Marcel Heym aka. Orbit kommt auf seiner „Smalltown Friends in Europe Tour” am 27. Februar nach Leipzig. Ein Solo-Projekt, das längst keines mehr ist. Mit dabei hat er seine Gang und seine Musik. Im Fokus stehen Freundschaft, Nähe zu Fans, der DIY- und Community-Gedanke. Sein Sound ist intim und minimalistisch, mit atmosphärischen Synths und Soundlandschaften aus verträumt-verzerrten Vocals und intimen Akustiksounds. Über Kassetten, die im Garten laufen, Konzerte unter freiem Himmel und seine Community, die sich nicht wie klassische Fans anfühlt, spricht der Musiker im Ahoi-Interview mit Paula Goos.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Hast du ein Highlight aus 2025?
Orbit: Ein richtig schöner Moment war, als ich mein Album meinen ganzen Freunden vorgespielt habe. Wir haben so eine kleine Listening-Session hier in Bremen gemacht ,waren bei Freunden im Garten und haben zusammen das Album gehört und unsere Jugend reflektiert. Das war richtig schön
Freundschaft spielt eine große Rolle in deinem Schaffen, oder?
Orbit: Auf jeden Fall. Sowohl die Inspiration für die Songs kommt viel aus Freundschaft, als auch die Umsetzung. Dieses Projekt ist als Solo-Projekt gestartet, aber mittlerweile sind so viele Friends involviert, die mir bei allem helfen. Live-Umsetzungen, aber auch Merchandise oder Management, das sind alles Freunde von mir. Wir planen die ganzen Releases zusammen, bauen die Bühnenbilder zusammen, machen eigentlich alles von A bis Z im Freundeskreis.
Das ist unsere goldene Regel.
Ich denke, das spürt man auch als Fan deiner Musik und fühlt sich dann aufgenommen in diesen Kreis.
Orbit: Es fällt mir schwer, mit dem Wort „Fan“ umzugehen. Ich versuche, Menschen, die meine Musik hören, gar nicht so sehr als außenstehenden Part zu betrachten.
Es wird viel objektiviert dadurch, dass „Fans“ immer nur Zahlen sind – Klicks und monatliche HörerInnen. Wir versuchen, es noch ein wenig persönlicher zu gestalten. Dafür haben wir rund um den Albumrelease ganz besondere Fan-Events mit viel Nähe organisiert. Wir waren in ganz Deutschland unterwegs und haben überall, wo wir eingeladen wurden, Picnic Pre-Listening Sessions mit dem Test-Press der Vinyl gestartet.
Meistens ist das größte Thema in der Musik romantische Liebe, die in der Gesellschaft gegenüber Freundschaften oft priorisiert wird. Spielt diese Liebe in deiner Musik auch eine Rolle?
Orbit: Ja, natürlich gibt es beides. Sie ist eine Facette, aber nicht das Zentrum.
Dein aktuelles Album „Countless Feelings But So Few Words“ soll den Abschluss deiner Coming-of-Age-Reise darstellen. Womit hast du abgeschlossen und was nimmst du weiterhin mit?
Orbit: Es hat sich verändert, wie viel Zeit man für gewisse Dinge hat und wie viel Energie. Ich bin auf viele Arten und Weisen mittlerweile in einer anderen Phase meines Lebens. Das zeigt sich darin, wie man Freundschaften lebt oder seinen Alltag gestaltet. Im Äußeren wie auch im Inneren befinde ich mich einfach ganz woanders. Dieses Album spiegelt die Realisation dessen. Ich musste es einfach aussprechen, um damit abschließen zu können.
Welche Musik inspiriert dich aktuell?
Orbit: Ich höre gerade sehr viel analoge Musik. Ich habe ein kleines Gartenstück. Der ehemalige Besitzer dieses Gartens hat seinen Kassettenrekorder da liegen lassen. Inklusive all seinerKassetten. Das ist ideal, denn ich bin dort immer ohne Handy und Internet. Ich ziehe mir dann lieber seine Kassetten rein: Dire Straits, Pink Floyd – er hat einen wirklich guten Musikgeschmack! Das ist sogar die Musik, die ich gerade am meisten konsumiere. Mein All-Time-Classic ist außerdem Bon Iver.
Machst du in deinem Garten auch Musik oder bist du da fernab von allem?
Orbit: Ich habe schon ein paar Mal im Garten Musik gemacht, das ist aber ein wenig umständlich. Gerade im Sommer bin ich dann viel lieber einfach nur da, ohne was zu machen. Aber ich habe jetzt ein neues Keyboard, das batteriebetrieben ist. Das ist immer in meinem Rucksack und ich benutze es gerade überall. Damit kann man sehr gut kleine Skizzen machen und auch direkt aufnehmen.
Auf der Bühne stehst du ja mit Live-Musikern, das entsteht aber alles am Computer, oder?
Orbit: Ja, die meiste Zeit bin ich bisher mit Orbit alleine am Computer gewesen. Ich habe zwei Studio-Situationen, wo ich Sachen gut aufnehmen könnte, aber da bin ich eigentlich nie. Meistens hocke ich am Küchentisch oder auf dem Sofa mit meinem Laptop und bastle da alles zusammen. Es gibt auch Jam-Sessions mit Freunden, die auf jeden Fall Einfluss auf meine Musik haben, aber das ist immer sehr random, da gibt es keine feste Konstellation.
Wenn du eine Zeitreise machen könntest, wohin würde die gehen?
Orbit: Ich kann mir vorstellen, dass viele Zeiten, in die man sich zurückbeamen kann, gar nicht so geil sind. Insofern würde ich mich vielleicht einfach zurückbeamen in meine Jugendzeit. 2008 bis 2010.
Gab es da etwas Bestimmtes, das du gerne zurück hättest? Ein Fashion-Piece oder irgendein Game, das du gezockt hast?
Orbit: Jetzt, passend zum Winter: die Schneeballschlachten. Mein Bruder hat mich immer mit einem Lenkschlitten den Hügel hinunter geschubst. Bei der Kleineren musste man immer alles ausprobieren, wir haben Rampen gebaut und so. Das würde ich gerne nochmal erleben, aber ich glaube, ich passe in diesen Schlitten nicht mehr rein.
Du kommst aus der Nähe von Bremen, lebst dort jetzt wieder und bist deiner Heimat sehr verbunden. Was macht diesen Ort für dich aus?
Orbit: Meine Freunde und meine Familie. Ich komme ja aus Achim bei Bremen, das ist eher ein Dorf. Weil ich da groß geworden bin, hat dieser Ort etwas sehr Warmes und Vertrautes, das ich bisher nirgendwo anders gefunden habe. Dieses Gefühl, dass man jede Ecke und jeden Baum kennt – das ist für viele Leute vielleicht auch sehr bedrückend, aber ich brauche das, gerade wenn ich von Touren zurückkomme. Es ist auch einfach wunderschön hier, es gibt sehr viel Natur: Wir haben einen Fluss, der durch unsere Stadt fließt, im Sommer sind viele Leute an den Stränden. Dazu eine riesige Freundesgruppe, die aus der Schulzeit geblieben ist. Das ist mir viel wert.
Aus meiner Generation kommt auch die Rapperin Sarah 4K aus Bremen. Und dann wären da natürlich noch die Bremer Stadtmusikanten. Hast du das Gefühl, Bremen ist eine gute Stadt für junge Musikschaffende? Wie sieht die lokale Szene aus?
Orbit: Die Musikszene ist hier sehr cool. Noch etwas mehr “left field“ (unerwartet), als in Berlin. Bremen hat gar nicht so viele Möglichkeiten, sich kommerziell als Künstler zu entfalten, deswegen bleibt alles szeniger. Alle kennen sich gegenseitig und versuchen gemeinsam, etwas auf die Beine zu stellen. Das ist sehr sweet.
In Leipzig ist es ähnlich!
Orbit: Witzigerweise habe ich auch immer gehört, dass Bremen und Leipzig viele Parallelen haben.
Hast du eine persönliche Verbindung zu Leipzig? Hast du schon mal hier gespielt?
Orbit: Auf unserer allerersten Tour haben wir in Leipzig gespielt! Im Hof des Grassi-Museums. Das war noch in der Corona-Zeit. Da hatte ich vielleicht 500 Instagram-FollowerInnen und habe einen Aufruf gestartet, wer Bock hat, ein Orbit Konzert zu organisieren. Wir haben das dann gemeinsam durchgezogen, in einem Zeitfenster, wo man mal Leute sehen durfte. Es war eine riesige Bühne, aber nur etwa 20 Leute davor. Dieses Konzert ist mir noch lange in Erinnerung geblieben. Mit der lokalen Veranstalterin, die damals schon alles klargemacht hat, arbeiten wir heute noch für Konzerte in Leipzig zusammen.
Dann waren wir nochmal in der Arena am Panometer, auch eine Outdoor-Location. Es hat einfach aus Eimern geschüttet, alle waren nass. Es war ein richtiger Ausnahmezustand, wir haben das Konzert aber nicht abgebrochen, sondern einfach weitergemacht.
Wer soll bei deinem Konzert am 27. Februar vorbeikommen?
Orbit: Die Einladung geht raus an Leute, die gerne mal kurz den Alltag loslassen, in Traumwelten abdriften und sich fühlen wollen. Und ich empfehle auch sehr, das mit Freunden zusammen zu machen!
Hast du ein Motto fürs neue Jahr?
Orbit: Leicht zu sein, loszulassen und mal wieder ein bisschen Spaß zu haben.
Das klingt schön, dann wünsche ich dir, dass das klappt und dir die Tour viel Leichtigkeit gibt.
Orbit: Das macht sie auf jeden Fall. Danke dir.


