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Leipzigs schnellste Radsportlerin im Interview

Olivia Schoppe: „Man muss sich was trauen“

Olivia Schoppe fährt für das LKT-Team aus Brandenburg © Arne Mill

Sie ist Leipzigs schnellste Frau auf zwei Rädern. Olivia Schoppe startet für das LKT-Team aus Brandenburg in der Rad-Bundesliga und bei internationalen UCI-Rennen. Die 23-Jährige sprach mit der Ahoi über Sprints bei 70 km/h, die Entwicklung des Frauen-Radsports und die Vereinbarkeit von Sport und Beruf.

Sie fahren seit dieser Saison für das UCI-Team LKT aus Brandenburg. Was war ausschlaggebend für den Wechsel?

Olivia Schoppe: "Ich bin ganz happy bei dem neuen Team, fahre in der Bundesliga und bei internationalen Rennen und bin dieses Jahr für Deutschland die Hochschul-Weltmeisterschaft in Costa Rica gefahren. Das war ziemlich cool. Bei LKT kann ich auch Bahnrennen bestreiten und bin nicht nur auf der Straße unterwegs wie bei meinem alten Team. Das hat für mich gut gepasst. Dass es dort auch zwei Frauen in der sportlichen Leitung gibt, ist ganz viel wert."

Wie viele Kilometer sitzen Sie in der Woche auf dem Rad?

Olivia Schoppe: Das hängt vom Trainingsplan und der Wettkampfphase ab, aber so im Schnitt zwischen 350 und 600 Kilometer. 

Was war bislang Ihr größer Erfolg?

Olivia Schoppe: "Im Vorjahr war ich in der Rad-Bundesliga Zweite der Gesamtwertung und habe die Nachwuchswertung gewonnen. Bei der U23-DM war ich 2023 Dritte im Straßenrennen. International habe ich bei zwei UCI-Rennen in Belgien zweimal den 15. Platz geholt. 2022 bei Binche Chimay Binche und 2023 bei Spar Flanders Diamond Tour."

Sie haben ihre Stärken im Finish. Sind Sie eine reine Sprintspezialistin?

Olivia Schoppe: "Nein. Gegen die Sprintspezialistinnen würde ich wahrscheinlich auch keinen Stich sehen, aber wenn das Profil vorher etwas eklig ist und am Ende noch ein Sprint kommt, das liegt mir am besten."

Wie kann man sich einen Sprint bei 60 oder 70 km/h vorstellen?

Olivia Schoppe: "Da muss man sich schon was trauen. Meistens fährt man da in Lücken rein, wo keine sind. Wenn man sich das nicht raut, dann kommt man nicht vorne an."

Verdienen Sie mit dem Sport Geld? 

"Nein. Ich fahre für ein Profiteam im UCI-Bereich, das ist eine Stufe unter der World Tour. Ich bekomme das Material, Klamotten, Unterkünfte und Verpflegung von meinem Team gestellt, aber verdiene kein Geld."

Sie sind in einem Förderprogramm für den Radsport-Nachwuchs, das der Ex-Radsportler Uwe Friedrich ins Leben gerufen hat. Was hat es damit auf sich? 

Olivia Schoppe: "Wenn ich etwas brauche, was mit dem Radsport zu tun hat, wenn ein Teil verschlissen ist oder bei einem Sturz was kaputtgeht, bekomme ich das ersetzt. Oder wenn ich was Neues benötige. Radsport ist ja ein teurer Sport. Bis vor Kurzem habe ich noch bei Kaufland Regale eingeräumt. Neben dem Sport und dem Studium war das schon ziemlich viel Stress. Auch mein Trainer André Schulze wird über das Programm bezahlt - was meinen Erfolg mit ermöglicht Ich bin sehr glücklich, dass ich da aufgenommen wurde."

Wie wollen Sie Studium oder Beruf und den Sport künftig unter einen Hut kriegen?

Olivia Schoppe: "Ich wollte schon immer Lehrerin werden und studiere Lehramt auf Geografie und Sport. Ich schreibe in den nächsten zwei Semestern mein Staatsexamen. Danach überlege ich, ob es der richtige Schritt wäre, direkt ins Referendariat einzusteigen oder den Sport noch vorzuziehen. Es gibt in Sachsen gibt auch ein Praktikumsmodell, bei dem man als Vertretungslehrer schon etwas in der Schule arbeiten kann. Das wäre gut mit dem Sport vereinbar und würde das Referendariat verkürzen."

Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauen-Radsports?

Olivia Schoppe: "Bei der Bezahlung und bei den Preisgeldern gibt es noch sehr große Unterschiede. Auch das Interesse ist leider noch nicht so da. Bei den Sixdays in Berlin sollte das Frauen-Rennen erst wegen Budgetkürzungen nicht stattfinden. Nach Protesten durften die Frauen dann doch fahren – aber eine Stunde vor dem offiziellen Zuschauer-Einlass. Das fand ich total traurig. Frauen-Rennen sind nicht schlechter. Es gibt aber auch positive Beispiele wie die Thüringen Ladies Tour, eine wirklich tolle Veranstaltung mit vielen Zuschauern. Oder mein neues Team (lacht)."

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren im Radsport? 

Olivia Schoppe: "Ich will auf jeden Fall die nächste Studenten-Weltmeisterschaft in zwei Jahren in China fahren. Eine Straßen-EM- oder WM-Teilnahme ist ein Riesentraum. Und natürlich Olympia. Aber davon bin ich momentan noch ein Stück weit entfernt. Und ich würde gern mit dem Radsport Geld verdienen. Vielleicht entwickelt sich mein Team durch noch mehr Sponsoren ja irgendwann in diese Richtung."

Sie sind die Enkelin von Wolfgang Schoppe (83), einem früheren Radsportler und Radsportfunktionär. Was haben Sie von Ihrem Opa mit auf den Weg bekommen?

Olivia Schoppe: "Mein Opa hat mich zum Radsport gebracht. Er hat mich immer unterstützt. Er steht immer hinter mir und ist immer da, wenn ich was brauche. Ich kann wirklich nur den Hut vor ihm ziehen und bin ihm sehr dankbar."

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