Englisch ist am Musikalisch-Sportlichen Gymnasium der Rahn Education längst mehr als ein Schulfach: Seit dem Schuljahr 2025/26 gibt es dort einen bilingualen Zweig, in dem aktuell eine 5. und eine 6. Klasse lernen. Wer nun denkt, der gesamte Unterricht finde in der Fremdsprache statt, liegt allerdings falsch. „Es geht darum, die Sprache selbstverständlich in den Schulalltag zu integrieren“, sagt Brigitte Fuhrmann, Lehrerin am Gymnasium. In den jüngeren Klassen werden bislang Geografie und Sport auf Englisch unterrichtet.
Auch die regulären Englischstunden sind in den bilingualen Klassen anders aufgebaut. Statt fünf Wochenstunden klassischen Englischunterrichts gibt es drei Stunden mit höherer Progression sowie jeweils eine Stunde Reading & Writing und CLIL Prep. „Die Kinder, die zu uns kommen, haben bereits einen Wortschatz aufgebaut, den sie in der 5. Klasse normalerweise erst erlernen würden. Im Englischunterricht geht es deshalb eher darum, dieses Wissen zu strukturieren und einzuordnen“, erklärt Fuhrmann. Die Schule knüpft damit an die bereits vorhandenen Sprachkenntnisse der Kinder an.
Die beiden zusätzlichen Angebote setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Im Reading-&-Writing-Unterricht lesen die Schüler englische Bücher und bearbeiten dazu Aufgaben. Fuhrmann berichtet, dass eine aus den USA stammende Lehrerin die Bücher auswählt und mitbringt. CLIL steht für „Content and Language Integrated Learning“. In der entsprechenden Stunde werden die Kinder gezielt auf das englischsprachige Arbeiten in den Sachfächern vorbereitet und dabei sprachlich begleitet.
Englisch mit höherem Tempo
Viele der Schüler bringen bereits entsprechende Vorerfahrungen mit. Etwa die Hälfte der Fünftklässler hat zuvor die bilinguale Klasse der Grundschule der Rahn Education besucht. Die übrigen Kinder haben laut Fuhrmann häufig ebenfalls einen sprachlichen Hintergrund, etwa durch ein englischsprachiges Elternteil, einen Auslandsaufenthalt oder eine besondere sprachliche Begabung. Der bilinguale Zweig soll ihnen ermöglichen, ihre vorhandenen Kenntnisse weiterzuentwickeln, statt zwischen Grundschule und Gymnasium einen Bruch entstehen zu lassen. Für Kinder ohne bilinguale Vorerfahrung gibt es deshalb bereits in der 4. Klasse ein zusätzliches Angebot: In einem wöchentlichen Vorbereitungskurs werden sie auf das Arbeiten in der bilingualen Klasse vorbereitet. Dort geht es unter anderem um Kommunikation, englisches Lesen und Schreiben sowie Sachthemen auf Englisch.
Trotz der vorhandenen Vorkenntnisse ist das Lerntempo hoch. Fuhrmann beschreibt deshalb regelmäßige Kompetenzabfragen als wichtiges Instrument, um zu überprüfen, wie gut die Kinder dem Unterricht folgen und wo Unterstützungsbedarf besteht. „Das ist natürlich eine Herausforderung. Deshalb müssen wir regelmäßig schauen: Wo stehen die Kinder gerade und kommen sie noch gut mit?“
Dass Englisch in der Klasse mehr als ein Unterrichtsfach ist, zeigt sich auch an kleinen Gewohnheiten. Englische Rituale gehören laut Fuhrmann zum Schulalltag. Selbst wenn der Unterricht auf Deutsch stattfindet, wenden sich die Schüler aus Gewohnheit immer wieder auf Englisch an ihre Lehrkräfte.
Der bilinguale Zweig soll künftig weiter ausgebaut werden. Welche Fächer auf Englisch unterrichtet werden, kann sich von Jahr zu Jahr verändern und erweitern. Auch Musik könnte perspektivisch dazukommen. Momentan findet der Musikunterricht allerdings klassenübergreifend statt, bilinguale Anknüpfungspunkte bieten sich somit nur punktuell an.


