Als 1909 der Bau des Leipziger Hauptbahnhofs begann, war ein Tunnel zum Bayerischen Bahnhof Teil der Pläne. 1913 bis 1915 errichteten Arbeiter eine Einfahrtrampe mit einer Länge von 140 Metern und ein rund 700 Meter langes Tunnelstück unterhalb der Gleise 22 und 23 sowie unter dem Bahnhofsgebäude. Die beiden Röhren hatten Maße von je 5,2 x 4,4 Metern. Auch eine unterirdische Verkehrsstation unter dem heutigen Busbahnhof und dem Querbahnsteig wurde errichtet. Das, was einmal Leipzigs erster City-Tunnel werden sollte, endete zunächst unter dem Innenstadtring.
Viele Tote bei Bombenangriffen
Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges gerieten die Arbeiten ins Stocken. Im Zweiten Weltkrieg funktionierten die Nationalsozialisten den unvollendeten Tunnel als Luftschutzbunker um. Bei zwei Bombentreffern am 7. Juli 1944 starben viele Menschen in den Röhren. Die Einschläge teilten den Tunnel in drei Teile.
Tunnelreste 2023 verfüllt
Der Haltepunkt unter der Osthalle wurde zu DDR-Zeiten zum DEFA-Zeitkino umgebaut. Das Kino schloss 1992 seine Türen. In Teilen des Tunnels befand sich zudem ein Kühllager. Als der Hauptbahnhof nach der Wiedervereinigung saniert wurde, bauten Arbeiter 270 Meter Tunnel und die alte Verkehrsstation zurück. Die Tunnelreste unter dem Bahnhofsvorfeld blieben zunächst erhalten. Erst im Sommer 2023 wurden sie inklusive der Tunnelrampe am Gleis 21 verfüllt. Der Blog Sachsenschiene dokumentiert den Zustand des Tunnels vor den Verfüllarbeiten.


