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Subkultur in Leipzig

Zwischen Club und Rathaus

Was macht eine Stadt lebenswert? Für Anne Petzold gehört Nachtkultur zur Antwort. Als Koordinatorin vermittelt sie zwischen Clubs, Verwaltung und Politik und ist Teil der Leipziger „Botschaft der Nacht“.

Anne Petzold, Leipzigs Koordinatorin für Nachtleben
Anne Petzold, Leipzigs Koordinatorin für Nachtleben © Anne Petzold

Nachtleben ist ein krasses Querschnittsthema“, sagt Anne Petzold auf die Frage nach ihrem Arbeitsalltag. An manchen Tagen vermittelt sie zwischen Clubs und Anwohnern. An anderen spricht sie mit Veranstaltern über Open-Air-Genehmigungen oder organisiert Workshops zu Themen wie GEMA, Brandschutz, Awareness oder mentaler Gesundheit.

Seit April 2025 verantwortet sie die Leipziger Koordinationsstelle Nachtleben. Gemeinsam mit dem Fachbeauftragten für Nachtkultur, Nils Fischer, und dem ehrenamtlichen NachtRat bildet sie die sogenannte „Botschaft der Nacht“; eine der wenigen städtisch finanzierten Strukturen dieser Art in Deutschland.

Wir sind auf dem Weg dahin, austauschbar zu werden. Anne Petzold, Leipzigs Koordinatorin für Nachtleben

Raum und Geld

Die größten Herausforderungen der Subkultur fasst Petzold in zwei Worten zusammen: Raum und Geld. Freie Flächen würden knapper, Mieten steigen und kulturelle Orte verschwinden. „Leipzig ist gerade noch eine Stadt, die anziehend ist. Aber wir sind auf dem Weg dahin, austauschbar zu werden.“

Viele Freiräume, die Leipzig geprägt hätten, gerieten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Gleichzeitig werde es schwieriger, neue Orte zu schaffen. „Am Ende siegt Ökonomie leider meistens über Kultur“, sagt Petzold. Deutschlandweit habe bislang kaum eine Stadt ein wirksames Mittel gegen diese Entwicklung gefunden.

Stille Ziele

Für Petzold ist Nachtleben weit mehr als Unterhaltung. Clubs seien Begegnungsorte, Räume für Kunst und Musik sowie wichtige Faktoren für die Attraktivität einer Stadt. „Es braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen können“, sagt sie.

Ein Teil ihrer Arbeit besteht darin, Konflikten vorzubeugen. So brachte sie zuletzt Anwohner und Mieter des Westwerks an einen Tisch, nachdem Beschwerden über Lärm zugenommen hatten. „Das sind oft stille Ziele“, sagt Petzold. Wenn Vermittlung gelingt, bleibt sie meist unsichtbar.

Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem, dass neue Ideen weiterhin ihren Platz finden. An kreativen Menschen mangele es in Leipzig nicht. Entscheidend sei, dass sie auch die Möglichkeit bekommen, daraus neue Orte, Projekte und Begegnungen entstehen zu lassen.

SUBKULTUR IN LEIPZIG. Julia Weiske ist als DJ, Veranstalterin und Workshopleiterin Teil der Leipziger Subkultur. In ihren Texten gibt sie Akteuren aus der Szene eine Stimme und macht auf die Herausforderungen kleiner Kulturorte aufmerksam.

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