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Kulturlounge in Dialog mit der GEMA

Subkultur braucht neue Tarife

Die Kulturlounge steht vor wachsenden Herausforderungen im Umgang mit der GEMA. Digitale Prozesse erschweren den Überblick und sorgen für finanzielle Belastungen, die besonders kleine Strukturen treffen.

Pierre engagiert sich seit 15 Jahren für die Kulturlounge, steigende Lizenzkosten beschäftigen ihn zunehmend
Pierre engagiert sich seit 15 Jahren für die Kulturlounge, steigende Lizenzkosten beschäftigen ihn zunehmend © Alex Schumann

Dienstagnacht, drei Uhr: in Pierres Postfach kommt eine E-Mail der GEMA an. Am nächsten Vormittag folgt ein Anruf mit Fragen zu Eintrittspreisen vergangener Abende. Es geht um Nachberechnungen von Lizenzgebühren.

Seit 15 Jahren führt Pierre im Namen des gemeinnützigen Vereins Kulturlounge e. V. den kleinen Kulturraum in der Dresdner Straße. Die „KuLo“ fasst 60 Menschen und ist Ort für Konzerte, Workshops und elektronische Musikabende. Sie ist Treffpunkt für Subkultur. Nun fürchtet Pierre finanzielle Herausforderungen durch die Verwaltung von Musikrechten.

Was macht die GEMA?

Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) vertritt über 90.000 Komponisten, Textdichter und Musikverlage. Ihr Prinzip ist klar: Wer Musik öffentlich nutzt (egal ob Radio, Supermarkt oder Veranstaltung) soll die Urheber entlohnen. Dafür erhebt die GEMA Lizenzgebühren und schüttet Tantiemen aus.

In der Praxis folgen die Berechnungen komplexen Tarifen, die kleine Vereine an organisatorische Grenzen führen. Früher basierten Abrechnungen vorrangig auf eigenen Anmeldungen. Heute ist das System digitalisiert. Algorithmen werten öffentliche Inhalte aus: Presseberichte, Facebook-Events, Instagram-Posts. „Das Wording ist so wichtig geworden, weil KI uns bewertet", erklärt Pierre. Das Problem: Ein Algorithmus versteht keine kulturellen Nuancen, sondern sucht nach Schlagworten und rechnet nach Rastern ab.

Streitfall DJ-Konzert: Kunst oder Party?

Ein zentrales Problem ist die Einordnung. Pierre meldet die Vereins- und Kollektiv-Veranstaltungen als „DJ-Konzerte“ an, eine Kategorie, die die GEMA selbst eingeführt hat. Für ihn ist das ein wichtiges Signal: „DJ-Performances sind eine Kunstform.“ Entscheidend sei, dass der Fokus auf dem künstlerischen Auftritt liege, nicht auf dem Tanz. Das entspräche dem Konzept der Kulturlounge als Plattform für Showcaseformate und Subkultur.

Die GEMA sieht das anders. In einer Stellungnahme bezüglich Pierres Einspruch gegen die Nachberechnung erklärt sie, DJs mixten Werke anderer, Live-Acts veränderten eigene Kompositionen live. Die Rechnung bleibe bestehen.

Wir haben das selbe Interesse: Wir wollen Veranstaltungen anmelden und Kunst fördern. Pierre Eichner, Geschäftsführer Kulturlounge

Frage der Verhältnismäßigkeit

Die Abgrenzung ist unscharf und ohne juristische Unterstützung für kleine Orte schwer einzuschätzen. Der finanzielle Unterschied ist erheblich: Gebühren für einen DJ-Konzertabend liegen bei kleinen Flächen bei etwa 30 bis 50 Euro. Wird das Event als Tanzveranstaltung eingestuft, steigt der Betrag auf ca. 100 bis 150 Euro. Die GEMA rechnet außerdem in 100-qm-Schritten ab. Der rund 30 qm große Raum der „KuLo“ fällt damit automatisch in die unterste Stufe bis 100 qm.

Pierre ist neben Vereinsvorstand auch ehrenamtlich Techniker und Booker. Das GEMA-Portal zu bedienen, Veranstaltungen korrekt zu kategorisieren und Künstler Setlists (Liederaufstellungen) liefern zu lassen, kostet Zeit. Schafft man das nicht innerhalb von zehn Tagen nach der Veranstaltung, greift standardmäßig die Kontrollstrafe: 100 Prozent Zuschlag. So erhöht sich eine Rechnung von 150 schnell auf 300 Euro. Die steigenden Kosten müssen kleine Orte oft an ihre Gäste weitergeben. Doch wenn diese immer mehr zahlen müssen, „[…] werden wir irgendwann gar kein Publikum mehr haben, das Kultur erleben will“, fürchtet Pierre.

Was sich ändern muss

Pierre hält die GEMA für wichtig. Sie sichere die Rechte von Künstlern, das stelle er nicht in Frage. Was fehlt, sei ein System, das die Realität kleiner Räume besser abbildet. Er wünscht sich eine Ansprechstelle für Subkultur, die szenenah arbeitet, sowie Schulungen, um Wissenslücken zu schließen. Vor allem aber brauche es mehr Kommunikation im Vorfeld.

„Wir haben dasselbe Interesse: Wir wollen Veranstaltungen anmelden und Kunst fördern.“ Kulturförderung entstehe oft gerade in kleinen Räumen, sagt Pierre. Ohne mehr Verständnis für ehrenamtliche Strukturen könnten viele Orte langfristig nicht bestehen. Sein Fazit: „Menschen müssen mit Menschen reden!“

Mehr Infos zur Kulturlounge und Termine unter
kulturlounge.jimdofree.com

Subkultur in Leipzig. Julia Weiske ist als DJ, Veranstalterin und Workshopleiterin Teil der Leipziger Subkultur. In ihren Texten gibt sie Akteuren aus der Szene eine Stimme und macht auf die Herausforderungen kleiner Kulturorte aufmerksam.

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