• Stadtgeschichte
Teil 22 Torhaus und Gut Dölitz

Völker gegen Völker

Am südlichen Rand von Leipzig wurde schon vor Jahrhunderten Weltgeschichte geschrieben. Das wieder schön hergerichtete Torhaus Dölitz zeugt davon.

Historische Zeichnung der Völkerschlacht
1813: Der Kampf um das Gut Dölitz zog sich über mehrere Tage und Nächte hin. Dabei gelang den österreichischen Verbänden unter Freiherr von Strauch und Graf Kaunitz-Rietberg erst nach dem Rückzug der Franzosen der Zutritt und die Übernahme – Weltgeschichte pur. © Sammlung Volly Tanner

Erwähnt wurde das Gut Dölitz – wahrscheinlich als Wasserschloss – erstmals 1262 im Namen von Johannes von Doluz als „Gut Dolizc“, und das im Lehnsbuch der Meißnischen Markgrafen.

Um 1550 errichteten hier die von Crostewitz ein Renaissance-Schloss, welches 1636 vom Leipziger Rats- und Handelsherrn Georg Winckler gekauft wurde und zehn Generationen lang, knapp 300 Jahre, im Besitz der Winckler’schen Familie verblieb.

Heiß umkämpftes Gebiet

Während der Völkerschlacht 1813 war das Torhaus Gut Dölitz schwerer Infanterie und Artillerie ausgesetzt. Auf dem Gut campierten Napoleons Truppen und verteidigten dieses mehrfach in den Nächten vom 16. bis 18. Oktober 1813 gegen die anrückenden österreichischen Verbände. An der Torhaus-Vorderfront ist heute noch die in Wände gebohrte Kugelmenge zu sehen.

In der Nacht vom 18. zum 19. Oktober traten dann die französischen Heere ungehindert den Rückzug an. Fürst Poniatowski – bis vor kurzer Zeit gab es in Leipzig übrigens das feine, polnische „Restaurant Poniatowski“ – der am 16. Oktober 1813 zum Marschall von Frankreich ernannt wurde, kämpfte hier mit 8.000 polnischen Soldaten des VIII. Korps auf Seiten Napoleons.

Blick in die Vergangenheit

Das Dölitzer Rittergut wurde 1929 von der Stadt Leipzig übernommen und bei einem Luftangriff 1944 schwer beschädigt. 1947 wurde deshalb das Haupthaus gesprengt. Ein verheerender Brand vernichtete 1953 die Rittergutsscheune.

Heute hat das Zinnfigurenmuseum mit über 100.000 Zinnfiguren seine Heimat auf dem Areal. Das mit 25 Quadratmetern faszinierend große Diorama mit vielen tausend Figuren lässt die Völkerschlacht in ganz klein wieder auferstehen, damit sich Interessierte ein Bild machen können. [vot]

Mehr zum Zinnfigurenmuseum:www.zinnfigurenfreunde-leipzig.de

Die Torhausbetreiber-Verband Jahrfeier Völkerschlacht:www.leipzig1813.de

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