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  • Stadtgeschichte
Von gruselig bis geheimnisvoll

10 Lost Places in Leipzig

Lost Places Leipzig
Der frühere Glanz dieser einstigen Fabrikanten-Villa nahe Lindenthal lässt sich nur noch mit Fantasie erahnen © Marius Mechler

Der erste Blick auf baufällige oder verfallene Gebäude währt meist nur kurz. Was gibt es hier schon noch zu sehen, mag man denken. Wer allerdings die Ansicht der Lost Places in Leipzig noch etwas auf sich wirken lässt, dem offenbaren sich jede Menge spannende Geschichten. Leipzigs sogenannte „Lost Places“ laden ein, die Geschichte dieser Orte zu entdecken und auf spannende Erlebnistour zu gehen.

 

Die Stasi-Zentrale

Vor über 1000 Jahren gründeten an der Stelle der ehemaligen Stasi-Zentrale slawische Siedler die Stadt Leipzig, eine erste Burg entstand. Das letzte Gebäude vor der Erbauung der Überwachungszentrale war die Matthäikirche mit dem Matthäikirchhof, die im Zweiten Weltkrieg dem Bombenhagel zum Opfer fiel. Nach dem Krieg entstand auf dem 20.000 Quadratmeter Areal die Zentrale der Staatssicherheit mit allem, was eine seinerzeit moderne Diktatur zur Sicherung ihrer Macht benötigte. Den Schrecken verlor das Gebäude der Staatssicherheit und Volkspolizei erst nach der Friedlichen Revolution von 1989. Am 4. Dezember wurde das Gebäude des verlassenen Ortes in Leipzig von Bürgerrechtlern besetzt. Im Rahmen des Baus eines neuen Stadtquartiers soll die ehemalige Stasi-Zentrale abgerissen werden.

Adresse des Lost Places: Die Stasi-Zentrale, Zentrum, Dietrichring 24, 04109 Leipzig, Informationen und Öffnungszeiten unter www.runde-ecke-leipzig.de

Altes Stadtbad

Knapp 90 Jahre bot das ehemalige Stadtbad Leipzigs, früher Nordbad genannt, puren Badespaß für Männer und Frauen. Zu Kaisers Zeiten noch fromm getrennt. Wer Geld hatte, genoss die zahlreichen Angebote, die einem heutigen Spa in wenig nachstehen würden. Wer wenig Geld hatte, wusch sich hier oder legte ein paar Bahnen im 32 Meter langen Hauptschwimmbecken zurück. Das absolute Highlight war die Wellenanlage mit Brechern bis zu einem Meter Höhe. Vom damaligen Badebetrieb ist bei diesem Lost Place in Leipzig heute nichts mehr übrig. Aktuell dient der Bau als beliebte Location für Events und Partys. 

Adresse des Lost Places: Altes Stadtbad, Zentrum-Nord, Eutritzscher Straße 21, 04105 Leipzig

Ruinen im Lene-Voigt-Park

Mitten in Reudnitz zieht sich der etwas verwilderte Lene-Voigt-Park in ost-westlicher Richtung. Doch nicht als Ort der Erholung ist der Grüngürtel einst entstanden, sondern als Abfahrts- und Ankunftsort für die Züge von und nach Eilenburg. Im Zuge der Zentralisierung des Bahnverkehrs durch den Leipziger Hauptbahnhof ab 1915 verlor der Regionalbahnhof seine Bedeutung. 1942 wurde der Verkehr komplett eingestellt. In den vergangenen Jahrzehnten entstand an dem verlassenen Ort in Leipzig ein beliebter Park mit verschiedenen Spiel- und Sportstätten im Grünen, inklusive Gruselfaktor in den drei noch stehenden historischen Bahngebäuden.

Adresse des Lost Places: Lene-Voigt-Park, Reudnitz, 04137 Leipzig

Kirchturm der Probsteikirche

Im Zweiten Weltkrieg fiel die Probsteikirche den Bomben zum Opfer, in den 70er Jahren wurde sie am Rand des Waldstraßenviertels wieder aufgebaut. Doch das war nur ein kurzes Gastspiel des Neubaus der katholischen Kirche. Nach 26 Jahren war bereits klar: hier entsteht ein neuer „Lost Place“ für Leipzig. Mittlerweile ist das Hauptgebäude dem Rohbau neuer Wohnungsgebäude gewichen. Nur der Turm steht an dem Lost Place in Leipzig noch. Ob er sich aber gut in die entstehenden Luxus-Wohneinheiten einfügen wird, bleibt abzuwarten.

Adresse des Lost Places: Ehemaliger Kirchturm der katholischen Kirche St. Trinitatis, Emil-Fuchs-Straße 7

Kursdorf

Einer der kuriosesten Orte in Leipzig ist das ehemalige Dorf Kursdorf im Nordwesten von Leipzig. Beschaulichkeit, bäuerliches Leben und Ruhe waren hier früher einmal zuhause. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde bereits der Flughafen gebaut, damals noch in weiter Entfernung. Doch spätestens mit der Autobahn durchschnitten die Fernstraßen die Felder der Bauern. Der Ausbau des Flughafens zum Intercontinental-Airport vertrieb bis 2017 die letzten Einwohner des ehemals geruhsamen Dörfchens. Heute ist Kursdorf nur noch ein Geisterdorf.

Adresse des Lost Places: Kursdorf, Landkreis Nordsachsen, 04435 Schkeuditz

Bahnbetriebswerk Wahren

1905 begann der Bau des Bahnbetriebswerks in Wahren, fernab des innerstädtischen Treibens der pulsierenden Stadt an der Pleiße. 90 Jahre später herrschte bereits wieder Stille zwischen den zahlreichen Gebäuden der damaligen Reichs- beziehungsweise Bundesbahn. Wer gern auf fotografische Entdeckungstour geht, sollte möglichst früh oder spät durch den verlassenen Ort in Leipzig streifen. Dann erzeugt die einfallende Sonne oder der Sonnenuntergang faszinierende Lichtverhältnisse.

Adresse des Lost Places: Zwischen Wahren und Lützschena, Nähe Erich-Thiele-Straße, Leipzig-Lützschena

Gruselvilla bei Lindenthal

Ob es tatsächlich spukt, ist nicht zweifelsfrei belegt, aber ein gewisses schauriges Gefühl befällt die Besucher beim Anblick dieser vom Zerfall gezeichneten Villa. 1900 wurde sie für den Fabrikanten Robert Andrich erbaut, der schon vier Jahre später gestorben sein soll. Zu DDR-Zeiten kamen zu der Villa noch noch 100 Garagen hinzu. Doch auch die Autos dieser Zeit, gehören längst der Vergangenheit an. Den Rest des Villen-Grundstücks holt sich nun die Natur zurück, ein Schicksal, das der Ort mit fast allen „Lost Places“ in Leipzig teilt.

Adresse des Lost Places: Lindenthal, Gustav-Adolf-Allee

Rittergut Gaschwitz

Bis ins 14. Jahrhundert reicht die Geschichte des Anwesens in Gaschwitz zurück. In der landschaftlich reizvollen Pleißen-Aue gelegen, war es im 19. Jahrhundert noch von einem weitläufigen Schlosspark umgeben. Mit dem stetigen Ausbau des Tagebaus in der Region ging auch die Zeit des Rittergutes Gaschwitz zu Ende. 1925 verkauften die letzten Eigentümer das Areal schließlich der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW).

Adresse des Lost Places: Gaschwitz, Landkreis Leipzig, Cröbernsche Straße 12A, 04166 Markkleeberg 

Lindenauer Hafen

Vom Lindenauer Hafen über die Weiße Elster über einen Kanal zur Saale und von dort bis zur Elbe nach Hamburg. So war der ursprüngliche Projektplan vor 170 Jahren. Heute stehen verfallende Großspeicher und ein nicht vorhandener Kanal für das einstige Mega-Projekt Lindenauer Hafen. Seinen Reiz hat das Areal trotz allem für Entdecker von “Lost Places" in Leipzig nie verloren. Am Wasser gelegen, mit seinen mächtigen und weithin sichtbaren Bauten, die nie die Ladung eines Frachtschiffes in ihrem Inneren aufnehmen mussten, hat es schließlich einen ganz besonderen Reiz.

Adresse des Lost Places: Lindenauer Hafen, zwischen Schönau und Lindenau, 04205 Leipzig

Maschinenfabrik in Plagwitz

Nirgends in Leipzig stehen und standen wohl so viele alte Fabriken wie in Plagwitz. Auch die alte Maschinenfabrik vermittelt noch heute Eindrücke aus dieser Zeit. Viele der alten Bauten sind mittlerweile auch in schicke neue Wohnhäuser verwandelt worden. Einige jedoch, wie die alte Maschinenfabrik, warten auch heute noch auf neugierige Entdecker von verlassenen Orten in Leipzig, um Zeugnis der industriellen Vergangenheit abzulegen.

Adresse des Lost Places: Leipzig-Plagwitz, Zschochersche Straße 78

Alle genannten Lost Places in Leipzig und noch viele weitere finden sich im Buch von Marius Mechler, Lost & Dark Places Leipzig, Bruckmann-Verlag, ISBN 978-3-7343-2504-5

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