Du bist Spaziergangs- forscher – was machst du ganz konkret?
Weisshaar: Ich gehe viel zu Fuß. Da bei geht es im Kern immer darum, die Welt, die Stadt und die Landschaft aus der Perspektive von Fußgängern zu betrachten und eine Lobby für die Belange der Fußgänger zu schaffen, analog zu denen der Rad oder Auto fahrer. Das geht mit Fußverkehrschecks oder auch einmal mit Spaziergängen mit dem OBM, um Probleme aufzuzeigen, oder auch mit meinem Buch „Einfach losgehen“.
Spazierengehen, wandern, sich bewegen erhält die Gesundheit. Wird dies genug wahrgenommen, auch von Ärzten und Kassen?
Weisshaar: Seit jetzt fast alle ein Smartphone haben, haben ja auch viele einen Schrittzähler dabei. In Gesprächen mit Bekannten oder auf Tagungen fällt dann schon auf, wie viele Menschen diesen in ihrem Alltag nutzen. Das bietet mittelfristig große Chancen, nicht nur für die persönliche Gesundheit, sondern auch, da mit man eben nicht mit dem Auto bis direkt vor die Haustür fährt, sondern etwas entfernt parkt, um noch ein paar Schritte zu gehen.
Schöner Nebeneffekt ist, dass dann Körper und Geist gleichzeitig ankommen. Beim Parken direkt vor der Haustür ist man ja nur körperlich da, der Geist ist ja meistens noch im Stress des Verkehrs gefangen. Und die Menschen begegnen sich wieder, um miteinander zu reden.
Man soll 10.000 Schritte pro Tag gehen, heißt es. Das erscheint nicht viel. Ist Spazierengehen im urbanen Leben wirklich so schwer?
Weisshaar: Gehen ist ja mittlerweile auch Ausdruck von Zeitreichtum. Viele Menschen haben ein solch eng getaktetes Leben zwischen Familie, Beruf und Freizeitverpflichtungen, da lebt sich das Leben ja wie im Flugeweg. Veränderung beginnt jedoch immer gerade jetzt. Und es gibt auch solch schöne Festivals wie „Jane’s Walk“, die zum Fußgehen einladen. [


