Olivia Vieweg kommt nach Leipzig und stellt ihre Graphic Novel „Fangirl Fantasy“ in der Moritzbastei vor. Was die Erfolgskünstlerin mit Star Trek zu tun hat und wie sie beispielsweise über Antigone stolperte, erzählt sie Ahoi-Redakteur Volly Tanner im Interview.
Ahoi: Guten Tag, Olivia Vieweg. Am 12. Dezember 2024 gibt es in der Moritzbastei eine Comiclesung, die Vernissage und ein Werkstattgespräch zu „Fangirl Fantasy“. In Ihrer Graphic Novel geht es um dem „Rom-Com“-Star Allan Dale. Was ist denn ein Rom-Com-Star?
Olivia Vieweg: Ich mag Tom Hanks in seinen Rom-Coms aus den 90ern sehr gerne. Er ist witzig, emotional und einfach wahnsinnig sympathisch in „Schlaflos in Seattle" und „E-Mail für dich". Ansonsten hab ich keine großen Favoriten. Wenn es nach mir ginge, dürfte jeder große Star mal Held einer Rom-Com sein.
Ahoi: Allan wird von drei Fangirls in Schwierigkeiten gebracht. Da blinkt Steven Kings „Misery“ durch, das Buch, in dem der Literatur-Star Sheldon Schwierigkeiten bekommt. Wie viel Horror ist in „Fangirl Fantasy“ zu finden?
Olivia Vieweg: Es ist schon einiges an Horror drin, ich bin ja selber großer Fan des schaurigen Erzählens. Aber es wird auch viel durch Humor aufgelockert. Mir war wichtig, dass es keinen Exzess der Gewalt wie bei „Misery" gibt. Dort ist ja schon sehr klar, dass der Star „der Gute" ist und sein Fan „die Böse". Das ist bei mir weniger extrem ausgeprägt. Obwohl auch meine Fans am Ende schuldig sind.
Ahoi: Sie sind unbenommen ein Star der Szene, haben Preise bekommen, gar den Tankred Dorst Preis (Bestes Drehbuch) und den Rudolph Dirks Award. Dabei haben Sie ein Herz für Menschen, die Star Trek für wichtig halten. Sogar im Buch. Wie kommt es? Es gibt ja auch immer so einen Zwist (auch bei mir im Büro) zwischen Star Wars- und Star Trek-Enthusiasten.
Olivia Vieweg: Star Trek mit Star Wars zu vergleichen ist eigentlich nie fair, weil es zwei sehr unterschiedliche Universen sind. Star Trek hat einen starken Bezug zur Realität und versucht, aktuelle Konflikte in der Zukunft aufzulösen oder eben zu erzählen, dass manches nicht gelöst werden kann. Während Star Wars größere Ähnlichkeit mit dem Fantasy-Genre hat und sich viel weiter von unserer Welt entfernt. Dadurch bekommt es etwas Magischeres, allein schon weil Gut und Böse eine große Rolle spielen. Star Trek bewegt sich da viel deutlicher in Grau-Zonen. Deswegen mag ich es lieber.
Ahoi: Für das Buch „Antigone“ haben Sie sich mit dem alten, weisen Mann Sophokles zusammengetan. Nun ist dieser schon etwas länger nicht mehr hier auf unserem Planeten. Wie haben Sie sich mit dem Text auseinandergesetzt? Und warum gerade Antigone?
Olivia Vieweg: Ich kannte Antigone aus der Schule, denn sonst bekommt man ja ehrlicherweise selten Kontakt zu solchen Stoffen. Ich mochte damals, dass es eine unheimliche Note hat. Denn Antigones Bruder liegt ja tot in der Wüste und sie drängt darauf, dass er endlich beerdigt werden muss. Bei meiner späteren Auseinandersetzung mit dem Text als Comicvorlage war ich überrascht, wie modern die Erzählung ist. Dass es da ganz genauso schon darum geht, wie ein Herrscher sich nichts von einer jungen Frau sagen lassen will, weil das gegen seine Würde ist. Lieber riskiert er den Untergang, als der jungen Generation zuzuhören.
Ahoi: Sie wurden in Jena geboren, leben jetzt in Weimar. Gibt es für Sie Unterschiede gegenüber Menschen, die in Kassel oder Hannover geboren wurden oder dort leben, rein die Comic-/ Graphic Novel-Szene betreffend? Wenn ja, welche?
Olivia Vieweg: Größere Städte haben natürlich immer mehr Möglichkeiten, da ist Weimar nicht der Nabel der Welt. Aber durch die Uni kann man auch hier viele Leute treffen, die Comics lieben und sich fürs Zeichnen begeistern. Ich weiß es zu schätzen, in einer kleinen Stadt zu leben, solange es immer mal wieder Reisen in großen Metropolen und andere Länder gibt. Ich liebe Japan, aber es fühlt sich auch gut an, wieder in good old Weimar zu landen.
Ahoi: Ist „Fangirl Fantasy“ auch am 12.12.2024 mit Signatur von Ihnen in der Moritzbastei kaufbar?
Olivia Vieweg: Auf jeden Fall, ich signiere gerne meine Bücher, inklusive Zeichnung.
Ahoi: Danke, Olivia Vieweg, für Ihre Zeit und Ihre Kunst.


