Als vor 30 Jahren das Flower Power erstmals seine Türen öffnete, atmete Gastro-Leipzig auf. Endlich konnte nach Leibeskräften gefeiert werden und dabei durfte sogar dem Rock gefrönt werden. Live-Nächte, trunkene Freundschaften und ganz viel Herzblut später existiert der legendäre Blumenkraft-Erzeuger weiterhin, auch, wenn allerorten der Schmalhans Küchenmeister ist. Zu verdanken haben wir dies dem jugendlichen Übermut des frühen André Streng. Was er jetzt macht, was gefeiert wird am 7. November und wie es ihm zwischenzeitlich ging, erfragte Ahoi-Redakteur Volly Tanner, der einstmals Jahre als DJ im Flower Power verbrachte, direkt beim Altmeister Streng:
Ahoi: Guten Tag André Streng. Wir feiern am 7. November 2026 das 30jährige Bestehen des mittlerweile legendären und glücklicherweise immer noch für Fans der Blumenkraft geöffnete Flower Power. Du warst Gründer und Besitzer und Visionär. Was hat Dich vor 30 Jahren in die Gastro-Szene getrieben? Weshalb gibt es das FloPo?
André Streng: Ich war als Kellner ein bunter Hund in der Leipziger Gastronomie in den Nachwende-Jahren mit Stationen zum Beispiel in der Diskothek Youtoo, der Gosenschenke, Speedy Gonzalez/Sancho Pancha, Chopper und Opera und nach einigen Jahren hatte ich aus einem kleinen Minderwertigkeits–Komplex heraus die Idee, dass die Gäste mir doch einen Schritt entgegenkommen könnten. Dieser Schritt war das Öffnen meiner eigenen Kneipentür in meiner Fantasie. Und dann würde ich alles geben, um diese Gäste glücklich zu machen.
Ahoi: 2017 wurden die Zügel in die Hände Deines Bruders Daniel Weise gegeben. Warum eigentlich?
André Streng: 2016 kündigten meine beiden Betriebsleiter Ramona und Strobi leider. Ich sah mich nicht in der Lage, ein neues Team zu formen und fragte meinen Gastronomen–Bruder Daniel, ob er das Familien–Unternehmen weiterführen möchte. Daniel war schon in jungen Jahren Betriebsleiter im Flowerpower Halle und hatte auch mit seinem Gastro-Konzept „La boum" auf der Karli viel Erfolg und Erfahrung gesammelt.
Ahoi: Das große Feiern am 7. November geht natürlich nur, wenn etwas mehr als Thekenbetrieb ist. Was gibt es denn am 7. November als Specials?
André Streng: Aus Tradition gibt es ab 19:00 Uhr natürlich ordentlich Freibier und die ganze Nacht „Kurze“ gratis. Zwei tolle Live Bands aus der Gegend werden für ordentlich Stimmung sorgen: 21:00 Uhr MoonEcho und 22:00 Uhr die neue Band Trailriders der Leipziger Musiker–Legenden Miss Whisky, Koma und Paul, die alle schon Jahrzehnte lang das Flowerpower unterstützt und gerockt haben. Die ganze Nacht freuen sich unsere Star–DJs Maik und Dirk, eure Wunsch-Titel der letzten 50 Jahre zu spielen. Drei Generationen Flowerpower sind persönlich am Tresen vertreten durch Gründer André, Chef Daniel und Junior Julian, meinen Sohn.
Ahoi: Zwischenzeitlich hatte sich das Flowerpower ja auch außerhalb Leipzigs ausgebreitet. Es wurde in verschiedensten Städten gefeiert bis der Morgen graute. Dann war aber nach und nach Schluss mit lustig. Was war geschehen?
André Streng: Mit der Eröffnung des ersten Flowerpower–Franchise–Ablegers 1998 in Dresden begann einer rasante Szene-Gastro–Reise mit insgesamt mehr als 15 Eröffnungen in ganz Ostdeutschland. Aber u.a. befristete Mietverträge oder eine schlechte Franchisenehmer–Auswahl verhinderten, dass dieses tolle Konzept Musikkneipe Flowerpower (Eintritt frei und faire Preise mit täglich Rock- und Oldies- DJs) in jeder Stadt ein Evergreen wurde.
Ahoi: Die Gastro-Szene auch in Leipzig steht derzeit vor diversen Herausforderungen. Irgendwie scheint die Leichtigkeit verloren gegangen zu sein. Welche Herausforderungen siehst Du als alter Hase?
André Streng: Ich bin jetzt seit über zehn Jahren nicht mehr im operativen Geschäft und verfolge die Gastro als Konsument (schmunzelt). Einige „Leuchttürme“ beweisen, dass Qualität sich immer durchsetzt, auch, wenn gestiegene Kosten und fehlender Nachwuchs bei Personal und Gästen ein schwieriges Umfeld schaffen. Mit Mut und Kreativität konnte man aber schon immer als Unternehmer seine Lücke finden und ich drücke Leipzig die Daumen, dass die Gäste nach dem Corona–Schock wieder von der Fernsehcouch hochkommen und den Genuss des Miteinanders weiterfeiern.
Ahoi: Und wie können die Gastromenschen diesen Herausforderungen begegnen?
André Streng: Bei meiner Existenzgründung 1996 war ein großer Schuss Naivität hilfreich, aber auch als Gastronomie–Unternehmensberater bin ich in den letzten Jahren recht ratlos & kann es nur so formulieren: Ich kann leider nur Flowerpower!
Ahoi: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, André? Früher warst Du ja auch als Berater tätig. Womit beschäftigst Du Dich jetzt?
André Streng: Nach meinem Ausscheiden 2017 hatte ich das Glück, dass ich im Familien–Unternehmen weiterhin erfüllende Aufgaben fand und so konnte ich auch den einen oder anderen Burnout ausschlafen und die schönen Seiten des Lebens mit Freizeit und Familie genießen.
Ahoi: Das Nachtleben hat bei uns allen Spuren hinterlassen. Wie ist denn bei Dir der gesundheitliche Stand derzeit?
André Streng: Mein erster Burnout 1999 war damals als Depression noch nicht einfach zu erklären bzw. zu verstehen und so habe ich mich von Strohfeuer zu Strohfeuer über die Jahre weiter zu neuen Projekten emporgeschwungen. Ich hatte das Glück, dass mein tolles Team in Leipzig mir die Freiheit dafür schuf. Jetzt mit 55 Jahren blicke ich zurück und würde alles wieder genauso machen, obwohl ich körperlich und mental sehr meine Kraftstrotzenden ersten Gastro–Jahre vermisse.
Ahoi: Danke, lieber André, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast und Danke für die vielen Nächte im Flower Power.
André Streng: Ich danke euch Partnern bei den Medien für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahrzehnte und wünsche uns allen weiterhin „Rosige Zeiten“.

