Wer perfekt Klavier spielen will, zieht keine Handschuhe an.“ - antwortete der Kinderphysiotherapeut meines Vertrauens(*1) auf meine Frage nach dem perfekten Kinderschuh. Das mit dem Schuhkauf für Kinder ist ja so eine Sache. Kinderfüße wachsen schnell, deshalb stehen Eltern mindestens 4x im Jahr im Schuhladen und probieren ihrem Nachwuchs (der bestenfalls nicht müde von der Kita kommt oder paralyisert vorm Ladenfernseher sitzt) diverse Modelle an. Passen müssen sie, aber auch Farbe und Muster müssen dem Nachwuchs gefallen. Schwierige Kiste! Davon zeugen jedenfalls die getressten Elternpaare, die in der Kinderschuhabteilung um Geduld und Aufmerksamkeit ihrer Kinder ringen.
Gebrauchte Schuhe für Kinder?
Andere Eltern durchforsten im Internet die Schuhläden oder bestellen die favorisierten Modelle gebraucht über diverse Apps. Kinderschuhe sind schließlich wirklich nicht gerade preisgünstig. Aber sind gebrauchte Schuhe auch akzeptabel für den Kinderfuß? Bereits genannter Kinderphysiotherapeut sagt mir dazu - Ja, gegen einen gebrauchten Kinderschuh ist grundsätzlich nichts einzuwenden, solange er in einem guten Zustand ist. Dazu soll der Schuh umgedreht und die Fußaußensohle betrachtet werden. Bei starkem Abrieb, zum Beispiel der Fersenaußenkante, wird das Laufmuster des Nutzers vom Laufmuster des vorherigen Nutzers beeinflusst werden, weshalb vom Kauf abzuraten ist. Je jünger das Kind, umso eher kann zum gebrauchten Schuh gegriffen werden, denn Kleinkinder stehen deutlich weniger Stunden am Tag auf den Füßen als ältere Kinder. Um die richtige Größe des Kinderfußes und des passenden Schuhs zu ermitteln, gebe ich Eltern gern einen Tipp weiter, den ich von einer Kinderphysiotherapeutin(*2) hörte und seitdem auch bei meinen Kindern anwende: Man stellt das Kind mit nacktem Fuß auf eine Pappe und malt den Umriss des Fußes auf, erweitert den Umriss nach oben um 15 bis 17 Millimeter und seitlich jeweils um 2 bis 4 Millimeter und schneidet ihn dann als Schablone aus. Wenn diese Schablone problemlos in den Kinderschuh passt, hat der Schuh die richtige Größe. Die übliche „Daumenmethode“ funktioniert nämlich grad bei kleineren Kindern nicht. Die ziehen dann instinktiv die Zehen ein und arrangieren sich auch lange mit einem zu kleinen Schuh.
Kinderschuhe erst durchkneten
Ein Kinderschuh sollte so flexibel wie möglich sein, sich also „nach allen Seiten problemlos durchbiegen lassen“ und wenig Gewicht haben. Deshalb bin ich im Schuhladen als diejenige zu erkennen, die zur Wahl stehende Schuhpaare erst versuchsweise „durchknetet“, bevor sie dem Kind zur Anprobe freigegeben werden. Hat der betreffende Schuh dann Flexibilitäts- und Schablonentest bestanden, ist nun noch zu hoffen, dass er dem Nachwuchs auch gefällt, was mit zunehmendem Alter sicher der schwierigste Part vom Schuhkauf ist. Am bestem für die Entwicklung des Kinderfußes ist jedoch so wenig Schuh wie möglich. So es die Umgebung und die Temperatur zulassen, deshalb bitte raus aus den Schuhen und barfuß gehen, fühlen, laufen. Von wenigen Ausnahmen bei orthopädischen Erkrankungen abgesehen, ist nämlich der perfekte Schuh der Fuß OHNE Schuh. Denn so, wie man bestenfalls ohne Handschuhe Klavier spielen lernen kann, so kann der Fuß ohne Schuh am besten laufen lernen und ein gesundes Laufmuster entwickeln.


