Eszter Csépe-Bannert entwickelt mit ihrem Team Konzepte für Bildungsformate, die junge Menschen dazu anre- gen, einen Job zu ergreifen, in dem sie nicht nur fachlich aufgehen, sondern auch persönlich. Dabei ist es ihr wichtig, zum Blick über den Tellerrand anzuregen, denn nur so könne auch reflektiert werden, wie man seinen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten kann. Genau diese Fähigkeit ist es, die im Zentrum von BNE, der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, steht, die politisch immer mehr gewollt ist und vor allem Lehrkräfte fordert. Mit CorEdu hat Csépe-Bannert im letzten Jahr mit Lehrkräften zusammengearbeitet.
Frau Csépe-Bannert, Leipzig ist Modellkommune für Bildung für nachhaltige Entwicklung und auch das Land Sachsen hat eine BNE- Strategie – sprich, das Thema ist aktueller denn je. Damit der BNE- Ansatz gelingt, müssen vor allem auch Lehrkräfte und Führungspersonen entsprechend geschult sein. Sie haben mit CorEdu eine solche Weiterbildung konzipiert und getestet. Wie wurde das von den Führungskräften angenommen?
Eszter Csépe-Bannert: Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass vieles, was wir unter BNE verstehen, schon in den Menschen drinsteckt. Natürlich kriegt man erst mal die Krise, wenn man hört, dass es eine Landesstrategie für BNE und europäische Richtlinien gibt. Wenn man das Thema aber von der anderen Seite angeht, indem man zum Beispiel die Werte der Teilnehmenden erfragt, also in welcher Gesellschaft man die eigenen Kinder beispielsweise aufwachsen sehen oder wie man selbst im Job behandelt wer- den will, dann kommen ganz viele Dinge, ganz ohne den Begriff BNE zu nutzen.
Die Situation, dass wir ein großes Bildungsziel haben, nämlich die Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber diejenigen, die das vermitteln sollen, das selbst gar nicht systematisch im Rahmen ihrer Ausbildung vermittelt bekommen, ist schon speziell, oder?
Csépe-Bannert: Die professionelle Ausbildung von Lehrkräften ist in die- sem Kontext tatsächlich sehr interessant. Wir sind mit CorEdu Teil eines europäischen Projekts mit der TU Dresden. Das ist etwas ganz Innovatives und nennt sich Teacher Academy. Wir erarbeiten in dem Projekt Wege, Elemente der Triade aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit sinnvoll in die Ausbildung von Lehrkräften zu integrieren. Und zwar so, dass sie Nachhaltigkeit am Ende leben. Denn alles steht und fällt mit der Überzeugung und der Person. Ich kann noch so schöne Broschüren und Lehrmaterialien erstellen, aber wenn die Lehrperson das nicht fühlt, wird das nicht ankommen.
Sie arbeiten in unterschiedlichen Projekten auch mit Jugendlichen und Berufsanfängern zusammen. Welche Rolle spielen die Themen rund um BNE für junge Menschen heute?
Csépe-Bannert: Das Projekt Zukunftstalent ist in diesem Kontext besonders spannend, weil man immer wieder Zeitungsberichte über Firmen liest, die die Generation Z beschreiben, wobei die Jugendlichen dabei selten gut wegkommen. Ich denke aber, dass man von den Jugendlichen viel lernen kann, genauso wie von kleinen Kindern. Die Jugendlichen sind nicht dumm, sie sind total engagiert, haben eigene Ideen und sind super kreativ. Und sie wissen sehr viel über Nachhaltigkeit, viel mehr als meine Generation. Sie leben in einer Gesellschaft, deren System nicht aufgeht. Sie sehen, dass der Planet leidet und immer mehr Menschen einen Burnout erleiden. In so einem System wollen sie nicht arbeiten und leben. Mit unserer Arbeit wollen wir die Jugendlichen dazu motivieren, zu reflektieren, in welcher Welt sie leben wollen – und in diesem Rahmen sind sie sehr kreativ, was das Thema Zukunftsfähigkeit angeht. Ich empfehle deshalb allen, den Jugendlichen häufiger zuzuhören – denn sie haben viel zu sagen.
Die BNE-Themen sind ja insgesamt sehr komplex – schließlich geht es darum, weitreichende Auswirkungen des eigenen Handelns zu verstehen. Welche Methoden haben sich bewährt, um diese Inhalte zu vermitteln?
Csépe-Bannert: Ich bin davon über- zeugt, dass es eine gute Maßnahme wäre, Reisen als verpflichtendes Fach einzuführen. Dadurch lernt man unterschiedliche Kulturen und Sprachen kennen, sieht unterschiedliche Lebensweisen. Man kann das natürlich aus dem Lehrbuch erzählen, aber wenn man das selbst erlebt, dann hinterlässt das ganz andere Spuren. Und diese Initiative unterstütze ich bei CorEdu mit Auslandsaufenthalten. Ich entsende Jugendliche, die sich in der Ausbildung befinden, mit Erasmus+ ins Ausland, um dort einen bestimmten Zeitraum in ihrem Beruf zu arbeiten.
Meist dauern die Aufenthalte zwei Wochen bis drei Monate. Das Ergebnis sind meist ganz andere Menschen, die ich dann vor mir sitzen habe. Denn das ist für viele Jugendliche das erste Mal, dass sie in diesem Kontext reisen, es fördert sie persönlich wie interkulturell sehr stark. Lehrkräfte können das fördern, indem sie die Jugendlichen darauf hinweisen, dass die Möglichkeit eines Auslandspraktikums besteht. Im Unterricht kann man im Anschluss vieles aufgreifen und reflektieren, was den Jugendlichen vor Ort begegnet.


