Abend Musik machen wird?

Gerhard Pötzsch: Als junger Mann war ich oft bei seinen legendären Auftritten. Jazz bedeutete mir immer Freiheit. Was „Joe“ Sachse mit seinem Instrument anstellte - und immer noch anstellt, fasziniert mich ungebrochen bis heute.

Ahoi: Rainer Klis war ein König der kurzen Form, ein Poet der Kurzgeschichte. Ich kenne das Buch schon, Du ja auch. Was sind die Themen und welche Typen treten zutage?

Gerhard Pötzsch: Klis schreibt knapp und sehr präzise. Er verfügt dabei über die Gabe, ungeschönt über die Schönheit des Lebens zu erzählen. Er eröffnet Räume und zeigt uns Möglichkeiten des Mensch-Seins.

Ahoi: Der Underdog als gesellschaftliche Erscheinung findet heutzutage kaum noch literarisch statt. Du selbst hast in Deinen Büchern diesen Typus auch geehrt. Wo sind die Underdogs denn heute alle hin?

Gerhard Pötzsch: Das frage ich mich auch. Manchmal denke ich, dieses ewige „schneller - weiter – höher“ überfordert uns. Wir sind schließlich immer noch die gleichen Steinzeitmenschen, die wir, seit tausenden von Jahren, immer schon waren. Ich bemühe mich zunehmend um weniger Tempo und um mehr Gelassenheit. Vielleicht ist das aber auch nur mein persönlicher Tribut ans Alter ...

Ahoi: Für die Menschen, die gar nicht wissen, wer Rainer Klis war – ich durfte mit ihm ja schon auftreten, als er noch lebte, beim Börtewitzer Lesefest in der Organisation der wunderbaren Regine Lemke – kannst Du uns etwas über ihn erzählen? Wer war Rainer Klis?

Gerhard Pötzsch: Ich habe Rainer Klis nie persönlich getroffen. Hat sich einfach nicht ergeben. Aber wir haben ja seine Texte.

Ahoi: Wie muss ich mir denn den Abend in der MB vorstellen?

Gerhard Pötzsch: „Joe“ Sachse wird Musik machen. Ich werde Texte von Klis lesen, und wir alle gehen um einiges reicher wieder nach Hause. So wird es sein.

Ahoi: Dann hoffe ich jedenfalls, dass möglichst viele Menschen den Underdogs Blumen geben und dass die Veranstaltung gut gefüllt ist. Danke für Deine Zeit und deine Antworten.

Infos zur Veranstaltung gibt es hier

Infos zum Buch gibt es hier

« zurück
zur aktuellen Ausgabe